Abstimmungen über Ministerposten

Szenen wie in der Seifenoper - Hauen und Stechen im US-Senat

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Rex Tillerson, der neue Außenminister der USA.

Washington - Die Abstimmungen über Ministerposten haben den US-Senat von einem lösungsorientierten Parlament zu einem parteipolitischen Schlachtfeld gemacht. Der größte Showdown steht allerdings noch bevor.

Der US-Senat galt lange Zeit als eines der wenigen Parlamente der Welt, in dem die demokratische Idee noch am reinsten gelebt wurde. Die Senatoren zweier Parteien stritten in vielen Fällen solange um die beste Lösung, bis die jeweils andere Seite das Ergebnis zumindest einigermaßen mittragen konnte. Im Januar 2017 klingt das wie ein Märchen aus längst vergangener Zeit. Der US-Senat ist in den wenigen Tagen der Präsidentschaft von Donald Trump zur Speerspitze der Parteipolitik in den USA geworden - mit Hauen, Stechen und Intrigen.

Altgediente Senatoren bezeichnen sich gegenseitig als Idioten, Ausschusssitzungen werden von ganzen Fraktionen boykottiert, Fallstricke gelegt und Parlamentarier geködert. Politik wird gemacht mit Kerzen in der Hand und Tränen in den Augen. So waren die Demokraten Anfang der Woche vor den Supreme Court gezogen. Chuck Schumer, der demokratische Fraktionschef in dem Gremium, hatte mehrere emotionale Auftritt vor versammelter Presse hingelegt.

Demokraten versuchen über Senat, Einfluss zu nehmen

Die US-Demokraten, bis zum 7. November 2016 noch fest überzeugt, sie würden nach der Wahl tags darauf die Mehrheit in der Kammer übernehmen, versuchen den Senat trotz ihrer Wahlniederlage als Druckmittel zu gebrauchen. Die wohl größte Schlacht wird in Kürze mit dem Streit um den Supreme-Court-Richter Neil Garsuch ausgetragen.

Um ihren Kandidaten durchzubringen, brauchen die Republikaner 60 der 100 Stimmen in dem Fall, dass die Demokraten einen Filibuster versuchen - eine Dauerrede mit dem Ziel, den parlamentarischen Rahmen zu sprengen und so eine Abstimmung zu verhindern. Ihre Mehrheit von 52 Senatoren würde dann nicht reichen, um den Filibuster zu beenden.

Donald Trump empfahl seinem Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, schon einmal vorsorglich, er solle die „nukleare“ Option ziehen. Damit meint Trump, die Filibuster-Regel aufheben. Das käme einem riesigen Traditionsbruch gleich und würde zu einem Aufschrei führen. Doch viele bei den Republikanern denken schon längst weiter. Vielleicht kommt ihnen die Regelung selbst schon bald einmal wieder zupass. Zum Beispiel für den Fall, dass bald weitere Stellen im Obersten Gericht frei werden sollten.

Trumps Ministerwahl könnte zum Bruch führen

Ob es tatsächlich zum totalen Bruch kommt, hängt auch davon ab, was bis dahin passiert. Der umstrittene Außenminister Rex Tillerson ist am Mittwoch gerade noch so durchgerutscht - obwohl er sich das schlechteste Ergebnis für einen Chefdiplomaten seit Jahrzehnten abholen musste. Mit der designierten Bildungsministerin Betsy DeVos und dem künftigen Justizminister Jeff Sessions stehen noch mindestens zwei extrem kontroverse Entscheidungen an.

DeVos, eine Multimillionärin aus Michigan, die das staatliche Schulsystem anprangert, könnte tatsächlich durchfallen. Zwei republikanische Senatorinnen wollen mit den Demokraten stimmen, wenn sich noch ein Abtrünniger findet, wäre sie abgelehnt. Wenn es dann auch noch bei Sessions knapp wird, dem eine rassistische Vergangenheit nachgesagt wird, könnte die Stimmung im Senat endgültig überkochen und auch auf die Supreme-Court-Frage überschwappen. „Die Aktionen der Trump-Administration in der vergangenen Woche haben die Aktien noch höher steigen lassen“, sagte Tim Kaine, demokratischer Senator aus Virginia.

Mit der Eskalierung des Konfliktes begonnen hatten indes die Republikaner. Dem Kandidaten Barack Obamas für den vakanten Supreme-Court-Posten, Merrick Garland, hatten sie nicht einmal eine Anhörung gewährt, geschweige denn eine Abstimmung. Die wichtige Richterstelle blieb mehr als zehn Monate bewusst unbesetzt, um ihre Neubesetzung zum Wahlkampfthema machen zu können. Die Demokraten schäumten vor Wut - und können nun nicht verzeihen. Jede einzelne Abstimmung soll nun auch zum Votum über Trumps Präsidentschaft gemacht werden, besonders die über Richter Garsuch.

„Ich glaube, die Unabhängigkeit unseres Rechtssystems und besonders des Supreme Courts ist von entscheidenderer Bedeutung als jemals zuvor in der jüngeren Geschichte“, sagte der demokratische Senator Richard Durbin aus Illinois vielsagend. Die Gräben sind tief in Washington. Trumps wortgewaltiges Sprachrohr Kellyanne Conway sagte am Donnerstag, die Demokraten verhielten sich wie „ein Haufen schreiender Babys.“

dpa

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