Stichwahl zwischen Macron und Le Pen

Pressestimmen zur Frankreich-Wahl: „Historisches politisches Erdbeben“

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Macron wird von seinen Anhängern bejubelt. 

Berlin - Im ersten Wahldurchgang haben Emmanuel Macron und Marine Le Pen die Stichwahl um das Amt des französischen Präsidenten erreicht. So reagiert die internationale Presse. 

Nach dem ersten Wahlgang in Frankreich betonen die europäischen Zeitungen die Tragweite der Entscheidung - für Frankreich wie für Europa.

Die Ergebnisse der Wahl finden Sie hier.

„Le Monde“ aus Paris: „Es ist historisch: Seit den Anfängen der Fünften Republik spielte sich das politische Leben Frankreichs um zwei große Parteien ab, eine links und eine rechts. (...) Das Jahr 2017 ist in dieser Hinsicht eine Ruptur: Niemals in der Geschichte haben die beiden Hauptformationen unseres politischen Lebens zusammengerechnet ein so schwaches Ergebnis eingefahren.“

„Le Figaro“ aus Paris: „Ein immenser Schlamassel (...) Die Rechte, die fünf Jahre lang in den Umfragen haushoch vor den Sozialisten lag, (...) diese Rechte, der der Sieg nicht entgehen konnte, ist jäh eliminiert worden.“

„Libération“ aus Paris: „Fünfte Republik außer Atem (...) Diese erste Runde der Präsidentschaftswahl hat unserer Fünften Republik einen heftigen und vielleicht fatalen Schlag versetzt. (...) Sie ist dabei, unfähig zu werden.“

„New York Times“: „Frankreich tritt vielleicht in eine neue, gespaltene politische Ära ein, aber am Sonntag haben die Wähler gezeigt, dass sie der hoffnungsvollen Botschaft von Herrn Macron gegenüber aufgeschlossen bleiben, einschließlich seiner Offenheit gegenüber Einwanderern und der Multikulturalität, trotz einer kürzlich erfolgten Serie von Terrorangriffen und der dunklen Kampagne von Frau Le Pen.“

„De Tijd“ aus Belgien: „Marine Le Pen ist übrigens noch nicht von vornherein besiegt. Die Unzufriedenheit der französischen Wähler war bei diesem Ergebnis klar erkennbar. Der Populismus, von rechts wie von links, hat sich in der französischen Politik verankert.“

„Die rechtspopulistische Welle in Europa ist gebrochen“

„Süddeutsche Zeitung“: „Nach Le Pens Ergebnis gilt: Die rechtspopulistische Welle in Europa ist gebrochen. Wie bei der Präsidentschaftswahl in Österreich und der Parlamentswahl in den Niederlanden bleiben auch die französischen Rechtspopulisten hinter den eigenen Erwartungen zurück. Europa bleibt, so denn sich alle Prognosen und Wahlerfahrungen der Vergangenheit in zwei Wochen bewahrheiten, der Kollaps Frankreichs und mithin gar der Europäischen Union erspart.“

„Die Welt“: „Die beiden Kandidaten haben konträre Ansichten zur Zukunft Europas - was die Stichwahl auch für Deutschland zu einem entscheidenden Duell macht. (...) Für Frankreich ist das Wahlergebnis jetzt schon ein historisches politisches Erdbeben. Erstmals in der Geschichte des Landes gelangten beide Parteien, die die Geschichte der Französischen Republik bestimmt haben, nicht in die Stichwahl. Und erstmals wird der Präsident kein Kandidat einer der beiden Parteien sein.“

„La Repubblica“ aus Rom: „Jedenfalls ist das ein historisches Ergebnis: In die Stichwahl gehen zwei Kandidaten politischer Bewegungen, die noch nie zuvor regiert haben. (...) Die Wahlbeteiligung war gut, die Franzosen haben auf den Ruf der Demokratie geantwortet.“

„La Stampa“ aus Turin: „Die Wahl fand in einem nie da gewesenen Klima statt - mit dem Ausnahmezustand nach dem Mord an einem Polizisten im Herzen von Paris, den Geheimdiensten in Alarmbereitschaft und den Wahllokalen, die als „verwundbare Objekte“ eingestuft wurden.“

„Die Presse“ aus Wien: „(...) die vergangenen Wochen und der erste Durchgang der Präsidentenwahl am Sonntag (spiegelten) ein Land, das zwischen Angst und Agonie schwankt, zwischen Depression und Aufruhr taumelt - und das vor allem den Glauben an sich, seine Politiker und deren gestalterische Kraft verloren hat.“

„El Mundo“ aus Madrid: „Sollte es keine großen Überraschungen geben, wird Emmanuel Macron, ein 39-Jähriger, der keine andere Erfahrung besitzt, als zwei Jahre lang Wirtschaftsminister unter Präsident François Hollande gewesen zu sein, der nächste Bewohner des Élyséepalastes sein.“

„El País“ aus Madrid: „Die Wahl wird eindeutig sein. Weder gibt es die Gefahr einer Verwechslung noch Gemeinsamkeiten beider Kandidaten. Es handelt sich um zwei gegensätzliche Vorschläge für die Zukunft Frankreichs und Europas. Der nächste Präsident wird entweder ein Ex-Banker mit geringer Erfahrung und einer europäischen und liberalen Botschaft sein oder die Erbin der Ultrarechten, die einen Austritt aus der EU befürwortet.“

„Sydney Morning Herald“ aus Australien: „Nehmen wir einmal an, dass Macron Präsident wird: Dann hätte er eine Aufgabe vor sich, die dem Mount Everest gleicht: seine Bewegung „En Marche“, die es vor einem Jahr noch gar nicht gab, in eine Partei zu verwandeln, die in der Lage ist, im ganzen Land Wahlkreise zu gewinnen. Deshalb scheint es wahrscheinlicher, dass die Republikaner die Kontrolle in der Nationalversammlung und damit auch das Amt des Premierministers gewinnen werden.“

„Washington Post“ aus den USA: „Bei der neuen politischen Trennlinie geht es nicht um die Wirtschaft. Es geht um verschiedene Visionen über die Identität von Frankreich selbst. (...) In diesem Sinn gibt es beim zweiten Wahlgang klare Themen: offen gegen geschlossen, Integration gegen Isolationismus, Zukunft gegen Vergangenheit.“

„The Times“ aus London: „Der neue Präsident wird Nerven aus Stahl brauchen, um sich den unvermeidlichen Streiks und Autobahnblockaden zu stellen. Macron, der wahrscheinlich alle Stimmen der Linken und viele aus dem konservativen Lager von François Fillon bekommen wird, wird rasch lernen müssen, dass marktwirtschaftliche Reformen zwar sehr wichtig, aber sehr schwer umzusetzen sind.“

Wir haben hier für Sie zusammengefasst, wie die französischen und deutschen Politiker auf die Wahl reagiert haben.

Alles Wichtige im Liveticker

Wir halten Sie im Live-Ticker über die Präsidentschaftswahl in Frankreich auf dem Laufenden. 

Bilder: Die Wahlpartys von Macron und Le Pen

dpa

Zurück zur Übersicht: Politik

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser