Inflation und Co. fressen Erhöhung auf

Was vom Rentenplus übrig bleibt

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Die Renten sollen steigen. Aber reichen sie auch zum Leben?

Im Vergleich zum Plus, das Rentner vergangenes Jahr verbuchen konnten, fällt die Erhöhung der Altersbezüge 2017 deutlich geringer aus. Die tz schaut sich die Zahlen genauer an und hat Bayern zum Thema Rente befragt.

Im Vergleich zum satten 4,25-Prozent-Plus, das Rentner im Jahr 2016 verbuchen konnten, fällt die Erhöhung der Altersbezüge 2017 deutlich bescheidener aus. 1,9 Prozent mehr bekommen die Ruheständler im Westen der Republik ab 1. Juli, 3,6 Prozent (2016: 5,95 Prozent) im Osten. Im Oktober 2016 war die Deutschen Rentenversicherung noch von einem Plus von 2,3 Prozent im Westen und 2,58 Prozent im Osten ausgegangen. Die tz schaut sich die Zahlen genauer an.

Wie errechnet sich eigentlich die Renten-Erhöhung?

Grundlage der Renten­anpassung ist die Lohnentwicklung: Laut Statistischem Bundesamt sind die Löhne in den alten Ländern 2016 im Schnitt um 2,06 Prozent gestiegen. Die sogenannten Dämpfungsfaktoren lassen die Renten geringer steigen als die Löhne: Das ist zum einen der Nachhaltigkeitsfaktor, der ausgleichen soll, dass immer weniger Arbeitnehmer immer mehr Rentner finanzieren müssen: Dadurch fallen die Rentensteigerungen 0,14 Prozent geringer aus als die Lohnsteigerungen. Immerhin: Der zweite Dämpfungsfaktor „Altersvorsorgeaufwendungen“ führt in diesem Jahr zu keiner weiteren Absenkung der Renten, da sich der Beitragssatz der allgemeinen Rentenversicherung 2016 nicht verändert hat.

Warum steigen die Renten im Osten so viel stärker?

Weil in den neuen Ländern auch die Löhne deutlich stärker gestiegen sind, nämlich um 3,74 Prozent, so das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Generell sollen die Renten in Ost- und Westdeutschland ab 2018 bis zum 1. Januar 2025 vollständig angeglichen werden. Das sieht ein Gesetzentwurf von Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) vor, den das Kabinett Mitte Februar verabschiedet hatte. Zuletzt fiel die Anhebung immer etwas höher aus als im Westen. Im Gegenzug soll die höhere Bewertung der Löhne für die Rentenberechnung im Osten ebenfalls in sieben Schritten gesenkt werden. Die jährlichen Kosten der Ost-West-Angleichung sollen bei bis zu 3,9 Milliarden Euro im Jahr 2025 liegen. Sie werden nach einem Kompromiss von Nahles mit Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) aus Beitrags- und Steuermitteln finanziert. Dazu wird der Bundeszuschuss für die Rente erhöht – schrittweise auf bis zu zwei Milliarden Euro ab 2025.

Renten-Runden

Wieviel vom Renten-Plus frisst die Inflation?

Die Preissteigerung lag im Jahresdurchschnitt 2016 zwar noch bei niedrigen 0,5 Prozent – doch die Wirtschaftsweisen rechnen damit, dass 2017 die Inflation weiter anziehen wird, und zwar um 2,2 Prozent, was sich schon abzeichnet. Das würde das Renten-Plus auffressen. Zudem sind im Inflationskorb auch langfristige Anschaffungen wie Computer drin – die Preissteigerungen im Rentner-Alltag bei Lebensmitteln, Miete oder Benzin sind stärker als es die offizielle Inflationsrate verrät.

Wie entwickelt sich die Rente im Vergleich zur allgemeinen Lohn­entwicklung?

Die Rente hinkt den Löhnen immer stärker hinterher. Bis 2035 soll das Rentenniveau von heute 47,8 Prozent auf unter 43 Prozent sinken – bis 2045 würde es auf 41,6 Prozent sinken, wenn nicht gegengesteuert wird. Gesetzliche Vorgaben gibt es bisher nur bis 2030. Bis dahin darf das Niveau nicht unter 43 Prozent fallen. Das Rentenniveau ist das Verhältnis zwischen einer Standardrente (auch Eckrente genannt) und dem Durchschnittseinkommen der Erwerbstätigen im selben Jahr.

Ab welcher Höhe muss man die Rente versteuern?

Das hängt vom Jahr des Renteneintritts ab. Neurentner müssen derzeit ab einer Monatsbruttorente von 1197 Euro im Monat Steuern zahlen. Wer 2005 oder früher in Rente gegangen ist, muss ab einer Rente von 1605 Euro seine Altersbezüge versteuern. Prinzipiell gilt: Es muss nur der sogenannte Besteuerungsanteil der Rente versteuert werden, der sich nach dem Jahr des Renteneintritts richtet. 2005 lag dieser Besteuerungsanteil bei 50 Prozent und steigt seither jährlich um zwei Prozent. Das heißt: Wer 2017 in Rente geht, muss 74 Prozent seiner Rente versteuern (abzüglich Werbungskostenpauschale, Sonderausgabenpauschale und abzugsfreie Vorsorgeaufwendungen).

Und wie sieht es mit der Krankenversicherung aus?

Nicht nur die Steuer knabbert am Renten-Plus: Rentner müssen auch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zahlen – derzeit 14,6 Prozent bei gesetzlich Versicherten. Davon trägt die Rentenversicherung die Hälfte. Der Rentner muss also 7,3 Prozent aufbringen. Falls die Kasse einen Zusatzbeitrag erhebt, muss der Rentner den alleine berappen. Beispiel: Wer 1000 Euro monatliche Rente erhält, muss insgesamt 146 Euro (14,6 Prozent von 1000 Euro) an die Krankenversicherung zahlen. 73 Euro davon übernimmt die Rentenversicherung. Bei einem Zusatzbeitrag von 1,1 Prozent kommen weitere 11 Euro dazu, in Summe also 84 Euro.

Wie teuer kommt den Rentnern die Pflegeversicherung?

Freiwillig krankenversicherte Rentner müssen die Beiträge alleine tragen. Der Beitragssatz beträgt einheitlich 2,55 Prozent und 1,25 Prozent für beihilfeberechtigte Pensionäre. Ein Senior mit 1000 Euro Rente muss also im Monat 25,50 Euro an die Pflegeversicherung zahlen. Kinderlose Rentner, die nach 1939 geboren sind, müssen zudem noch einen Beitragszuschlag von 0,25 Prozent zahlen, insgesamt liegt ihr Beitragssatz also bei 2,8 Prozent (bei 1000 Euro Rente also 28 Euro).

Das bringt das Rentenplus

Rente jetzt

1,9 % mehr (West)

 3,6 % mehr (Ost)

500 Euro

509,50 Euro

518,00 Euro

550 Euro

560,45 Euro

569,80 Euro

600 Euro

611,40 Euro

621,60 Euro

650 Euro

672,35 Euro

673,40 Euro

700 Euro

713,30 Euro

725,20 Euro

750 Euro

764,25 Euro

777,00 Euro

800 Euro

815,20 Euro

828,80 Euro

850 Euro

866,15 Euro

880,60 Euro

900 Euro

917,10 Euro

932,40 Euro

950 Euro

968,05 Euro

984,20Euro

1000 Euro

1019,00 Euro

1036,00 Euro

1050 Euro

1069,95 Euro

1087,80Euro

1100 Euro

1120,90 Euro

1139,60 Euro

1150 Euro

1171,85 Euro

1191,40 Euro

1200 Euro

1222,80 Euro

1243,20 Euro

1250 Euro

1273,75 Euro

1295,00 Euro

1300 Euro

1324,70 Euro

1346,80 Euro

1350 Euro

1375,65 Euro

1398,60 Euro

1400 Euro

1426,60 Euro

1450,40Euro

1450 Euro

1477,55 Euro

1502,20 Euro

1500 Euro

1528,50 Euro

1552,00 Euro

1550 Euro

1579,45 Euro

1605,80Euro

1600 Euro

1630,40 Euro

1657,60 Euro

1650 Euro

1681,35 Euro

1709,40 Euro

1700 Euro

1732,30 Euro

1761,20 Euro

1750 Euro

1783,25 Euro

1813,00 Euro

1800 Euro

1834,20 Euro

1864,80 Euro

1850 Euro

1885,15 Euro

1916,60 Euro

1900 Euro

1936,10 Euro

1968,40 Euro

1950 Euro

1987,05 Euro

2020,20 Euro

2000 Euro

2038,00 Euro

2072,00 Euro

Rente: Das sagen die Bayern

Rente mit Inflation steigen lassen: „Beim Thema Rentenerhöhung kann ich nur lachen. Im Laufe der letzten drei Jahre wurde mir tatsächlich immer weniger ausgezahlt. Das hängt unter anderem mit der Erhöhung der Krankenkassenbeiträge zusammen. 1,9 Prozent sind ja auch lächerlich: Bei 1000 Euro sind das gerade mal 19 Euro. Deshalb sollte die Rentenerhöhung mindestens mit der Inflation wachsen. Zudem finde ich ungerecht, dass andere mit höheren Renten gleich viel mehr von der Erhöhung profitieren. Bei den Münchner Mieten zwischen 600 und 800 Euro ist meine Rente schon fast aufgebraucht.“ Hanns-Martin Wietek (75) aus Berg am Laim


Staffelung, damit Ärmere profitieren: „Eine Rentenerhöhung von drei bis fünf Prozent fände ich schon mal angebracht. Für mich ist es zwar nicht so relevant, weil ich gut auskomme mit dem, was ich habe. Aber es gibt ja Leute, die es dringender bräuchten. Deshalb würde ich auch eine gestaffelte Rentenerhöhung befürworten: Ab einer gewissen Rentenhöhe sollten die Bessergestellten einen geringeren Prozentsatz bekommen. Sonst haben die, die sowieso schon weniger Geld bekommen, wieder weniger davon als die Reicheren. Persönlich gebe ich mein Geld weniger für Urlaube aus, eher für die Gesundheit. Und für die Enkel gibt es hin und wieder natürlich auch Geschenke.“ Ingrid Leiwelt (79) aus Berg am Laim

Beamte sollten mit einzahlen: „Die Inflation sollte durch die Rentenerhöhung ausgeglichen werden. Eine Erhöhung von 1,9 Prozent ist bei einer Rente von 1000 Euro natürlich sehr bescheiden. Auch nachdem man 30 oder 40 Jahre in die Kassen eingezahlt hat, bekommt man doch nur Peanuts raus. Reich wird mit der Rente ja niemand. Deshalb finde ich den Unterschied zwischen Rente und Pensionen auch so ungerecht. Wir haben doch das Vorbild Österreich: Dort gibt es eine Mindestrente. Aber dazu müssten alle in eine Rentenkasse einzahlen. Auch Selbstständige und Beamte.“ Monika (65) und Rolf Greczmiel (82) aus Germering


Mindestens 100 Euro wären gut: „Die Rente müsste um mindestens 100 Euro steigen. Das wäre gutes Geld. Voraussetzung ist natürlich, dass man immer gearbeitet und in die Rentenkasse eingezahlt hat. Nach 40 Beitragsjahren können die meisten auch in der Rente gut weiterleben. Wer dann im Gegensatz zu mir ein Eigenheim hat, ist natürlich besser dran. Wir sind normale Bürger, die sich zwischendurch gerne mal ein besonderes Essen gönnen. Und wenn etwas übrig bleibt, sparen wir es an. Unser Traum: einmal eine Kreuzfahrt machen!“ Philomena Zeband (69) aus Garching

Fragen und Antworten: Was tun, wenn die Rente nicht reicht?

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