Konservative im Aufschwung

Neuwahlen in Großbritannien: May erhofft sich Vorteile

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Theresa May verkündete Neuwahlen für Großbritannien.

London - Kurz vor dem Beginn der Brexit-Gespräche mit der EU will die britische Premierministerin Theresa May neu wählen lassen. Doch was sagen die britischen Parteien dazu?

Ernst, beinahe feierlich tritt die britische Premierministerin Theresa May vor die versammelte Presse vor dem Regierungssitz Downing Street. Sie trägt ein dunkelblaues Kostüm, die Haare im Pagenschnitt. Ihre Stimme zittert, als sie die Neuwahlen verkündet, die sie monatelang ausgeschlossen hatte. Das Land sei vereint, das Parlament zerstritten, begründet sie die Entscheidung.

In Wirklichkeit könnten es weitaus opportunistischere Gründe gewesen sein, die May dazu bewegt haben, die Briten an die Wahlurnen zu rufen. Jüngste Umfragen zeigen einen historischen Vorsprung für ihre Konservativen im Vergleich zur Labour-Partei. Die knappe Regierungsmehrheit von zwölf Sitzen könnte sich möglicherweise auf über Hundert erhöhen, meinen Experten. Vor allem in den Brexit-Hochburgen im traditionell Labour-geprägten Norden könnten sie Stimmen hinzugewinnen.

Wir begleiten den Ausgang der Unterhauswahlen im Live-Ticker.

In diesem Artikel haben wir für Sie zusammengefasst, wann es am 8. Juni ein Ergebnis gibt. Hier können Sie nachlesen, wie Sie die Wahl live im TV und im Live-Stream verfolgen können.

LABOUR: 

Die Partei von Ex-Premier Tony Blair liegt dagegen am Boden. Unter der Führung von Jeremy Corbyn leidet sie seit Monaten unter den schlechtesten Umfragewerten seit Jahrzehnten. Dabei ist Labour die einzige Partei, die May stürzen könnte. Doch daran ist nicht zu denken. Der Altlinke Corbyn hat viele Wähler aus der Mitte verprellt und ignoriert den geplanten EU-Austritt weitgehend. Gleichzeitig genießt er an der Basis große Unterstützung.

Zweimal wurde er von den Mitgliedern mit großer Mehrheit ins Amt gewählt, vor allem mit Hilfe von Neumitgliedern. In der Fraktion hat Corbyn nur wenig Rückhalt. Versuche, ihn abzulösen, scheiterten. Sollte die Partei wie erwartet ein desaströses Ergebnis einfahren, müsste er zurücktreten. Das könnte für May nicht nur Vorteile bringen. Unter einem neuen Parteichef könnte die Partei ihre internen Streitigkeiten beilegen und wieder an Attraktivität gewinnen. Kapital könnte sie daraus aber wohl erst nach Abschluss der Brexit-Verhandlungen schlagen.

LIBERALE: 

Auch die Liberaldemokraten hoffen darauf, wieder eine Rolle zu spielen. Sie setzen auf die Stimmen der Brexit-Gegner. Sie sind neben den marginalisierten Grünen die einzige landesweite Partei, die offensiv für einen Verbleib im Europäischen Binnenmarkt wirbt, ja sogar für ein zweites Brexit-Referendum über das künftige Verhältnis zur EU. Doch sie haben keine Chance, den großen Parteien gefährlich zu werden.

KONSERVATIVE: 

Ihre eigene Partei hat May weitgehend im Griff. Aber sie ist getrieben von den harten Brexit-Befürwortern. Mit einer Regierungsmehrheit von nur zwölf Stimmen können die leicht zum Zünglein an der Waage werden. Diese Abhängigkeit könnte May mit einer komfortableren Mehrheit verringern. Das könnte ihr Spielraum verschaffen, um in den Brexit-Verhandlungen mit der EU Kompromisse einzugehen.

SNP: 

Für die Schottische Nationalpartei (SNP) wird die Wahl zum Stimmungstest für das angekündigte Unabhängigkeitsreferendum. Zwischen Herbst 2018 und Frühjahr 2019 will Regierungschefin Nicola Sturgeon die Schotten über eine Loslösung von Großbritannien abstimmen lassen. Die Partei gewann bei der vergangenen Wahl im Jahr 2015 bereits 56 der 59 schottischen Abgeordnetensitze im Parlament in Westminster. Sollte sie Sitze verlieren, würde das als Votum gegen ein zweites Referendum interpretiert werden. Doch Sturgeon gibt sich zuversichtlich. Die Premierministerin könnte einer „gigantischen Fehleinschätzung“ erlegen sein, sagt sie nach Mays Ankündigung für eine Neuwahl.

Für May steht einiges auf dem Spiel

Sollte May die Wahl gewinnen, müsste sie sich erst 2022 wieder den Wählern stellen. Bis dahin wäre der Austrittsprozess aus der EU möglicherweise abgeschlossen. Der Brexit würde nicht noch einmal das zentrale Thema einer Wahl werden. Auch ein schottisches Unabhängigkeitsreferendum will sie möglichst in die Zeit nach dem Brexit verschieben. Ob ihr das gelingen wird, hängt maßgeblich auch vom Ausgang der vorgezogenen Neuwahlen ab, über die das britische Parlament an diesem Mittwoch abstimmen soll.

dpa

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