Scharfe Worte

Nordkorea legt sich mit ehemaligem Verbündeten an

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Der nordkoreanische Machthaber Kim Yong Un. 

Seoul - Nordkorea hat über seine Staatsmedien überraschend scharfe Kritik am traditionellen Verbündeten China geübt. Die Beziehung zwischen den beiden Ländern gilt als so schlecht wie nie zuvor.

Hintergrund sind demnach vor allem Kommentare des kommunistischen Parteiorgans „Volkszeitung“ und der von ihr herausgegebenen „Global Times“, die Nordkoreas Zugang zu Atomwaffen als Bedrohung der Sicherheitsinteressen Chinas bezeichneten. „China sollte nicht länger die Grenze der Geduld Nordkoreas austesten“, hieß es in einem am Mittwochabend von der Nachrichtenagentur KCNA veröffentlichten Kommentar. China hätte besser die „schwerwiegenden Konsequenzen“ überdenken sollen.

In dem Kommentar, der keiner offiziellen Stelle zugeordnet wurde, verteidigte der Autor die Herstellung von Atomwaffen durch Pjöngjang. Diese Linie könne weder erschüttert werden, noch werde Nordkorea „um den Erhalt der Freundschaft mit China“ betteln.

Chinas Regierung reagierte auf die Kritik ausweichend. „China hält an der Denuklearisierung der (koreanischen) Halbinsel fest“, sagte Außenamtssprecher Geng Shuang am Donnerstag in Peking. Der Streit um das Atomprogramm Nordkoreas müsse durch Dialog gelöst werden.

Historische Freundschaft auf dem Prüfstand

Die Beziehungen zwischen beiden Ländern gelten derzeit als so schlecht wie nie zuvor, weil das kommunistische Nordkorea immer wieder Raketentests vornimmt und damit gegen UN-Resolutionen verstößt. Zudem hat Nordkorea nach eigenen Angaben seit 2006 fünf Atomwaffentests vorgenommen, davon zwei im vergangenen Jahr. Am Montag drohte Pjöngjang, "zu jeder Zeit und an jedem Ort" zu einem neuen Atomtest bereit zu sein. Hinter den Kulissen und unter Chinas Fachleuten gilt die historische Freundschaft als überholtes Überbleibsel des Kalten Krieges.

Die US-Regierung hatte Peking zuletzt dazu gedrängt, eine Abkehr Pjöngjangs von seinem Atom- und Raketenprogramm zu erzwingen. China hat bereits mehrere Erklärungen des UN-Sicherheitsrates gegen Nordkorea mitgetragen und sämtliche Kohleimporte aus dem Land bis Jahresende gestoppt. Zuletzt hatten Chinas Staatsmedien noch härtere Sanktionen gefordert und Nordkorea vor weiteren "Fehlern" gewarnt.

US-Präsident Donald Trump hatte seit seinem Amtsantritt im Januar den Druck auf Pjöngjang erhöht. Seine Regierung schloss auch ein militärisches Vorgehen wegen des nordkoreanischen Atom- und Raketenprogramms nicht aus. Am Montag erklärte Trump sich dann unter Bedingungen zu einem Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un bereit.

dpa/afp

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