Sarrazin zu Minarett-Verbot: Politiker und Bürger denken anders

Frankfurt/Main - Das Schweizer Volksbegehren gegen den Bau von Minaretten zeigt nach Auffassung von Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin die Entfremdung von Gesellschaft und Politik.

“Das Schweizer Volksbegehren zeigt, dass in der Tiefe der Gesellschaft anders gedacht wird, als die politische Klasse und die Mehrheit der Medien glauben wollen“, sagte Sarrazin dem “Handelsblatt“ (Dienstag). Dass das Referendum anders ausgefallen sei, als vorherige Umfragen in Aussicht stellten, bestätige seine Berliner Erfahrung, erklärte der ehemalige SPD-Finanzsenator der Hauptstadt.

Skandal um Sarrazin: Das sind die umstrittenen Zitate

Bundesbank-Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin steht in der Kritik: In einem Interview für die Sonderausgabe der Kulturzeitschrift „Lettre International“ zum 20. Mauerfall-Jubiläum wetterte der eheamlige Berliner Finanzsenator Sarrazin gegen die Wirtschafts- und Migrationspolitik der Hauptstadt. © AP
Der Präsident der Bundesbank Axel Weber (Foto) legte Sarrazin aufgrund seiner Äußerungen den Rücktritt aus dem Vorstand nahe. Die Gewerkschaft ver.di bezeichnete diese als „rechtsradikal“. © dpa
Der Schriftsteller Ralph Giordano pflichtete Sarrazin inhaltlich bei, auch wenn er „andere Worte gewählt hätte“. Auch der frühere BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel unterstützte Sarrazin nachdrücklich. Wer das Interview ganz gelesen hätte, müsse der Analyse Sarrazins beipflichten, meint Henkel im Deutschlandfunk. © dpa
Liegt Sarrazin mit seinen Äußerungen völlig daneben? Oder sagt er die Wahrheit? Diese Über diese Frage diskutiert Deutschland derzeit.  © dpa
Wir zeigen die umstrittensten Passagen aus dem Gespräch. Das vollständige Interview mit Thilo Sarrazin lesen Sie im aktuellen Heft von „Lettre International“ (257 Seiten, 17 Euro). (Link zum Heft) © AP
„Eine großes Zahl an Arabern und Türken in dieser Stadt (Berlin, Anm. d. Red.), deren Anzahl durch falsche Politik zugenommen hat, hat keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel, und es wird sich vermutlich auch keine Perspektive entwickeln.“ © AP
„Wir haben ein schlechtes Schulsystem, das nicht besser werden wird. Berlin ist belastet von zwei Komponenten: der Achtundsechzigertradition und dem Westberliner Schlampfaktor. Es gibt auch das Problem, daß vierzig Prozent aller Geburten in der Unterschicht stattfinden.“ © AP
“Hier werden Trends verstärkt sichtbar, die ganz Deutschland belasten. So daß das Niveau an den Schulen kontinuierlich sinkt, anstatt zu steigen.“ © dpa
„Je niedriger die Schicht, um so höher die Geburtenrate. Die Araber und Türken haben einen zwei- bis dreimal höheren Anteil an Geburten, als es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht. Große Teile sind weder integrationswillig noch integrationsfähig.“ © AP
“Die Lösung dieses Problems kann nur heißen: Kein Zuzug mehr, und wer heiraten will, sollte dies im Ausland tun. Ständig werden Bräute nachgeliefert: Das türkische Mädchen hier wird mit einem Anatolen verheiratet, der türkische Junge hier bekommt eine Braut aus einem anatolischen Dorf. Bei den Arabern ist es noch schlimmer.“ © dpa
„Meine Vorstellung wäre: generell kein Zuzug mehr außer für Hochqualifizierte und perspektivisch keine Transferleistungen mehr für Einwanderer. In den USA müssen Einwanderer arbeiten, weil sie kein Geld bekommen, und werden deshalb viel besser integriert.“ © dpa
„Es ist ein Skandal, daß die Mütter der zweiten, dritten Generation immer noch kein Deutsch können, es allenfalls die Kinder können, und die lernen es nicht wirklich. Es ist ein Skandal, wenn türkische Jungen nicht auf weibliche Lehrer hören, weil ihre Kultur so ist. Integration ist eine Leistung dessen, der sich integriert.“ © dpa
„Jemanden, der nichts tut, muß ich auch nicht anerkennen. Ich muß niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.“ © dpa
„Das gilt für siebzig Prozent der türkischen und für neunzig Prozent der arabischen Bevölkerung in Berlin. Viele von ihnen wollen keine Integration, sondern ihren Stiefel leben. Zudem pflegen sie eine Mentalität, die als gesamtstaatliche Mentalität aggressiv und atavistisch ist.“ © dpa
„Die Türkei ist das Land, wo man heute noch bestraft wird, wenn man vom Völkermord an den Armeniern redet.“ © dpa
„Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate. Das würde mir gefallen, wenn es osteuropäische Juden wären mit einem um 15 Prozent höheren IQ als dem der deutschen Bevölkerung.“ © dpa
„Ich habe dazu keine Lust bei Bevölkerungsgruppen, die ihre Bringschuld zur Integration nicht akzeptieren, und auch, weil es extrem viel Geld kostet und wir in den nächsten Jahrzehnten genügend andere große Herausforderungen zu bewältigen haben.“ © dpa
„Wir haben in Berlin vierzig Prozent Unterschichtgeburten, und die füllen die Schulen und die Klassen, darunter viele Kinder von Alleinerziehenden. Wir müssen in der Familienpolitik völlig umstellen: weg von Geldleistungen, vor allem bei der Unterschicht.“ © AP

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Sarrazin hatte im Oktober für Empörung gesorgt, als er sich zur Integrationspolitik äußerte. In einem Interview sagte der SPD-Politiker, er müsse niemanden anerkennen, der vom Staat lebe, diesen Staat ablehne, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorge und ständig neue “kleine Kopftuchmädchen“ produziere. Die Staatsanwaltschaft hatte ein Verfahren wegen möglicher Volksverhetzung und Verleumdung schließlich eingestellt.

dpa

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