Psychiater nur als Zeuge? 

Streit: Gericht lädt Zschäpe-Psychiater im NSU-Prozess wieder aus

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Die Angeklagte Beate Zschäpe betritt den Gerichtssaal im Oberlandesgericht in München.

München - Beate Zschäpe möchte sich von einem Psychiater für schuldunfähig erklären lassen. Das Gericht lud den Mediziner jedoch nur als Zeugen - das führt nun zu Streit.

Im NSU-Prozess hat das Gericht den Freiburger Psychiater Joachim Bauer wieder ausgeladen. Er sollte eigentlich am Donnerstag über seine Gespräche mit der mutmaßlichen Rechtsterroristin Beate Zschäpe in der Untersuchungshaft befragt werden. Zschäpes Verteidiger Mathias Grasel erklärte am Dienstag auf Anfrage, seine Mandantin habe Bauer nur in seiner Eigenschaft als Sachverständigem von seiner Schweigepflicht entbunden. Das Gericht habe ihn aber nur als Zeugen geladen. Dafür gelte die Entbindung von der Schweigepflicht nicht.

Vorwurf an Gericht: Unnötige Verzögerung 

Grasel sagte weiter, er habe Bauer nunmehr selber als Sachverständigen geladen. Das sei gesetzlich möglich. Allerdings müsse er die Ladung über einen Gerichtsvollzieher an Bauers Wohnort in Freiburg zustellen. Grasel sagte, er rechne damit, dass der Psychiater Anfang Mai im NSU-Prozess aussage, dann aber als Sachverständiger. Dem Gericht warf er vor, das Prozedere unnötig zu verzögern, indem es Bauer von sich aus nur als Zeugen lud.

Das Oberlandesgericht München hatte den forensischen Psychiater Henning Saß als psychiatrischen Sachverständigen im NSU-Prozess bestellt. Dieser hatte Zschäpe volle Schuldfähigkeit bescheinigt. Bauer soll Zschäpe nach Darstellung Grasels dagegen Schuldunfähigkeit wegen einer schweren Persönlichkeitsstörung attestieren.

Psychiater Bauer besuchte Zschäpe sechs Mal 

Als Zeuge hätte Bauer über seine Gespräche mit Zschäpe in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim befragt werden sollen. Insgesamt soll er bei sechs Besuchen zwölf Stunden mit ihr gesprochen haben. Zum Termin am Donnerstag hatte das Gericht außerdem den Gutachter Henning Saß geladen. Dieser sollte Bauers Vortrag fachlich beurteilen. Auch Saß wurde jetzt wieder ausgeladen.

Zschäpe ist wegen Mittäterschaft an den Verbrechen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ angeklagt. Dazu gehören neun Morde an türkisch- und griechischstämmigen Zuwanderern.

dpa

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