Umstrittener Berater vor dem Rausschmiss?

Trump geht auf Distanz zu Bannon

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Donald Trump und Stephen Bannon.

Washington - Trumps umstrittener Chefstratege Bannon ist für die ideologische Ausrichtung seiner Politik wichtig. Es mehren sich aber die Zeichen, dass sein Einfluss schwindet - sogar ein Abgang scheint möglich.

US-Präsident Donald Trump steht offenbar nicht mehr vorbehaltlos hinter seinem hochumstrittenen Chefstrategen Steve Bannon. Trump bezeichnete Bannon in einem am Dienstagabend (Ortszeit) veröffentlichten Interview des Boulevardblatts "New York Post" zwar als "guten Kerl". Doch fügte er offenbar mit Blick auf Konflikte unter seinen Mitarbeitern im Weißen Haus hinzu: "Ich habe ihnen gesagt, dass sie es zurechtbiegen sollen, oder ich werde das tun."

Damit bezog sich der Präsident offenbar auf Bannons Konflikte mit anderen Mitarbeitern, darunter Trumps Schwiegersohn und Berater Jared Kushner, über welche die US-Medien zuletzt viel berichtet hatten. Trump bestätigte indirekt einen Machtkampf unter seinen Top-Beratern.

Trump sagte in dem Interview auch: "Ich mag Steve." Doch erinnerte er im selben Atemzug daran, dass Bannon seinem Wahlkampfteam erst "sehr spät" beigetreten war - dies war im vergangenen August.

Zu diesem Zeitpunkt habe er sich im republikanischen Vorentscheid bereits durchgesetzt gehabt, betonte Trump. Bannon habe er damals noch nicht gekannt. Und er habe zu dem Zeitpunkt, als dieser seinem Team beitrat, auch nicht vorgehabt, seine Strategie im Zweikampf gegen die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, zu ändern, sagte Trump.

Mit diesen Worten wollte er anscheinend dem Eindruck entgegentreten, dass er seinen Wahlsieg entscheidend Bannon zu verdanken habe.

Verlor Bannon gegen Kushner?

US-Medien kommentierten, mit diesen Aussagen drohe Bannon ein Abgang aus dem Weißen Haus. Verbündete Bannons hätten überrascht und „verstört“ auf den Bericht reagiert, schrieb der politische Newsletter Axios unter Berufung auf Insider.

Vor einer Woche erst hatte der überraschende Abzug Bannons aus dem einflussreichen Nationalen Sicherheitsrat Spekulationen über Machtkämpfe im Weißen Haus ausgelöst. Trump hatte das Gremium umstrukturiert, so dass Bannon ihm nicht mehr angehört.

Bannon ist eine der schillerndsten Figuren in der Machtarchitektur des Weißen Hauses. Als Investmentbanker reich geworden, zog er zunächst als Chef der rechten Webseite Breitbart gegen das Establishment zu Felde, bevor er als Trumps Wahlkampfmanager und später als Chefdenker im Weißen Haus die „Dekonstruktion“ des Staates als oberstes Regierungsziel ausgab.

Seit Tagen mehren sich in den USA Berichte, dass sich ein Machtkampf unter Trumps Top-Beratern im Weißen Haus zuspitzt. Dabei gehe es um einen Richtungsstreit zwischen eher liberalen und moderaten Kräften mit Trumps Schwiegersohn Jared Kushner an der Spitze und nationalistischen Kräften um den umstrittenen Bannon. Der 63-Jährige gilt als Verfechter der „America first“ („Amerika zuerst“)-Politik Trumps.

US-Medien hatten bereits über einen bevorstehenden Umbau der Top-Berater-Ebene im Weißen Haus spekuliert. Am vergangenen Freitag sollen sich Bannon und Kushner mit dem Stabschef des Weißen Hauses, Reince Priebus, in Trumps Anwesen in Florida zu Gesprächen getroffen haben.

Vor allem der Einfluss von Trumps Schwiegersohn Kushner scheint in den vergangenen Wochen gestiegen zu sein. Der 36-Jährige Ehemann von Trumps Tochter Ivanka - der wohl engsten Vertrauten des Präsidenten - hat wichtige Aufgaben übernommen. Er berät Trump unter anderem in Fragen des Mittleren Ostens, Israels, Chinas, Mexikos und Kanadas. Kushner verfügt wie Bannon über keine außen- oder sicherheitspolitische Erfahrung. Kushner soll außerdem den Regierungsapparat umkrempeln.

dpa/afp

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