Rabbiner bekämpfen Beschneidungsurteil

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Der Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz, Pinchas Goldschmidt (r), spricht am Donnerstag in Berlin neben Rabbiner Avichai Apel, Vorstandsmitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschlands und Pressesprecher Shimon Cohen (l). Die Europäische Rabbinerkonferenz hat die jüdischen Gemeinden in Deutschland aufgerufen, die Beschneidung von Jungen trotz des Urteils fortzuführen.

Berlin - Die Konferenz Europäischer Rabbiner betrachtet das Kölner Beschneidungsurteil als einen der wohl schwersten Angriffe auf jüdisches Leben nach dem Holocaust.

“Ein Verbot der Beschneidung stellt die Existenz der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland infrage“, sagte der Präsident des Verbandes, der Moskauer Rabbiner Pinchas Goldschmidt, am Donnerstag in Berlin. “Sollte das Urteil Bestand haben, sehe ich für die Juden in Deutschland keine Zukunft.“ Er gehe jedoch davon aus, dass die Beschneidung von Knaben aus religiösen Gründen gesetzlich in der Bundesrepublik verankert wird.

Bereits am Montag hatte Goldschmidt schriftlich erklärt: “Die Entscheidung in Köln ist vielleicht eine der schwersten Attacken auf jüdisches Leben in Europa in der Post-Holocaust-Welt.“ Am Donnerstag ergänzte er, das Schächtverbot der Nationalsozialisten sei ein Zeichen für viele Juden gewesen, “wir müssen weg aus Deutschland“. Ein Beschneidungsverbot wäre angesichts der Bedeutung dieses Brauchs ein viel stärkeres Zeichen, sagte er in Berlin.

Das Landgericht Köln hatte als erstes Gericht die Beschneidung von Jungen als Körperverletzung bewertet. Das Selbstbestimmungsrecht des Kindes werde dadurch verletzt.

Die Grünen wollen die Zulassung religiös begründeter Beschneidungen nun gesetzlich regeln. Nach der Sommerpause solle mit Fachleuten und Verbänden diskutiert werden, ob es einen Weg gibt, um Rechtssicherheit für Juden und Muslime zu schaffen, sagte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast der Zeitung “Die Welt“.

Goldschmidt betonte, die Beschneidung sei Grundlage für jüdisches Selbstverständnis. Die rechtliche Überlieferung des Judentums (Halacha) schreibe sie acht Tage nach der Geburt eines Jungen vor. In dieser Frage gebe es absolute Einigkeit zwischen orthodoxen und liberalen Juden.

Das Urteil sei Teil einer Folge von Angriffen auf religiöse Minderheiten in Europa, sagte Goldschmidt nach einer Sitzung von rund 40 europäischen Rabbinern. Dazu gehörten die Einschränkungen für den Minarettbau in der Schweiz, das Burkaverbot in Frankreich sowie das Schächtverbot in den Niederlanden. Als positiv nannte der Rabbiner Äußerungen des deutschen Botschafters in Israel, Andreas Michaelis, der eine rechtliche Klarstellung bei der Anhörung der Knesset in Aussicht gestellt habe.

Auf eine höchstrichterliche Klärung wollen die Rabbiner nicht warten. “Keiner von uns kann warten, bis Karlsruhe entscheidet“, sagte der Rabbiner Avichai Apel von der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland. Auch nach dem Kölner Urteil würden die von den Synagogen bestellten Beschneider (Mohel) die Entfernung der Vorhaut von Knaben fortsetzen. Unter Eltern herrsche aber große Verunsicherung. “Das kann so nicht weitergehen.“

Goldschmidt bezeichnete es als erschreckend, dass nach Umfragen eine Mehrheit der Bevölkerung das Kölner Urteil begrüße. Das Kölner Urteil weise daraufhin, dass Muslime und Juden in Europa nicht mehr “salonfähig“ seien. Im 19. Jahrhundert sei der Antisemitismus noch religiös definiert worden. “Die neue Sprache des Antisemitismus ist die Sprache der Menschenrechte“, sagte Goldschmidt und zitierte damit den Londoner Großrabbiner Jonathan Sachs.

dpa

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