Ändert die Partei den Namen? Werden Partner gesucht?

"Tiefgreifende Veränderungen": Le Pen kündigt Umbau des Front National an

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Blickt bereits in die politische Zukunft: Marine Le Pen

Paris - Nach der Niederlage in der Stichwahl kündigt die Parteivorsitzende Veränderungen an. Diese könnten sich nicht nur auf den Namen beschränken und zügig voran gehen.

Am späten Sonntagabend trat Marine Le Pen vor die versammelten Journalisten, um ihre Niederlage bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich einzuräumen. Die 48-Jährige musste in der Stichwahl ihrem Konkurrenten Emmanuel Macron den Vortritt lassen. Sie erreichte nur 33,9 Prozent der Stimmen.

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Nach der Übermittlung der Glückwünsche an den Gewinner verkündete Le Pen, sie werde weiter machen und versteht ihre Partei als "erste Opposition". Außerdem will die 48-Jährige ihre Partei, den Front National, tiefgreifend verändern. Eine "neue politische Kraft" soll entstehen. Das Vorhaben bestätigte danach auch Parteivizechef Florian Philippot gegenüber dem französischen Fernsehsender TF1.

Ein neuer Name für den "Front National"?

Wie genau Le Pen aber den Front National umbauen und die Rechtspopulisten in Frankreich neu organisieren will, ist derzeit noch offen. Möglich ist, dass die Partei einen gänzlich neuen Namen erhalten wird. Ein solches Vorhaben bestätigte auch Philippot. Derartige Überlegungen kursieren bereits seit dem Ausschluss des langjährigen Vorsitzenden Jean-Marie Lea Pen im August 2015.

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Das Ziel von Marine Le Pen ist weiter der Einzug in den Elysee-Palast als Staatsoberhaupt. Wenn nicht heute, dann in fünf Jahren. Hoffen lässt sie die Tatsache, dass die Franzosen bei der Abstimmung am Sonntag keine "republikanische Front" gegen den FN aufgebaut haben.

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Um wirklich eine Chance auf das höchste Amt der Grande Nation zu haben, braucht sie aber neue Bündnispartner. Während des Präsidentschaftswahlkampfes, als ein loses Bündnis mit der kleinen konservativen Partei "Aufrechtes Frankreich" des Politikers Nicolas Dupont-Aignan gepflegt wurde, sprach Le Pen häufig von einer "Allianz der Patrioten". Le Pen hofft offenbar, künftig weitere Politiker aus dem rechten Spektrum auf ihre Seite zu ziehen und unter einem großen Ganzen zu bündeln.

Eine Aufweichung des Kurses?

Marion Maréchal-Le Pen, Nichte Le Pens und ebenfalls FN-Politikerin, forderte noch am Wahlabend eine drastische Kehrtwende. Unter anderen kritisierte sie die Forderung der Partei nach einem Austritt aus dem Euro. Ob dieses Manöver mit der Tante abgesprochen war und vielleicht ein Bestandteil des neuen, weicheren Kurses sein könnte, ist Gegenstand von Spekulationen.

Eine Öffnung zu größeren Wählerschichten und eine Abkehr von radikalen Positionen sind aber keine unrealistischen Szenarien. Das Ganze könnte rasch vonstatten gehen. Bereits im Juli, nur etwas mehr als einen Monat nach der Präsidentschaftswahl, entscheiden die Franzosen über die Zusammensetzung ihres Parlaments. Hier könnte Le Pen aus ihrem neuen und selbst verliehenen Standing als Herausforderin Nummer eins mit einer starken Vertretung im Parlament wohl am schnellsten politisches Kapital schlagen.

tlo

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