NSU-Prozess

Wird Beate Zschäpe die Aussage ihrer Mutter zum Verhängnis?

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Beate Zschäpe ist die Hauptangeklagte im NSU-Prozess in München.

Die Mutter von Beate Zschäpe stimmte der Verwendung ihres Verhörs vor Gericht zu. Details über das Heranwachsen der mutmaßlichen Rechtsterroristin kamen so zum ersten Mal auf den Tisch. Die Aussagen könnten der Angeklagten schaden.

München - Lange dauerte der Auftritt von Annerose Zschäpe am Mittwoch nicht. Nach nur wenigen Augenblicken durfte die Mutter von Beate Zschäpe die Zeugenbank im Oberlandesgericht München wieder verlassen. „Möchten Sie Angaben machen?“, frage Richter Manfred Götzl zuvor. Die 64-Jährige antwortete mit einem „Nein“. Schon bei ihrer ersten Ladung im November 2013 schwieg sie. Als Angehörige der Angeklagten hat sie das Recht dazu. 

Doch bei der zweiten Frage antwortete sie anders als beim ersten Mal. Ob ihre Aussage beim Bundeskriminalamt verwendet werden dürfe, beantwortet sie mit „Ja“. Damit ist nun im NSU-Prozess erstmals die Aussage der Mutter als Beweismittel eingeführt worden. Im Anschluss trug ein an dieser Vernehmung beteiligter Polizist seine Erinnerungen vor. Die Vernehmung erfolgte kurz nach dem Tod der im November 2011 mutmaßlich durch Suizid ums Leben gekommenen Komplizen Böhnhardt und Mundlos sowie der Festnahme Zschäpes.

Rechtsgerichtete Gesinnung bei Böhnhardt und Mundlos erkannt

Den Aussagen des Polizisten zufolge erkannte Annerose Zschäpe bei den NSU-Mitgliedern Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, mit denen ihre Tochter 1998 in den Untergrund abgetaucht war, durchaus ihre rechtsgerichtete Haltung. Unter anderem erklärte sie diese demnach mit dem Tragen von Springerstiefeln.

Die Mutter beschrieb ihre Tochter in der Vernehmung als gute Schülerin. Sie sei ein "aufgeschlossenes, nettes Mädchen" gewesen.

Zschäpe nicht leicht zu beeinflussen gewesen

Zschäpe habe auch gewusst, was sie wolle und sei "nicht leicht zu beeinflussen gewesen", hieß es in der Beschreibung der Mutter weiter. Die Tochter war der Aussage von Annerose Zschäpe außerdem sparsam und konnte gut mit Geld umgehen. Laut Anklage im NSU-Prozess soll Zschäpe für das NSU-Trio auch das Geld verwaltet und damit dazu beigetragen haben, dass die Gruppe jahrelang im Untergrund leben konnte. Mit ihren Ausführungen gibt Annerose Zschäpe somit Indizien auf ein aktives Bild ihrer Tochter im NSU - und nicht das als Mitläuferin.

Schwieriges Verhältnis zwischen Mutter und Tochter

Das Verhältnis zwischen Beate Zschäpe und ihrer Mutter gilt als schwierig. Zschäpe stammt aus einer Liaison mit einem Kommilitonen während ihres Studiums in Rumänien - persönlich lernte Zschäpe ihren im Jahr 2000 verstorbenen Vater nie kennen. Da die Mutter nach der Entbindung ihr Studium fortsetzte, wuchs Zschäpe zunächst bei ihrer Großmutter auf.

Annerose Zschäpe beim NSU-Prozess im November 2013.

Die Mutter heiratete in den ersten Lebensjahren Zschäpes zweimal und ließ sich jeweils kurz danach wieder scheiden. Während des 13 Jahre andauernden Lebens im Untergrund will sie keinen Kontakt zu ihrer Tochter gehabt haben.

Zschäpe-Gutachter unter Beschuss

Daneben taten sich am Mittwoch erhebliche Zweifel amGutachten des Freiburger Psychaters Joachim Bauer auf, das die mutmaßliche Rechtsterroristin Zschäpe für vermindert schuldfähig erklärt hat. Mehrere Nebenkläger im NSU-Prozess stellten einen Befangenheitsantrag gegen den Sachverständigen. Bauer habe jede professionelle Distanz verloren, längst eine neutrale Position verlassen, die Befangenheit sei offenkundig, heißt es in dem Antrag, den die Rechtsanwältin Doris Dierbach vor dem Münchner Oberlandesgericht verlas. Bauer betrachte sich offenbar als „eine Art Beschützer“ der Hauptangeklagten, argumentieren die Nebenkläger.

Sie begründen den Befangenheitsantrag in erster Linie mit einer E-Mail Bauers an die Zeitung „Die Welt“. „Das Stereotyp, dass Frau Zschäpe das nackte Böse in einem weiblichem Körper ist, darf nicht beschädigt werden“, schrieb Bauer über den Umgang mit Zschäpe. Und weiter: „Eine Hexenverbrennung soll ja schließlich Spaß machen.“

Damit diffamiere Bauer alle Prozessbeteiligten, heißt es in dem Befangenheitsantrag. Der Psychiater sehe sich „offensichtlich als Retter“ der Hauptangeklagten vor einer „Hexenverbrennung“ - dabei habe ein Sachverständiger sein Gutachten objektiv zu erstatten.

Die Beweisaufnahme soll bald geschlossen werden

Die Bundesanwaltschaft macht Zschäpe als Mittäterin für die zehn Morde verantwortlich, die dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) angelastet werden. Außerdem ist sie als Mittäterin an den zwei dem NSU vorgeworfenen Sprengstoffanschlägen sowie mehr als einem Dutzend Überfällen angeklagt. Der seit vier Jahren laufende NSU-Prozess befindet sich in seiner Schlussphase, die Beweisaufnahme soll bald abgeschlossen werden.

tlo/afp/dpa

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