Im Kampf gegen Bandenkriminalität

Trump legt Polizisten mehr Gewalttätigkeit nahe

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US-Präsident Donald Trump hat einer gewalttätigen Jugendbande mit zentralamerikanischen Wurzeln den Kampf angesagt. Dabei forderte er Polizisten auch offen zur Gewaltanwendung auf.

US-Präsident Donald Trump hat einer gewalttätigen Jugendbande mit zentralamerikanischen Wurzeln den Kampf angesagt.

New York - In der Gemeinde Brentwood auf Long Island sind in den vergangenen anderthalb Jahren 17 Menschen von der Bande getötet worden. Trump hatte bereits am Dienstag in einer Rede vor Anhängern im Bundesstaat Ohio verkündet, dass seine Regierung dabei sei, die US-Städte mit Razzien von "blutdürstigen kriminellen Gangs" zu "befreien". Er fügte hinzu, dass dies nicht auf "die politisch korrekte Art" getan werde. "Unsere Kerle sind rauer als ihre Kerle", prahlte er. Seit Jahresbeginn haben Beamte des US-Heimatschutzministeriums über 3000 Gang-Mitglieder festgenommen, wie der zuständige Abteilungsleiter Tom Homan sagte. Vergleichszahlen für das Vorjahr konnte er aber nicht nennen.

In seiner Rede im Suffolk Community College am Freitag hat US-Präsident Donald Trump Polizisten nun offen zur Anwendung von mehr Gewalt etwa bei Festnahmen ermuntert. Bei einer Veranstaltung von Gesetzeshütern auf Long Island in New York sagte er, für ihn sei ein viel härterer Umgang mit Festgenommenen völlig in Ordnung, etwa indem man ihren Kopf gegen den Polizeiwagen schlagen lasse. Der Präsident sagte auch, Polizisten sollten nicht zu nett sein, wenn sie Kriminelle in den Laderaum eines Polizeitransporters werfen würden.

Mehrere Hundert Polizisten in Uniform im Publikum jubelten daraufhin laut und stimmten „USA, USA“-Sprechchöre an. Trump bezeichnete Mitglieder bestimmter Banden als Tiere. Er werde der Polizei immer 100 Prozent Rückendeckung geben, anders, als das in früheren Zeiten der Fall gewesen sei.

Kritik an Trumps Äußerungen

Die USA haben ein großes Problem mit Polizeigewalt, die sich oft gegen Farbige richtet. Immer wieder werden Menschen bei Festnahmen verletzt oder getötet, ohne dass die Polizisten dafür zur Rechenschaft gezogen werden.

In sozialen Medien wurden Trumps Äußerungen ebenso scharf kritisiert wie der Jubel der Polizisten: Es sei unglaublich, dass der Präsident Ordnungshüter offen zur Gewalt auffordere. Ebenso unglaublich fanden erst kürzlich viele, dass auch Trumps Tochter Ivanka auf Twitter offensichtlich mal gründlich daneben greifen kann. Mit einem Zitat eines berühmten Deutschen blamierte sie sich völlig. Es gab aber auch viel Zustimmung. Trump hat sich 2016 bereits als Kandidat mehrfach zustimmend zur Anwendung von Gewalt geäußert.

Gespräche mit Regierung von El Salvador

US-Justizminister Jeff Session war zudem am Donnerstag nach El Salvador gereist, um mit der dortigen Regierung über die gemeinsame Bekämpfung der Bandenkriminalität zu sprechen. Die meisten Mitglieder der „MS-13“ oder „Mara Salvatrucha“ genannten Straßengang in den USA haben ihre Wurzeln in dem zentralamerikanischen Kleinstaat. Trump beschrieb in drastischen Worten die Brutalität der Bande. Diese benutze keine Schusswaffen, weil das Töten so "zu schnell geht", sagte er bei einer Rede in Youngstown in Ohio. Die Bande schnappe sich "junge, schöne" 15- und 16-jährige Mädchen und schlitze diese mit dem Messer auf, damit ihr Tod besonders qualvoll sei. Konkrete Fälle von solchen Morden nannte der Präsident nicht. Allerdings ist die MS-13 durchaus für ihre große Brutalität bekannt.

MS-13 verbreitet Schrecken in ganz Zentralamerika

Gegründet wurde die Bande in den achtziger Jahren in Los Angeles von jungen Einwanderern. Zahlreiche Mitglieder der Gang wurden über die Jahre aus den USA abgeschoben, in der Folge breitete sich die Bande auch in Zentralamerika aus. Sie ist unter anderem auf Drogenhandel, Erpressungen und Entführungen spezialisiert. In Brentwood löste der Besuch von Präsident Donald Trump keineswegs einhellige Vorfreude aus. Rund 70 Prozent der 60.000 Einwohner sind Latinos, viele von ihnen haben keine Aufenthaltsgenehmigung. Örtliche Aktivisten warfen Trump vor, bei seinem Besuch gehe es ihm in Wahrheit darum, Stimmung für die Abschiebungen von Menschen ohne Papiere zu machen. Mehr als 20 Gemeindeorganisationen veranstalteten am Donnerstag in der Stadt eine Demonstration gegen Trump. "Der Präsident benutzt unsere Tragödien, um seine hasserfüllte Agenda voranzubringen, um Abschiebungen und die Trennung von Familien zu rechtfertigen", sagte der illegal im Land lebende Salvadorianer Kevin, der seinen Nachnamen nicht nennen wollte. Andere Einwohner begrüßten hingegen die Visite des Präsidenten. Trump zeige so, dass er das Problem der Bandenkriminalität "sehr ernst" nehme, sagte Robert Mickens. Seine 15-jährige Tochter war zusammen mit einer Freundin mit Macheten und Baseballschlägern ermordet worden.

Donald Trump wird häufig vorgeworfen, er sei schlicht bemüht, möglichst viele der Entscheidungen seiner Vorgängerregierung zu revidieren. So ließ er beispielsweise kürzlich via Twitter verlautbaren, er werde keine Transgender beim Militär dulden. Obamas Verteidigungsminister hatte eine Öffnung des Militärs für Transgender erst im Juni 2016 durchgesetzt. Bei all dem skurrilen und nicht selten überraschenden Gebahren des Präsidenten verwundert es nicht, dass er bald Protagonist einer Zeichentrickserie sein wird. 

afp

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