„Nicht sehr glamourös“

Trump stichelt gegen die Oscars zurück

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Donald Trump kann mit Kritik nicht gut umgehen.

Los Angeles/Washington - Die diesjährige Oscar-Verleihung war gespickt mit Kritik an der Politik von Donald Trump. Das konnte der US-Präsident natürlich nicht unkommentiert auf sich sitzen lassen.

US-Präsident Donald Trump hat die Oscar-Panne um die Verkündung des falschen Gewinners des Hauptpreises für den besten Film für sich ausgeschlachtet und gegen seine Kritiker bei der Gala gestichelt. Der Website Breitbart News sagte Trump am Montag, die peinliche Panne sei nur deshalb passiert, weil die Oscar-Verleihung "so sehr auf die Politik fokussiert" gewesen sei, dass die Macher „am Ende nicht mehr die Kurve gekriegt haben.“

Bei den Oscars war in der Nacht zum Montag zunächst fälschlicherweise der Film "La La Land" als Sieger in der Kategorie Bester Film ausgerufen worden, ehe der Irrtum dann hektisch korrigiert und das Drama "Moonlight" zum Sieger gekürt wurde. Offenbar hatte man dem Laudatoren-Paar Warren Beatty und Faye Dunaway den falschen Umschlag in die Hand gedrückt. 

Dieser Vorfall habe den Glanz der Oscars geschmälert, so Trump zu der ultrarechten, wegen ihrer Nähe zum Ku-Klux-Klan, weißen Nationalisten und Antisemiten sehr umstrittenen Webseite, die früher von Trumps Chefstrategen im Weißen Haus, Stephen Bannon, geleitet worden war. Er sei selbst mal bei der Verleihung des wichtigsten Filmpreises dabei gewesen. Die Gala am Sonntag habe sich aber nicht glamourös angefühlt: „Etwas ganz Besonderes hat gefehlt, und dann so zu enden, war traurig.“

Trump-Kritik bei den Oscars 2017

Neben diversen mehr oder weniger subtilen Seitenhieben hatten viele Stars an dem Abend mit blauen Schleifen der ACLU Stellung bezogen. Die US-Menschenrechtsbewegung hatte einen Protest gegen Trump organisiert. Der vielleicht politischste Moment der Gala die Verleihung des Auslands-Oscars an den Film „The Salesman“ des iranischen Regisseurs Asghar Farhadi gewesen. Dieser war aus Protest gegen Trumps Einreisestopp nicht nach Hollywood gekommen und hatte eine Erklärung verlesen lassen. „Wer die Welt in Kategorien von „Wir“ und „unsere Feinde“ einteilt, schafft Angst“, hieß es darin unter anderem.

Weil Trump nicht bereits während der Oscar-Verleihung auf Twitter auf die Kritik reagiert hatte, hatte Moderator Jimmy Kimmel scherzend bekundet, er fange an, sich Sorgen um ihn zu machen, und live von seinem Smartphone aus einen Tweet an den Account des Präsidenten geschickt: „Hey, bist du wach? Meryl lässt dich grüßen“ - eine Anspielung auf die vieldiskutierte Fehde zwischen der mehrfachen Oscar-Gewinnerin und dem US-Präsidenten. Dieser hatte die Hollywood-Ikone als „überschätzt“ bezeichnet, nachdem diese ihn in ihrer Dankesrede bei den Golden Globes kritisiert hatte.

Dass Trump nicht gut mit Kritik umgehen kann, ist nichts Neues. So bezeichnet er Medien, die ihm nicht nach dem Mund reden, gerne als „Fake News“. Vertreter der „New York Times“, „Politico“, die „Los Angeles Times“ und des Senders CNN hatte er kürzlich von einer Fragestunde des Weißen Hauses ausgeschlossen. Auch seine Teilnahme bei dem alljährlichen Dinner der Korrespondenten im Weißen Haus hatte der US-Präsident abgesagt, bei dem traditionsmäßig die Regierung satirisch durch den Kakao gezogen wird.

Bilder der Oscars 2017, die noch lange im Gedächtnis bleiben

dpa/afp

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