Justizminister Maas übt scharfe Kritik

Studie zeigt: So werden Ausländer bei der Wohnungssuche diskriminiert

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Laut einer Studie von BR und Spiegel diskriminieren viele Immobilienbesitzer Ausländer bei der Wohnungssuche.

Die Wohnungssuche ist vor allem in Großstädten wie Berlin oder München schwierig. Was das Problem laut einer Studie dabei noch verschärft, ist ein ausländischer Name.

Hamburg – Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat die Diskriminierung von Ausländern bei der Wohnungssuche scharf kritisiert. „Niemand darf bei der Wohnungssuche allein aufgrund seines Namens benachteiligt werden", sagte Maas am Donnerstag dem Spiegel. „Wenn bei der Vermietung einer Wohnung allein die vermutete Herkunft dazu führt, dass Interessenten von vornherein ausgeschlossen werden, ist das eine rechtswidrige Diskriminierung." 

Immobilienbesitzer diskriminieren Ausländer einer Untersuchung zufolge bei der Wohnungssuche gegenüber deutschen Mitbewerbern teils erheblich. Am stärksten betroffen sind Männer mit türkischen und arabischen Namen sowie ausländische Wohnungssuchende in München, wie eine Datenrecherche des Bayerischen Rundfunks und des Spiegels ergab. 

Je angespannter der Wohnungsmarkt, desto größer das Risiko

Für die Untersuchung hatten die beiden Medien automatisiert 20.000 Anfragen auf Mietwohnungen mit inhaltlich vergleichbaren Bewerbungen von fiktiven Profilen verschickt. Dabei ließen die Namen der vorgeblichen Interessenten auf deren unterschiedliche Herkunft schließen – neben deutschen, türkischen und arabischen wurden auch polnisch und italienisch klingende Namen benutzt. Das Ergebnis: In etwa einem Viertel der Fälle wurden Bewerber mit türkischem oder arabischem Namen nicht zu einer Wohnungsbesichtigung eingeladen, deutsche Interessenten aber schon.

Es verstoße gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, wenn Interessenten aufgrund ihrer vermuteten Herkunft als Mieter ausgeschlossen würden, sagte Maas. „Es darf nicht vom Namen abhängen, ob man eine Wohnung bekommt oder nicht." Je angespannter der Wohnungsmarkt sei, desto größer sei das Risiko für Diskriminierung, erklärte die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders. „Wer einen Namen hat, der in den Ohren von Vermieterinnen und Vermietern nicht 'deutsch genug' klingt, für den sieht es auf dem Wohnungsmarkt zunehmend schlecht aus." Das zeigten Erfahrungsberichte und Beschwerden bei der Antidiskriminierungsstelle und anderen Beratungsstellen schon lange. Lüders zufolge gibt es einen Trend, dass „bestimmte Gruppen, Nationalitäten oder Asylsuchende von vornherein in Wohnungsanzeigen ausgeschlossen werden". Sie rief dazu auf, „das nicht hinzunehmen und sich Unterstützung zu suchen".

Erst kürzlich hat das Gutachterinstitut Prognos ermittelt, dass mittlerweile nicht mehr nur in Großstädten, sondern auch auf dem Land Wohnraum fehlt, vor allem bezahlbarer. In München ging das Problem sogar so weit, dass ein 25-Jähriger im Zug leben musste.

AFP

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