Ein Mann der sanften Töne

Der Schlichter: Reince Priebus ist Donald Trumps Stabschef

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Schon am Wahlabend zeigten sich Donald Trump und Reince Priebus (re.) als Weggefährten

New York - Reince Priebus wird Donald Trumps Stabschef: Er soll für den US-Präsidenten Strippen ziehen und Streits schlichten. Das müssen Sie zu Priebus wissen.

Reince Priebus - das ist auch für viele politik-affine und USA-interessierte Europäer kein besonders geläufiger Name. Das könnte sich nun ändern: Donald Trump hat just diesen Reince Priebus, den Parteichef der Republikaner, am Sonntag zu seinem kommenden Stabschef im Weißen Haus bestimmt. 

Ein Parteivorsitzender als Minister - das klingt naheliegender als es in diesem Fall ist. Denn eigentlich sind sich Trump und Priebus inhaltlich ferner, als es die Bilder vom Wahlabend vermuten lassen: Als im Jahr 2012 Mitt Romney in der Präsidentschaftswahl gegen Barack Obama den Kürzeren zog, verordnete Priebus der Republikanischen Partei eine eingehende Fehleranalyse. Deren später vorgestelltes Ergebnis dürfte nicht zuletzt Priebus‘ Handschrift getragen haben. Und sie liest sich rückblickend alles andere als Trump-kompatibel.

Priebus‘ Plan: Minderheiten-Gruppen überzeugen

Priebus wollte damals vor allem Minderheiten als Zielgruppe der Republikaner ernster nehmen. „Wir müssen unter hispanischen, schwarzen, asiatischen und homosexuellen Amerikanern Werbung treiben und demonstrieren, dass wir uns auch um sie kümmern“, sagte der 44-Jährige, als er 2013 das „Growth and Opportunity Project“ der Partei vorstellte. „Aber es geht nicht nur um den Tonfall. Inhalte zählen!“

In einem Interview mit dem „Bloomberg“-Journalisten Brian Finke erklärte Priebus später, die Republikaner müssten sich um „Inklusivität“ bemühen, damit Minderheitengruppen ihnen eine Chance gäben. „Man würde denken: ‚Würde das nicht jede kompetente Partei tun?‘ Ja. Aber wir waren nicht kompetent“, erläuterte Priebus seine Kritik an Romneys Wahlkampf. Rund zwei Jahre später erklärte Trump seine Kandidatur - und wetterte gegen Immigranten, Mexikaner und später mehr oder minder offen auch die „Black Lives Matter“-Bewegung.

Im Notfall kehrt Reince Priebus die Scherben auf

Der Jurist und Familienvater Priebus - der seit 2011 die Republikaner als Vorsitzender anführt - ging aber dennoch nicht auf Konfrontationskurs mit Trump. Als sich der Vorwahl-Sieg des exzentrischen Milliardärs andeutete, schwor er die Partei auf Geschlossenheit ein. „Wir müssen uns zusammenschließen und uns darauf konzentrieren, Hillary Clinton zu schlagen“, twitterte Priebus im Mai 2016.

Seine wenigen Momente der Rebellion gegen den Kandidaten mit der völlig anderen Strategie zeigte Priebus stets, wenn Trump sich allzu arg im Ton vergriffen hatte. Etwa Anfang Oktober, als Trump wegen sexistischer Aussagen aus dem Jahr 2005 unter Druck geriet. „Keine Frau sollte jemals in solchen Worten beschrieben werden oder Gesprächsthema sein. Niemals“, erklärte er. Auch als Trump im August die Familie eines im Irak getöteten muslimischen US-Soldaten verbal angriff, kehrte Reince Priebus - zusammen mit dem designierten Vizepräsidenten Mike Pence - die Scherben auf.

Donald Trump über Reince Priebus: „Ich nenne ihn Mr. Schweiz“

Gerade, dass sich Priebus ansonsten diplomatisch aber loyal verhielt, könnte ihn für Trump nun interessant gemacht haben. „Ich nenne Reince Mr. Schweiz“, sagte Trump der „Bloomberg Businessweek“ mitten im Wahlkampf. „Er macht einen großartigen Job als Friedensstifter.“

Priebus gilt ohnehin Kraft seines Amtes als guter Vermittler. Und mit Paul Ryan, dem Sprecher des Repräsentantenhauses, verbindet ihn sogar eine gemeinsame Historie: Die beiden kommen aus Wisconsin und haben 2010 zusammen einen Wahlerfolg in dem Bundesstaat errungen - wohl auch, weil es ihnen gelang, radikale und gemäßigte Parteiflügel zu vereinigen, wie etwa die „Washington Post“ analysierte. Der gute Draht zu Ryan könnte Donald Trump und Reince Priebus helfen, Gesetzesvorhaben durch das republikanisch regierte Repräsentantenhaus zu bringen.

Ein Coup anderer Art glückte Priebus, als er im September 2013 die Sender CNN und NBC erfolgreich dazu drängte, geplante TV-Biografien Hillary Clintons aus dem Programm zu nehmen. Er hatte gedroht, den Sendern die Übertragung der republikanischen Vorwahl-Debatten zu entziehen.

Kritik an der Kür des „Washington-Insiders“ Reince Priebus

Während so einige Beobachter über einen gestandenen Politiker und „Friedensstifter“ an Trumps Seite erleichtert sein dürften, erbost andere Trumps Wahl. „Kein Washington-Insider, egal wer, sollte als Präsident Trumps Stabschef fungieren“, wetterte Jenny Beth Martin, Mit-Gründerin des rechten „Tea Party Patriots Citizen Fund“ schon am Freitag in einem Interview mit CNN. Es sei „Zeit, den Sumpf trockenzulegen“.

Allerdings haben auch die radikaleren Ausleger der Republikaner schon ihr erstes „Zuckerl“ von Trump bekommen. Gleichzeitig mit Priebus‘ Nominierung verkündete der kommende US-Präsident auch, dass Stephen Bannon das Amt des „Chefstrategen“ übernehmen wird. Bannon hatte Trumps Wahlkampf geleitet und gilt nicht nur als Hardliner, sondern auch als hartnäckiger Kritiker Paul Ryans. Reince Priebus könnte also reichlich Gelegenheit bekommen, sein diplomatisches Geschick unter Beweis zu stellen.

fn

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