Wagenknecht und Bartsch vor der Bundestagswahl

Die Spitzenkandidaten der Linken: Die Kommunistin und der Reformer

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Die Spitzenkandidaten der Linken für die Bundestagswahl 2017: Dietmar Bartsch und Sahra Wagenknecht.

Berlin - Mit Dietmar Bartsch und Sahra Wagenknecht schickt die Linke wieder ein Duo in den Bundestagswahlkampf 2017. Doch wer sind die zwei Spitzenkandidaten eigentlich?

Sie könnten kaum unterschiedlicher sein, die beiden Spitzenkandidaten, die ihre Partei die Linke bei der Bundestagswahl am 24. September 2017 zu guten Ergebnissen führen sollen: Da wäre auf der einen Seite Sahra Wagenknecht, die immer wieder durch provokante Äußerungen auffällt und zum linken, gar kommunistischen Lager der Partei gezählt wird. Mit ihr tritt zum anderen Dietmar Bartsch an, der innerhalb der Partei dem gemäßigteren Flügel zugeordnet wird. 

Diese zwei sollen es nun richten. Denn aus der Bundestagswahl 2013 gingen die Linken mit deutlichen Verlusten, schrumpften sogar auf ein einstelliges Ergebnis. 64 der Sitze im Bundestag besetzt die Partei seitdem. Diese gilt es nun zu verteidigen, in aktuellen Umfragen kratzt die Linke an der Zehn-Prozent-Marke.

So kam Sahra Wagenknecht zur Politik

Im thüringischen Jena wurde Sahra Wagenknecht 1969 geboren. Zunächst wuchs sie dort bei ihren Großeltern auf, bevor sie zu ihrer Mutter nach Ost-Berlin zog. Ihr Vater, ein Iraner, hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits wieder aus der DDR verabschiedet. In Berlin-Marzahn musste sie, wie alle Schüler in der DDR, eine militärische Ausbildung durchlaufen und legte parallel ihr Abitur ab. Die militärische Ausbildung wurde ihr zum Verhängnis. In einem Portrait der Zeitung taz erzählte Wagenknecht, dass sie mit dem „Alltag im Gleichschritt“ nicht zurecht kam und deswegen kaum noch etwas aß. Die Behörden deuteten das als politischen Akt und verboten ihr das Studium. Stattdessen wurde ihr eine Stelle als Sekretärin angeboten, die sie aber bereits nach kurzer Zeit wieder aufgab.

Das geeinte Deutschland brachte für die Jugendliche Wagenknecht dann ebenfalls die Wende: An den Universitäten in Jena und Berlin fing die junge Frau an, Philosophie und Neuere Deutsche Literatur zu studieren. Ihre Dissertation begann sie schließlich im Jahr 2005 an der Universität in Chemnitz im Fach Volkswirtschaftslehre - fertig wurde sie im Jahr 2012.

Seit 2014 ist Sahra Wagenknecht mit dem früheren saarländischen Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine verheiratet.

Sahra Wagenknechts politische Laufbahn

Im Jahr des Mauerfalls 1989 wurde Wagenknecht mit ihrem Eintritt in die SED zum ersten Mal auf parteilicher Ebene aktiv. Schnell stieg sie in den Parteivorstand auf, musste diesen aber bald wieder verlassen. Der Grund: Der damalige Parteivorsitzende Gregor Gysi hielt sie für untragbar. Denn die dunkelhaarige Frau eckte in ihrer eigenen Partei wie auch bei vielen Wählern mit verschiedenen Äußerungen an. Unter anderem geriet sie mit der Aussage in Kritik, sie halte das Wort „Diktatur“ zur Beschreibung der DDR für nicht angemessen.

2000 wurde sie dennoch erneut in den Parteivorstand gewählt und blieb dort auch, als offiziell die Partei „Die Linke“ gegründet wurde. Für ihren Wahlkreis Düsseldorf-Süd zog Sahra Wagenknecht 2009 zum ersten Mal über die Landesliste in den Bundestag ein. 

Im Mai 2010 wurde Wagenknecht schließlich zur stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt. Zusammen mit Dietmar Bartsch trat sie 2015 den Fraktionsvorsitz an, den sie bis heute inne hat. 

Politisch wird Wagenknecht dem linken Flügel der Partei zugeordnet. Für die Bundestagswahl 2017 steht sie auf Platz eins der Landesliste von Nordrhein-Westfalen.

So kam Dietmar Bartsch zur Politik

Geboren wurde Dietmar Bartsch 1958 in der Hansestadt Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern. Nach seinem Abitur folgte ein anderthalbjähriger Grundwehrdienst. Danach zog es Bartsch nach Berlin, wo er an der Hochschule für Ökonomie studierte. 

Nachdem er 1983 das Studium mit einem Diplom beendet hatte, arbeitete er zunächst für einen Verlag. An der Akademie für Gesellschaftswissenschaften in Berlin und beim Zentralkommitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion in Moskau, machte Bartsch dann eine Aspirantur - ein besonderer Ausbildungsgang in der DDR mit dem ein weiterer wissenschaftlicher Grad erlangt werden konnte. Dort promovierte er auch im Jahr 1990. 

Über sein Privatleben dringt nur wenig an die Öffentlichkeit. Bekannt ist aber, dass Bartsch verheiratet ist und zwei Kinder hat. 

Dietmar Bartsch politische Laufbahn

Bereits mit 19 Jahren trat Bartsch der SED bei. In der Partei wurde er zunächst zum Schatzmeister gewählt und stieg bereits 1997 zum Bundesgeschäftsführer der PDS auf. Unter seiner Verantwortung scheiterte seine Partei beim Einzug in den Bundestag an der Fünf-Prozent-Hürde. Bartsch zog die Konsequenzen und beendete seine parteiliche Karriere - zunächst. Stattdessen wurde er Geschäftsführer bei der sozialistischen Zeitung „Neues Deutschland“. Doch schon 2005 kehrte er zurück und zog auf Platz eins der Landesliste von Mecklenburg-Vorpommern in den Bundestag ein. Promt wurde er zum Bundesgeschäftsführer gewählt.

Nach innerparteilichen Streits mit dem damaligen Fraktionsvorsitzenden Gregor Gysi sowie dem Parteivorsitzenden Oscar Lafontaine kandidierte Bartsch 2010 nicht mehr für den Posten des Geschäftsführers. 2012 verlor er außerdem bei der Wahl zum Parteivorsitz gegen Riexinger. Nachdem der Fraktionsvorsitzende Gregor Gysi schließlich ankündigte, nicht noch einmal kandidieren zu wollen, übernahm Dietmar Bartsch mit Wagenknecht die Doppelspitze.

Bartsch wird innerhalb der Partei dem moderateren Flüge zugeordnet. Für viele gilt er als kompromissbereiter als seine Mitstreiterin Wagenknecht.

Mit nur einer Gegenstimme wurden Wagenknecht und Bartsch als Spitzenkandidaten für die Partei Die Linke zum ersten Mal gewählt. Im Vorfeld der Abstimmung war es jedoch wieder zu innerparteilichen Streitigkeiten gekommen.

Bundestagswahl 2017: So treten die beiden Spitzenkandidaten der Linken auf

In ihrem Auftreten könnten die beiden Spitzenkandidaten unterschiedlicher kaum sein. Dietmar Bartsch gilt als der moderate und überlegte Kandidat. Sahra Wagenknecht, die durch ihre Auftritte in diversen politischen Talkshows auch bekannter ist als ihr Mitstreiter, rückt immer wieder durch ihre teils provokanten Äußerungen in die Öffentlichkeit: So hatte sie etwa den Anschlag in Ansbach mit Angela Merkels Flüchtlingspolitik in Verbindung gebracht. Darauf folgte ein öffentlicher Aufruf gegen die amtierende Fraktionschefin mit dem Titel „Sahra, es reicht“, der auch von einem Linken-Bundestagsabgeordneten unterzeichnet worden war.

Einsichtig zeigte sich Wagenknecht dennoch nicht. Nach dem Terroranschlag von Berlin geriet sie einmal mehr wegen Aussagen über Angela Merkels Mitverantwortung unter Druck.

In der Öffentlichkeit ist die Linkenpolitikerin dennoch weitaus beliebter als der gemäßigtere Dietmar Bartsch. Laut den Werten der Seite statista.com zu der Frage „Sollen diese Politiker künftig eine wichtige Rolle spielen?“ (veröffentlicht im Dezember 2016) kam Wagenknecht auf 30 Prozent Zustimmung. Nur 15 Prozent der Befragten wollen jedoch, dass Bartsch künftig noch eine wichtige Rolle spielt.

Bundestagswahl 2017: Das ist das Wahlprogramm der Linken

In einer Pressekonverenz am 14.01.2017 stellte der Vorstand der Linken sein Wahlprogramm zur Bundestagswahl 2017 vor. Bernd Riexinger, Parteichef der Linken, fasste die Ziele seiner Partei so zusammen: „Es ist Zeit für soziale Gerechtigkeit und einen grundlegenden Bruch mit der Politik der vergangenen 25 Jahre.“

Einen Fokus legt die Partei in ihrem Programm auf folgende Punkte:

Lohn/ Rente/ Arbeitslosengeld: 

Die Linke fordert einen deutlich höheren Mindestlohn von 12 Euro, anstatt 8,50 Euro. Befristung und Missbrauch von Werkverträgen will die Linke grundsätzlich stoppen.

Außerdem fordert die Partei, das Rentenniveau auf 53 Prozent zu erhöhen. Damit ist das Verhältnis des durchschnittlichen Nettoeinkommens  eines Standardrentners gegenüber dem aktuellen Nettoarbeitsentgelt eines Durchschnittsverdiener, gemeint. Als Standardrentner werden dabei diejenigen Personen bezeichnet, die 45 Jahre Beiträge gezahlt haben. Zusätzlich will die Linke eine solidarische Mindestrente von 1050 Euro einzuführen.

Hartz IV soll laut dem Wahlprogramm der Linken abgeschafft werden. Stattdessen fordern sie eine sanktionsfreie Mindestsicherung von 1050 Euro. 

Um die Kinderarmut zu beseitigen, fordert die Linke, das Kindergeld auf 328 Euro zu erhöhen und zusätzlich eine Kindergrundsicherung von 564 Euro einzuführen. Zusätzlich beharrt die Linke in ihrem Wahlprogramm auf gebührenfreie Bildung von der Kita bis zu den Hochschule und kostenfreies warmes Essen in Kitas und Schulen.

Gesundheitssystem:

„Schluss mit der 2-Klassen-Medizin“. Unter diesem Titel fordert die Partei eine solidarische Gesundheitsversicherung - alle Bürger mit allen Gehältern sollen dort einzahlen. Die Beiträge sollen außerdem auf 11 Prozent gesenkt und Zusatzleistungen für Zahnersatz oder Brille gänzlich abgeschafft werden.

Verankert ist unter diesem Punkt auch, zukünftig 100.000 neue Pflegekräfte in den Krankenhäusern einzustellen

Steuern:

Jegliches Vermögen über einer Million Euro will die Linke mit einer Vermögenssteuer von 5 Prozent belasten. 

Ansonsten will die Linke vor allem „oben belasten und unten entlasten“. So sollen Einkommen über 70.000 Euro mit einem Spitzensteuersatz von 53 Prozent besteuert werden. Ab einem Einkommen von 260.000 Euro verlangt die Linke eine „Reichensteuer“ von 60 Prozent, die sich bei Einkommen über einer Million jährlich auf 75 Prozent erhöht. Alle Bürger, die unter 7100 Euro brutto im Monat verdienen, sollen dafür weniger zahlen.

zukünftige Investitionen:

  • mehr Personal in Bildung, Gesundheit und Pflege
  • öffentlichen Nahverkehr ausbauen
  • sozialen und gemeinnützigen Wohnungsbau fördern: 250.000 Wohnungen pro Jahr
  • schnelles Internet

Bundestagswahl 2017: Das sind mögliche Koalitionen

Wer koaliert mit wem? Natürlich werden dazu im Vorfeld der Bundestagswahl verschiedene Optionen ausgelotet. Und in diesem Jahr könnte auch die Linke profitieren.

Bei der Bundestagswahl 2013 schnitt „Die Linke“ mit 8,6 Prozent schlechter ab als bei der Wahl 2009, bei der die Partei 3 Prozent mehr erreichte. Seitdem hat die Die Linke 64 Sitze in der Opposition inne. 

Für 2017 hat sich die Partei viel vorgenommen. Laut dem Parteivorsitzenden Bernd Riexinger will Die Linke in diesem Jahr ein zweistelliges Ergebnis einfahren. 

Der SPD Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann stellte gegenüber dem Spiegel bereits klar, dass er eine Koalition mit der Linken nicht ausschließt. Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Sahra Wagenknecht, stellt jedoch Bedingungen für eine rot-rot-grüne Koalition auf Bundesebene. In einem Interview mit dem Spiegel erklärte Wagenknecht: „Wenn wir den Sozialstaat wiederherstellen und eine friedliche Außenpolitik erreichen können, beteiligen wir uns gern an einer Regierung. Dann halte ich eine Mitte-Links-Koalition für möglich.“ 

Im Gegenteil zu seiner Mitstreiterin gilt Dietmar Bartsch seit langem als aufgeschlossen gegenüber einer Koalition mit der SPD. Erst vor wenigen Tagen betonte er in einem Interview mit dem Deutschlandradio, dass er seit Jahren für ein Mitte-Links-Bündnis eintrete. Im Wahlkampf wolle er aber nicht für ein Bündnis werben, sondern für eine starke Linke, so der Politiker.

Bereits im Februar hatten sich die Parteimanager von SPD, Grüne und Linke zu Gesprächen getroffen. Denn aktuellen Umfragen zufolge ist eine rot-rot-grüne Koalition die wahrscheinlichste Möglichkeit für den SPD Kanzlerkandidaten Martin Schulz, Bundeskanzlerin Angela Merkel abzulösen. Noch ergeben aktuelle Prognosen aber keine Mehrheit für das Dreierbündnis.

Aktuellen Umfragen zufolge, kommt die Linke derzeit auf 8 Prozent. Im Vergleich zur Bundestagswahl 2013 wäre das nur ein kleiner Verlust. Wie die Seite bundestagswahl-2017.com zeigt, würden der Linken damit 47 Plätze im Bundestag zustehen. 

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