„Sie sind doch Italiener, oder?“

„Tagesthemen“ zu Özil: Türkischer Kabarettist bringt Zamperoni mit Gegenfrage ins Stolpern

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Mesut Özils Rücktritt beschäftigte am Montag auch die „Tagesthemen“. Ingo Zamperoni sprach mit dem türkischstämmigen Kabarettisten Serdar Somuncu. Dabei gab es einen bizarren Moment.

Mesut Özil hat mit seinem Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft eine hitzige Diskussion entfacht. Es geht um Rassismus, Integration und Identifikation. Auch die „Tagesthemen“ befassten sich am Montagabend damit, dass ein deutscher Nationalspieler zurücktritt, weil er sich diskriminiert fühlt. Moderator Ingo Zamperoni führte unter anderem ein Interview mit dem deutsch-türkischen Kabarettisten und Autor Serdar Somuncu, bekannt unter anderem aus der „heute show“. Somuncu ist in Istanbul geboren und im Rheinland aufgewachsen.

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Zamperoni wollte von Somuncu unter anderem wissen, ob er rassistische Erfahrungen erlebe, wie Mesut Özil sie beklagt. „Ich habe die Erfahrungen, die jetzt geschildert werden, lange Jahre nicht gemacht und mache sie jetzt in den letzten Jahren häufiger“, entgegnete der Deutschtürke. Das habe mit dem Internet zu tun, das die „Meinungsvielfalt“ fördere. Einerseits sei das gut, andererseits werde es auch immer „extremer und unmittelbarer“.

„Gerade innerhalb der AfD freuen sich gerade viele“

Dennoch sollte man mit Rassismus-Vorwürfen vorsichtig sein, findet Somuncu, „weil man damit den Ball oft den Falschen zuspielt.“ Innerhalb der AfD, aber auch innerhalb der türkischen AKP, freuen sich gerade viele, glaubt Somuncu. Nämlich darüber, „dass diese Debatte jetzt wieder auf einem oberflächlichem Niveau geführt wird.“

Mesut Özils Rundumschlag auf Twitter verstehe er deshalb „bedingt“, sagte Somuncu. Der Fußballer vermische Sportliches, Politisches und Persönliches zu sehr, auch mehr Selbstkritik hätte ihm gut gestanden. Gleichzeitig sei Özils Kritik am DFB und dessen Vorsitzenden Reinhard Grindel berechtigt: „Sie haben sich sehr illoyal verhalten.“ Er könne auch nachvollziehen, dass „jemand, der mit dieser binationalen Existenz umgehen muss, Entscheidungsschwierigkeiten hat und sich mal hierhin, mal dorthin hingezogen fühlt.“ Doch gerade wenn man als Teil der Nationalmannschaft ein Repräsentant des Landes sei, müsse man sich bewusst sein, dass es zu Missverständnissen führen könne, „wenn man sich nicht entscheidet.“

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Ingo Zamperoni steht plötzlich selbst im Fokus

Zamperoni hakte nach: Oft sei es ja gerade das Problem, dass „die Anderen“ das nicht so sehen, fragte der Moderator etwas unkonkret. Somuncu wollte wissen: „Wer sind die denn die Anderen?“ Zamperoni: „Naja, Deutsche, die beispielsweise nicht sagen, dass so jemand wie Mesut Özil dazugehört.“

Somuncu konterte mit einer Gegenfrage, die den Moderator kurz aus dem Konzept brachte: „Herr Zamperoni, Sie sind doch Italiener, oder?“ fragte er lachend. „Wie ist das denn bei Ihnen?“ Nun lag es an Zamperoni, sich zu seinen Erfahrungen mit Rassismus zu äußern. Er antwortete ausweichend: „Die Frage ist, ob das nicht nochmal ein Unterschied ist zwischen italienischer Herkunft und türkischer Herkunft in dem Sinne“, so Zamperoni holpernd. „Und dann eben.... ich glaube, der Islam ist da auch ein entscheidender Faktor.“ Somuncu ließ das nicht so einfach gelten: „Gut, aber die Türkei ist ja ein laizistischer Staat und kein islamischer Staat.“ Da werde in Deutschland „vieles sehr oberflächlich besprochen.“

Ingo Zamperoni berichtete von rassistischer E-Mail

Dass Ingo Zamperoni auch als Italienischstämmiger nicht vor rassistischen Kommentaren gefeit ist, hatte er zu Beginn der Sendung gesagt, als er die Berichterstattung zu Özil einleitete. Vor ein paar Wochen habe er eine E-Mail von einem Zuschauer erhalten, der geschrieben habe: „Wann wirft die ARD endlich den Eindringling/Gastarbeiter Zamperoni raus? Er sollte dorthin gehen, wo er herkommt.“ Zamperoni ist in Wiesbaden geboren und aufgewachsen, ein Teil seiner Familie stammt aus Norditalien.

Stephanie Munk

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