Lebenslange Haft für Soldaten der Wehrmacht

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Beim Massaker 1944 kamen 184 Zivilisten ums Leben.

Rom - Für ein Massaker im August 1944 wurden jetzt drei ehemalige Wehrmachtssoldaten in Rom zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Verurteilten hatten sich stets für unschuldig erklärt.

Drei ehemalige Wehrmachtssoldaten sind von einem römischen Militärgericht für ihre Beteiligung an einem Nazi-Massaker zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der 94-jährige Ex-Feldwebel Fritz Jauss, der 91-jährige frühere Hauptmann Ernst Pistor und der 88-jährige ehemalige Unteroffizier Johan Robert Riss sollen sich im August 1944 an der Erschießung von 184 Zivilisten in Fucecchio in der Toskana beteiligt haben.

Wie italienische Medien am Donnerstag berichteten, fiel das Urteil auf lebenslange Haft nach einem Jahr Prozess am späten Mittwochabend in Abwesenheit der Angeklagten. Die Bundesrepublik sei zu mehr als 13 Millionen Euro Schadenersatz verpflichtet worden. “Das Urteil kommt spät, befriedigt uns aber mit seiner Strenge, und weil es Überlebenden des deutschen Heeres präzise Verantwortungen für das Geschehen von damals zuspricht“, kommentierte Rinaldo Vanni, Bürgermeister von Monsummano. 77 Leute aus seinem Ort kamen damals ums Leben.

Die meistgesuchten Nazi-Verbrecher

Sie haben sich dem Zugriff der Justiz entzogen. Auf der Liste der meistgesuchten Nazi- Kriegsverbrecher des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem stehen folgende Namen: © dpa
ALOIS BRUNNER (Jahrgang 1912) in Syrien: Der wichtigste bislang strafrechtlich nicht verfolgte Nazi-Kriegsverbrecher ist möglicherweise nicht mehr am Leben. © dpa
Der ehemalige SS-Hauptsturmführer soll als “Ingenieur der Endlösung“ für den Tod von etwa 130 000 Juden aus mehreren Ländern verantwortlich sein. © dpa
Brunner wurde das letzte Mal im Jahr 2001 in Damaskus (Syrien) gesehen. © dpa
ARIBERT HEIM (1914) in Ägypten: Der als “Dr. Tod“ berüchtigte frühere KZ-Arzt soll 1992 mit 78 Jahren in Kairo gestorben sein. Als Beleg gilt ein Auszug aus dem Sterberegister. © dpa
Aufgrund einer beim Bundesfinanzhof anhängigen Steuersache schließt das Wiesenthal- Zentrum jedoch nicht aus, dass Heim noch lebt. © dpa
Er soll in den Konzentrationslagern Sachsenhausen, Buchenwald und Mauthausen zahlreiche Menschen ermordet haben, viele durch Injektionen ins Herz. © ZDF
SANDOR KEPIRO (1914) in Ungarn: Der Polizeioffizier wird verdächtigt, an der Ermordung von mehr als 1200 Zivilisten im serbischen Novi Sad teilgenommen zu haben. © dpa
MILIVOJ ASNER (1913) in Österreich: Der ehemalige Polizeichef in Kroatien soll aktiv an der Verfolgung und Deportation von Serben, Juden sowie Sinti und Roma beteiligt gewesen sein. © AP
KLAAS CARL FABER (1922) in Deutschland: In den Niederlanden wurde er für den Tod von Gefangenen 1944 zum Tode verurteilt. © dpa
Das Urteil wurde 1948 in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt. 1952 flüchtete er aus dem Gefängnis und lebt seit Jahrzehnten in Ingolstadt. © dpa
SOEREN KAM (1921) in Deutschland: Das ehemalige SS-Mitglied soll für den Tod eines dänischen Journalisten verantwortlich sein und die Deportation der jüdischen Gemeinde in Dänemark in deutsche Konzentrationslager ermöglicht haben. © dpa
Wegen Tötung in Dänemark verurteilt, lebt Kam heute in Kempten im Allgäu. © dpa
MICHAIL GORSCHKOW (1923) in Estland: Laut Wiesenthal-Zentrum war er am Mord an Juden in Weißrussland beteiligt. © dpa
ALGIMANTAS DAILIDE (1921) in Deutschland: Er soll Juden festgenommen haben, die später von Nationalsozialisten getötet wurden. © dpa
Von den USA ausgeliefert wurde er in Litauen verurteilt, musste seine Haft aber wegen seines Gesundheitszustands nicht antreten und lebt heute in Sachsen. © dpa

“Wir haben 74 Jahre auf diesen Moment gewartet“, sagten den Berichten zufolge Hinterbliebene im Gerichtssaal mit Tränen in den Augen. Die meisten seien extra für den Prozess nach Rom gereist. Unter den 184 Erschossenen waren laut Medienberichten 94 zum Großteil alte Männer, 63 Frauen und 27 Kinder gewesen, darunter auch Babys.

Die Verurteilten hatten sich stets für unschuldig erklärt. Sie hätten an dem Massaker nicht teilgenommen. Einer der ursprünglich vier Angeklagten war während des Prozesses gestorben. Alle blieben “aus gesundheitlichen Gründen“ auch während des Prozesses in Deutschland.

dpa 

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