Deutsche Botschaft massiv beschädigt

Anschlag in Kabul: Merkel entschlossen, Zahl der Toten steigt

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Nach dem Bombenanschlag am Mittwochmorgen beginnen in Kabul die Aufräumarbeiten. 

Bei einer der schweren Explosion im Diplomatenviertel von Kabul sind mindestens 90 Menschen getötet und mehr als 460 verletzt worden. Alle Entwicklungen in unserem News-Blog.

Kabul - Wie ein Sprecher des Innenministeriums sagte, war am Mittwochmorgen eine Autobombe explodiert. Nach bisherigen Berichten soll es sich um einen Selbstmordanschlag handeln. wir berichten in unserem News-Blog über die aktuellen Entwicklungen.

  • Am Mittwochmorgen explodierte ungefähr um 8:30 Uhr eine Autobombe auf dem Sanbak-Platz in Kabul. 
  • Bisher gibt es mindestens 90 Tote und mehr als 460 Verletzte.
  • In der Umgebung der Explosion befinden sich viele afghanische Ministerien, sowie internationale Botschaften und das Hauptquartier der Nato.
  • Die deutsche Botschaft wurde massiv beschädigt, ebenso die französische und japanische Botschaften berichten von Sachschäden.
  • Bisher hat sich niemand zu dem Anschlag bekannt.

18:55 Uhr: Mittlerweile wird die Zahl der Todesopfer des verheerenden Anschlags mit mindestens 90 angegeben. 460 Menschen sollen verletzt worden sein. Der Sprengsatz soll rund 1500 Kilogramm schwer gewesen sein, er gelangte versteckt in einem Wasser-Tanklaster in das eigentlich schwer gesicherte Botschafts- und Regierungsviertel am Sanbak-Platz.

14:50 Uhr:Innenminister Thomas de Maizière begründet die abgesagte Sammelabschiebung nach Afghanistan: „Nach dem Anschlag in Kabul gibt es für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Botschaft Wichtigeres zu tun als diese organisatorische Maßnahme.“

14:46 Uhr: Die EU hat durch den Anschlag in Kabul betroffenen Botschaften ihrer Mitgliedstaaten Hilfe angeboten. Die EU-Vertretung in der afghanischen Hauptstadt stehe bereit, um die Ländervertretungen und ihre Mitarbeiter zu unterstützen, erklärte die Außenbeauftragte Federica Mogherini am Mittwoch in Brüssel. Sie sprach den Familien der Getöteten ihr Beileid aus und wünschte den Verletzten eine schnelle Genesung.

Mogherini bekräftigte, die EU werde in Afghanistan "weiter alle Schritte in Richtung Frieden und Versöhnung unterstützen". Die Union stehe an der Seite der afghanischen Regierung und Bevölkerung "im Kampf gegen die globale Bedrohung durch den Terrorismus".

14:43 Uhr: Die neuesten Bilder aus Kabul im Video

Merkel: „Werden den Kampf gegen Terrorismus gewinnen“

14:18 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich entsetzt über die Terrorattacke nahe der deutschen Botschaft in Kabul gezeigt. „Meine Gedanken und meine Anteilnahme gelten den Opfern dieses Anschlags und ihren Familien“, sagte Merkel am Mittwoch bei der Hauptversammlung des Deutschen Städtetags in Nürnberg.

„In Momenten wie diesen wird uns einmal mehr klar: Der Terrorismus kennt keine Grenzen. Er zielt auf uns alle - ob in Manchester oder Berlin, Paris, Istanbul, Sankt Petersburg oder heute Kabul. Wir sind heute über alle Grenzen hinweg in Entsetzen und in Trauer vereint.“ Zugleich gab sich Merkel entschlossen: „Wir werden den Kampf gegen den Terrorismus führen und wir werden ihn gewinnen.“

14:15 Uhr: Das Auswärtige Amt erklärte weiterhin, dass die Sicherheitslage am Hindukusch "volatil und regional unterschiedlich" sei. Daran habe sich nichts geändert, sagte eine Sprecherin. Im Vordergrund stehe derzeit nicht eine Neubewertung der Sicherheitslage, sondern die Aufklärung der Lage nach dem Anschlag. Bei der Selbstmordattacke im Diplomatenviertel Kabuls waren am Morgen mindestens 80 Menschen getötet und Hunderte verletzt worden.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte, dass gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt die Sicherheitslage in Afghanistan mit Blick auf Abschiebungen "fortlaufend" bewertet werde. "In den nächsten paar Tagen" werde es keine Sammelabschiebungen geben. Grundsätzlich bleibe es aber "richtig, dass nach unserem Gesetz bestehende Ausreisepflichten durchgesetzt werden müssen".

Auch ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, dass sich an der Sicherheitslage am Hindukusch grundsätzlich nichts geändert habe. Auswirkungen auf die im Norden Afghanistans stationierte deutschen Soldaten gebe es nicht.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier drückt Opfern von Kabul sein Mitgefühl aus

14:10 Uhr: Trotz des erneuten schweren Anschlags in Kabul sieht die Bundesregierung derzeit keinen Grund für eine Neubewertung der Sicherheitslage in Afghanistan. Die Sicherheitslage in den afghanischen Provinzen sei "sehr unterschiedlich" und der Kampf gegen die Taliban und die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) "konzentriert sich auf einige der Provinzen", sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Mittwoch in Berlin.

13:16 Uhr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den Anschlag in Kabul als abscheulich verurteilt. „Bei unseren Bemühungen gegen den Terror werden wir auch in Zukunft zusammenstehen“, schrieb Steinmeier am Mittwoch in einem Kondolenztelegramm an den afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani. „Es ist meine Hoffnung, dass es uns gemeinsam gelingt, auf dem Weg zu Frieden und Sicherheit für alle Menschen in Afghanistan weiter voranzuschreiten.“

Das Staatsoberhaupt schrieb auch den Mitarbeitern der deutschen Botschaft in Kabul, nachdem nach Angaben des Auswärtigen Amtes ein afghanischer Sicherheitsmitarbeiter der Botschaft getötet und zwei weitere Mitarbeiter verletzt worden waren. Den Angehörigen des getöteten Wachmanns gelte sein tiefes Beileid. „Ich möchte allen Verletzten und ihren Angehörigen mein Mitgefühl ausdrücken und Ihnen allen für Ihren Mut und Ihren großartigen Einsatz auf diesem schwierigen Posten danken. Meine Gedanken sind in diesen schwierigen Tagen bei Ihnen“, schrieb Steinmeier.

BBC-Journalisten bei Anschlag in Kabul verletzt

12:40 Uhr: Außenminister Sigmar Gabriel verspricht den Familien der betroffenen Opfer der deutschen Botschaft Unterstützung und Hilfe. 

12:32 Uhr: Der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides äußerte sich "erschüttert" über den "mörderischen Terroranschlag in Kabul".

12:24 Uhr: Bei dem Bombenanschlag im Diplomatenviertel von Kabul ist ein afghanischer Fahrer des britischen Senders BBC getötet worden. Darüber hinaus seien vier BBC-Journalisten verletzt worden, teilte der Sender am Mittwoch in London mit. Der Tod des Mitarbeiters erfülle den Sender mit "großer Traurigkeit". Der Familienvater habe die Journalisten gerade zum Büro gefahren.

12:20 Uhr: Der ursprünglich für diesen Mittwoch geplante Flug zur Abschiebung abgelehnter Asylbewerber nach Afghanistan wird nach dem verheerenden Anschlag in Kabul verschoben. 

12:00 Uhr: Nach dem Anschlag haben nun auch Grüne und Linke einen sofortigen Stopp von Abschiebungen aus Deutschland nach Afghanistan gefordert. Es sei "unmenschlich", Afghanistan immer noch als sicher einzustufen "und weiterhin dorthin abzuschieben", sagte Linken-Parteichefin Katja Kipping am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP.

11:55 Uhr: Der Sprecher des afghanischen Innenministeriums, Nadschib Danisch, sagte, der oder die Attentäter könnten einen schwarzen Tanklastwagen für Wasser mit Sprengstoff befüllt haben. „Aber weil die Explosion so schwer war, können wir das noch nicht mit Sicherheit sagen. Vom Tanker ist kaum noch etwas übrig.“ Die Wucht der morgendlichen Explosion habe mindestens 50 Fahrzeuge zerstört.

Es ist der achte schwere Anschlag in Kabul seit Jahresbeginn. Dabei wurden Hunderte Menschen getötet oder verletzt.

Deutsches Personal unter den Verletzten

11:35 Uhr:Bisher hat sich niemand zu dem Anschlag bekannt. Die radikalislamischen Taliban ließen zudem verlauten, sie seien es nicht gewesen. 

10:46 Uhr: Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl hat gefordert, die für Mittwoch erwarteten Abschiebungen nach Afghanistan zu stoppen. "Es ist unfassbar und unerträglich, dass entgegen aller Fakten der nächste Flieger starten soll", erklärte Pro Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt in Frankfurt am Main. Es wird vermutet, dass ein Flieger am Mittwochabend nach Kabul starten soll.

Aus Europa nach Afghanistan kommende Rückkehrer sind nach Ansicht von Pro Asyl besonders gefährdet. "Wer westlich gekleidet auftaucht, gilt als Kollaborateur des Westens", erklärte Burkhardt. Er kritisierte zudem, dass die Asylverfahren für Afghanen einem russischen Roulette ähnelten.

10:43 Uhr: "Das sind bestürzende Nachrichten aus Afghanistan", erklärte Gabriel. "Den Anschlag in Kabul, bei dem Dutzende Menschen verletzt und getötet wurden, verurteile ich auf das Schärfste." Der Außenminister unterstrich zugleich die Entschlossenheit der Bundesregierung, "die afghanische Regierung bei der Stabilisierung des Landes weiter zu unterstützen".

10:26 Uhr: Wie Bundesaußenminister Sigmar Gabriel mitteilt, wurde ein afghanischer Wachmann der deutschen Botschaft bei der Explosion getötet. Auch Bedienstete der deutschen Botschaft seien verletzt worden. Mittlerweile befänden sich jedoch alle Mitarbeiter in Sicherheit.

Selbstmordanschlag in Kabul: Das ist passiert

Eine riesige Rauchwolke stand über der Gegend, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Zunächst war unklar, was das Ziel des mutmaßlichen Anschlags gewesen sein könnte und ob es Opfer gab. Inzwischen haben Behörden bekannt gegeben, dass mindestens 80 Menschen getötet wurden, mehr als 460 Menschen wurden verletzt.

Nach ersten Medienberichten soll sich die Detonation in der Nähe des Sanbak-Platzes ereignet haben - einem großen Verkehrskreisel in der Nähe vieler afghanischer Ministerien. Zu dieser Zeit sind Tausende Menschen auf dem Weg zur Arbeit. Auch viele Botschaften, darunter die deutsche Botschaft, sowie das Hauptquartier der Nato liegen in der Nähe. 

Mehrere Botschaften beschädigt

Autobombenanschlag in Kabul

Nach Angaben der französischen Regierung wurden die deutsche und die französische Botschaft beschädigt. An beiden Botschaftsgebäuden habe es "Sachschäden" gegeben, sagte Europaministerin Marielle de Sarnez im Radiosender Europe 1. Die Schäden an der deutschen Botschaft seien sogar massiv, unter anderem wurden Fenster eingedrückt.

Wie der indische Botschafter Manpreet Vohra dem Fernsehsender Times Now sagte, explodierte die Bombe nur hundert Meter von der indischen Botschaft entfernt. Es sei aber kein Botschaftsmitarbeiter verletzt worden. Auch an der japanischen Botschaft gingen Scheiben zu Bruch. Zwei japanische Botschaftsmitarbeiter wurden leicht verletzt, wie das Außenministerium in Tokio mitteilte.

Die Nato-Mission in Afghanistan verurteilt die Bluttat aufs Schärfste. Der Anschlag, zu dem sich zunächst niemand bekannte, spiegele die „barbarische Natur“ der Täter und deren völlige Gleichgültigkeit gegenüber Zivilisten, erklärte das Hauptquartier des Einsatzes „Resolute Support“ in Kabul.

Zugleich lobte die Nato die lokalen Sicherheitskräfte, die sich dem mit Sprengstoff beladenen Fahrzeug entgegen gestellt hätten, bevor dieses mitten im schwer gesicherten Regierungs- und Diplomatenviertel explodierte.

Bombe explodierte in der Nähe wichtiger afghanischer Ministerien 

Bilder in sozialen Medien zeigten zerfetzte Autos, blutige Körper und eine große Rauchwolke. Auch die US-Botschaft, die britische Botschaft, das Nato-Hauptquartier sowie viele afghanische Ministerien liegen in der Nähe des Anschlagsorts.

Kabul: Tote und Verletzte bei Selbstmordanschlag im Berufsverkehr

Zeugen berichteten, dutzende Autos blockierten die Straßen. Es gebe mehrere Verletzte. Zunächst bekannte sich niemand zu der mutmaßlichen Attacke. Noch hunderte Meter vom Anschlagsort entfernt gingen Fensterscheiben zu Bruch. Die Feuerwehr versuchte, Brände in mehreren Gebäuden zu löschen. Die Opferzahl könnte nach Angaben des Gesundheitsministerums weiter steigen. Die Rettungskräfte seien noch damit beschäftigt, Tote und Verletzte in die Krankenhäuser zu bringen, sagte der Sprecher. 

Ende April hatten die Taliban ihre jährliche "Frühjahrsoffensive" gestartet und ihre Angriffe verschärft.

Explosion in Kabul: Eine verletzte Frau wartet nach dem mutßmasslichen Anschlag auf medizinische Hilfe.

Kabul wird immer wieder Ziel von Anschlägen von radikalislamischen Rebellen. Anfang Mai waren bei einem Sprengstoffanschlag auf ausländische Soldaten mindestens acht Menschen getötet worden. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat für sich. Im März hatten Angreifer ein Militärkrankenhaus in Kabul gestürmt und mindestens 38 Menschen getötet. Mehr als 70 weitere Patienten, Ärzte und Pfleger wurden bei dem Angriff auf Afghanistans größtes Militärhospital verletzt.

Bilder des Anschlags in sozialen Medien verbreitet

In den sozialen Medien  posten am Mittwochmorgen zahlreiche User Bilder und Kurzberichte von der Explosion in Kabul, die nach bisherigen Erkenntnissen viele Opfer gefordert hat.

Video: Viele Opfer durch Explosion einer Autobombe in Kabul

AFP/dpa/js/mt/Video: SnackTV

Zurück zur Übersicht: Politik

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser