Wahlkämpfer für Bundespolitik „geprügelt“

Rücktrittsforderung? Huber wünscht sich „Umbruch“ in der CSU - und will Erklärungen von Seehofer

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Erwin Huber, Horst Seehofer und Günther Beckstein (v.l.n.r.) 2008 auf einem CSU-Sonderparteitag

Alte Rivalität rostet nicht: Vor der Landtagswahl hat CSU-Urgestein Erwin Huber in höflichen Worten harsche Kritik an Horst Seehofer geübt - Huber fordert einen „Umbruch“ in der Partei.

München/Berlin - Dicke Freunde waren die beiden CSU-Größen Erwin Huber und Horst Seehofer noch nie. Nach der Landtagswahl wird sich Huber aus der großen Landespolitik im Parlament zurückziehen. Vorher gibt er Seehofer aber nochmal einen mit. In einem Interview mit der Welt schreibt der Niederbayer Parteichef Seehofer indirekt eine Mitschuld am Umfrage-Desaster der CSU zu - und scheint anzudeuten: Es könnte der Partei helfen, wenn auch Seehofer nach der Wahl etwas kürzer tritt.

Im Wahlkampf seien viele CSUler „für die Bundespolitik geprügelt“ worden, erklärt Huber in dem Gespräch. Ein Grund seien schwer durchschaubare Schachzüge Seehofers: Die Wahlkämpfer würden „nach den Motiven des Bundesinnenministers gefragt. Er wird sie uns hoffentlich noch erklären“, äußert Huber seine Forderung nach einer Rechtfertigung Seehofers.

„Manche finden das Verhalten irritierend“, sagte Huber mit Blick auf Seehofer weiter. Der Innenminister und CSU-Parteichef stand in diesem Sommer unter anderem wegen dem harten Ringen um Zurückweisungen an der deutsch-österreichischen Grenze und seinem strikten Festhalten an dem schwer kritisierten Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen in der Kritik.

Fingerzeig für Seehofer? Huber fordert „Umbruch im Miteinander“

Huber geht noch einen Schritt weiter: Der Wahlabend werde zur Belastungsprobe für die CSU werden, meint er. Die Partei befinde sich in einem „Generationenwechsel“ - von den beiden Spitzenämtern des Ministerpräsidenten und des Parteichefs sieht der streitbare Politiker aber nur eines bereits zukunftsfähig besetzt.

Erwin Huber

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„Ich gehe davon aus, dass Markus Söder von der Landtagsfraktion wieder als Regierungschef vorgeschlagen wird. In der Partei haben wir den Umbruch erst noch zu bewältigen“, sagte Huber. Er hoffe, dass der Wandel im „Miteinander“ passieren werde - zwei Sätze, die beinahe schon einer Rücktrittsforderung an Seehofers Adresse gleichkommen.

„Man darf Themen, die Wasser auf die Mühlen der AfD sind, nicht hochreden“

Auch in die Fehleranalyse Hubers könnten Beobachter harsche Kritik an Seehofer hineininterpretieren. Die CSU habe „in den vergangenen drei Jahren den Fehler gemacht hat, auf die AfD zu starren wie das Kaninchen auf die Schlange“, betonte er. „Und man darf Themen, die Wasser auf die Mühlen der AfD sind, nicht hochreden.“

„Ich bin überzeugt, dass in Zukunft die Spitzen in Staat und Partei kollegial führen müssen“, sagte Huber in der Welt weiter. Als „Prototyp eines modernen Politikers“ lobte er CSU-Vize Manfred Weber. Weber wird allerdings womöglich in Zukunft im weit von München entfernten Brüssel viel zu tun haben.

Huber sieht keine Schuld bei Söder - und hofft auf an die 40 Prozent bei der Landtagswahl

Huber stellte zugleich klar: An Spitzenkandidat Markus Söder liege die Umfrage-Misere nicht: „Unsere Landespolitik ist ja gut und Markus Söder kommt an. Der Gegenwind aus Berlin wirft uns allerdings wieder zurück.“ Huber räumte allerdings auch ein, nicht nur die CSU selbst habe sich den Wahlkampf schwer gemacht - die GroKo habe „generell eine schwere Zeit“.

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Für die Wahl sieht der frühere CSU-Parteichef allerdings noch nicht schwarz. „Umfragen können auch etwas Heilsames haben. Viele Bürger sagen inzwischen, dass das Ergebnis nicht so krass ausfallen soll. Ich rechne damit, dass wir näher an 40 Prozent rankommen“, sagte Huber.

Ob es so kommt, wird der 14. Oktober zeigen - und eventuell auch, ob sich Hubers Wunsch nach einem „Umbruch“ erfüllt.

Über alle Neuigkeiten rund um die bayerische Landtagswahl am 14. Oktober halten wir Sie in unserem News-Ticker auf dem Laufenden.

fn

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