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Romney lüftet Steuergeheimnis - Streit geht weiter

Washington - Die privaten Finanzen von Mitt Romney sind Topthema im US-Wahlkampf. Jetzt nennt der Obama-Herausforderer mehr Details - der Multimillionär zahlte einen erstaunlich geringen Steuersatz.

US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney gewährt nach massivem Druck mehr Einblick in seine privaten Finanzen: Demnach zahlte er in den vergangenen 20 Jahren mindestens 13,6 Prozent seines Einkommens jährlich an Steuern. Millionen Durchschnitts-Amerikaner haben einen deutlich höheren Steuersatz. Das Vermögen des Herausforderers von Barack Obama wird auf weit über 200 Millionen Dollar geschätzt.

Mit den Veröffentlichungen am Freitagabend (Ortszeit) widerlegt der Republikaner Romney - früher Chef einer Private-Equity-Firma - zwar den Vorwurf der Demokraten, er habe zeitweise gar keine Steuern gezahlt. Doch die Obama-Anhängern wollen mehr Transparenz. Sie sprechen gar von Manipulation und verlangen die Offenlegung der jährlichen Steuererklärungen für den gesamten Zeitraum von 1990 bis 2009.

Die privaten Steuern Romneys sind seit Monaten Wahlkampfthema. Kommentatoren in Washington sind sich sicher: Der Streit um Romneys Steuern dürfte weitergehen. Zudem bezeichneten Kritiker die Offenlegung kurz vor dem Wochenende als ein geschicktes PR-Manöver: Der Freitagnachmittag sei der perfekte Zeitpunkt, um unangenehme Nachrichten ohne größeres Medienecho zu veröffentlichen.

Romney veröffentlichte zudem seine Steuererklärung für 2011. Demnach verdienten er und seine Ehefrau Ann rund 13,7 Millionen Dollar (10,5 Mio Euro). Darauf zahlten sie rund 14 Prozent Steuern. Die Einnahmen stammen demnach vor allem aus Investments, Dividenden und Zinseinkünften, die in den USA deutlich geringer besteuert werden als Lohn oder Gehalt.

Die „New York Times“ kritisierte, Romney zahle damit eine „deutlich geringere Rate als durchschnittlich reiche oder sehr reiche Amerikaner“. Der Spitzensteuersatz liegt sonst bei 35 Prozent.

Zum Vergleich: Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle verdienten 2011 laut ihrer Steuererklärung knapp 800 000 Dollar. Etwa die Hälfte davon habe die „First Family“ mit Buchhonoraren eingenommen. Gut 160 000 Dollar hätten sie an den Staat abgeführt - also etwas mehr als 20 Prozent.

Aus Romneys Veröffentlichungen geht weiter hervor, dass er im vergangenen Jahr rund vier Millionen Dollar gespendet hat. Davon habe er lediglich 2,2 Millionen in der Steuererklärung geltend gemacht, um nicht einen noch niedrigeren Satz zu zahlen.

2010 hatte Romney noch rund 21 Millionen Dollar verdient, ebenfalls bei einem Steuersatz von rund 14 Prozent. Im Durchschnitt habe die Rate seit 1990 bei gut 20 Prozent gelegen, bestätigte ihm die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers.

Obama hatte von seinem Gegner immer wieder mehr Transparenz gefordert. Er solle seine finanzielle Lage - wie für Präsidentschaftskandidaten üblich - bis weit zurück in die Vergangenheit offenlegen. Außerdem wirft Obama Romney in TV-Wahlkampfspots vor, sein Geld in Steueroasen in der Karibik zu bunkern.

Auch sonst sind Steuern Top-Thema im Wahlkampf: Falls Obama im November wiedergewählt wird, will er dafür sorgen, dass alle Millionäre mindestens 30 Prozent an den Staat abführen. Seine Pläne nennt er die „Buffett-Regel“, nach dem legendären Investor und Multi-Milliardär Warren Buffett. Dieser hatte gesagt, er sei gerne bereit, mehr an den Fiskus abzuführen. Denn er zahle einen geringeren Steuersatz als seine Sekretärin.

dpa

Rubriklistenbild: © dapd

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