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Debatte über die Bundeswehr

Staatsminister Huber: „Die Truppe ist aus dem Tritt gekommen“

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Tag der Bundeswehr 2017: Marcel Huber (l.) im Cockpit am Boden.

Bei der Bundeswehr jagt ein Skandal den nächsten. Den „Tag der Bundeswehr“ hat Staatskanzleiminister Marcel Huber mit Soldaten in Greding verbracht. Das sagt er zur Bundeswehr.

München - Den „Tag der Bundeswehr“ hat Staatskanzleiminister Marcel Huber mit Soldaten in Greding und Penzing verbracht. Der CSU-Politiker, zuständiger Ansprechpartner für die Bundeswehr, warnt vor einem Generalverdacht gegen die Truppe; rät aber auch in der Wehrmachts-Debatte zu einem anderen Grundton.

Sie waren am Wochenende bei der Bundeswehr. Stoßen Sie auf eine desillusionierte Truppe?

Marcel Huber: Desillusioniert nicht. Aber eine Truppe, die ein bisschen aus dem Tritt gekommen ist. Die Soldaten, die mit ihrer Gesundheit und ihrem Leben für unsere Sicherheit einstehen, wollen mehr Anerkennung in der Öffentlichkeit bekommen. Diese Wertschätzung will ich vermitteln.

Von Verteidigungsministerin von der Leyen kommt diese Wertschätzung ja nicht...

Huber: Die Ministerin hat ihre Kritik deutlich relativiert. Ich sehe keinen Anlass, der Bundeswehr Vertrauen zu entziehen.

Auch wenn sich rechtsradikale Aussetzer und Missbrauchsfälle häufen?

Huber: Jeder Fall ist bedauerlich, keiner darf passieren. Dennoch waren es Einzelfälle. Ich will keinen Generalverdacht. Mir sagen immer wieder Soldaten, sie fühlen sich zu Unrecht unter einem pauschalen Verdacht.

Ist die Wehrmacht Teil der Bundeswehr-Geschichte – oder sollte eine moderne Armee einen klaren Trennungsstrich ziehen?

Huber: Fakt ist: Das ist ein Teil der Geschichte. Wir reden aber zu oft über falsche Bezugnahmen auf die Wehrmacht. Den Fehler sehe ich darin, dass wir als Bundeswehr nicht genug das Selbstverständnis entwickelt haben, mit Stolz auf die 60 Jahre in der Bundesrepublik zu schauen. Was die Bundeswehr geleistet hat, sollte Anlass für mehr Selbstvertrauen sein – auch für Stolz.

„Wichtig, ist die richtige Einordnung“

Hätten Sie das Helmut-Schmidt-Bild abgehängt?

Huber: Über manche Entscheidung sollte man besser eine Nacht schlafen… Wichtig ist doch die richtige Einordnung im historischen Zusammenhang.

Sie fordern höhere Investitionen in die Bundeswehr. Wo klemmt es am allerschlimmsten?

Huber: Das Einsatzprofil hat sich komplett verändert in den vergangenen etwa 30 Jahren – die Ausrüstung aber nicht. Der Bedarf fängt an bei der Schutzkleidung und reicht bis in Milliardenprojekte wie den A400M oder den Kampfhubschrauber Tiger. Wir brauchen neue schwere Lasthubschrauber, ein eigenes Drohnen-System, das neue Luftabwehrsystem Meads. Mehrere Fregatten sind am Ende ihrer Nutzungszeit. Einiges ist schon in der Beschaffung – aber es dauert.

Nachholbedarf bei der Cyber-Abwehr

Innenpolitiker rufen nach einer neuen großen Übung zur Abwehr von Cyber-Attacken. Klingt modern – aber was bringen Übungen am Schreibtisch?

Huber: Übungen helfen auch dann, wenn kein einziges Fahrzeug rollt. Eine solche Übung wäre sogar dringend nötig. Im Bereich Cyber-Abwehr ist die Bundeswehr noch nicht so weit, wie wir es wollen. Die digitalen Angriffe sind längst real und werden immer mehr. Die Bundeswehr hat die neue Waffengattung „Cyber“ gerade aufgestellt, 13 500 Soldaten. Mit ihnen sollten wir sehr bald üben.

In Bayern?

Huber: Ich will, dass Bayern die Speerspitze in der Cyber-Abwehr wird. Wir können die Kompetenzen vernetzen mit den 13 neuen Lehrstühlen an der Bundeswehrhochschule, dem Studiengang Cyber-Defense, der neuen bundesweiten Cyber-Behörde Zitis, die nach München kommt, der technischen Abteilung des Bundesnachrichtendienstes in Pullach, dem Bölkow-Campus... Wir sollten die Zusammenarbeit stärken, je öfter, desto besser.

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