Von Kampfansagen und Populismus

Trumps Antrittsrede: Das sagt die internationale Presse

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Amtseinführung Trump.

Berlin - Kampfansage, Drohung, Unanständigkeitserklärung: Für ihre Analysen von Donald Trumps Antrittsrede finden viele Nachrichten-Medien klare, sorgenvolle Worte. 

Es herrsche nun „Populismus pur im Weißen Haus“, schrieb am Freitag zum Beispiel „Der Standard“ aus Wien auf seiner Webseite. Nach der „aggressiven, martialischen Antrittsrede“ Trumps sei „klar, dass die Welt von den USA mehr Protektionismus und Isolationismus zu erwarten hat - schlicht Eigennutz.“ Für „Spiegel Online“ war die Antrittsrede eine „Unanständigkeitserklärung“ - und das Portal aus Hamburg kommentierte: „Dieser Präsident wird keine Kompromisse machen.“

Deutschsprachige Medien

Die Antrittsrede sei „in gewisser Weise ein Trump auf Steroiden“ gewesen, schrieb „Die Welt“ aus Berlin auf der Seite welt.de. Die Ansprache habe gezeigt, „dass Trump die populistischen Parolen seines Wahlkampfes nicht hinter sich lassen würde“. Und faz.net, das Portal aus dem Verlag der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, sah in der Rede „eine einzige Kampfansage, wie man das bei diesem Anlass noch nicht gehört hatte: an das „Establishment“, an Washington, die Globalisierung und an alle, die das amerikanische Volk „aussaugen“.“ Unter dem Präsidenten Trump würde die USA „ein anderes Amerika sein“.

Die „Neue Zürcher Zeitung“ aus der Schweiz befand: „Auch in den Fussstapfen von Grössen wie George Washington, Abraham Lincoln und Franklin Roosevelt führt sich der Gewählte wie ein Halbstarker auf.“ Mit Trumps Wahl hätten sie die Amerikaner „auf ein riskantes Experiment eingelassen - ein Experiment, dessen Scheitern sie teuer bezahlen könnten.“

Der Zürcher „Tages-Anzeiger“ lässt sich zu einem Wortspiel hinreißen: „In gemeinsamen Bereichen wie Freihandel, Klimawandel, Russland oder dem Iran dürften die europäischen Interessen mit jenen Washingtons kollidieren. Europa steht also vor „trumpulenten“ Zeiten.“

Der österreichische „Standard“ stellt fest: „Mit dieser Rede ist Trump sich und seinen Wahlversprechen treu geblieben. Er ist von seinem populistischen Kurs, den er in den vergangenen Monaten vertreten hatte, auch auf dem Weg nach Washington nicht abgebogen.“

Europäische Medien

Die belgische Zeitung „De Tijd“ ist überzeugt: „Wer glaubte, Amerika würde die alte Friedensordnung „Pax Americana“ fortsetzen, der kann dies nun vergessen. Damit Amerika wieder groß wird, zieht es sich auf sich selbst zurück.“ Die belgische Zeitung „Le Soir“ ist überzeugt: „Jene, die sich eine geglättete, besänftigte präsidiale Haltung erhofft haben, werden dies vergeblich getan haben, bis auf die eine oder andere seltene Ausnahme: Der rachsüchtige Trump des Wahlkampfs wird auch der Trump des Weißen Hauses sein. Action!“

Die französische Regionalzeitung Ouest-France sorgt sich um Europa:„Für Donald Trump zählt die Europäische Union nicht. (...) Er hofft sogar, dass andere Länder dem britischen Beispiel folgen werden.“

Die liberale dänische Tageszeitung „Politiken“ stellt fest: „Donald Trump ist das Symbol eines neuen Anfangs, dessen Ende viele fürchten.“ Die rechtsliberale dänische Tageszeitung „Jyllands-Posten“ (Aarhus) findet: „Wenn man Trump zugehört hat, könnte man den Eindruck bekommen, die USA seien ein Entwicklungsland.“

Die niederländische Zeitung „de Volkskrant“ stellt fest: „Wer Trump schwadronieren hörte, bekam den Eindruck, dass die Welt aus Amerika besteht sowie aus Ländern, die Amerika ausnehmen und kaputtmachen wollen. Ein überschaubares Weltbild, das Trump nun eigenhändig korrigieren wird.“

Der britische „Guardian“ meint: „2017 hat Trump der Welt klar gemacht, dass sie sehr besorgt sein sollte. Trumps Rede war abwechselnd bitter, angeberisch und banal. Sie kochte über vor Groll und Verachtung für die Politik sowie die Gewaltenteilung im US-System.“ Die „Financial Times“ mahnt: „Wenn Trump die existierende Ordnung abschaffen will, dann ist es seine Pflicht als Führer einer Supermacht in einer unwiderruflich von gegenseitiger Abhängigkeit geprägten Welt ein ebenso starkes anderes System an ihrer Stelle zu errichten.“ Die „Times“ ist nicht ganz so pessimistisch: „Diese Präsidentschaft kann Erfolg haben, aber nur, wenn Trump seine öffentliche Rhetorik mit Flexibilität und einem gewissen Maß an Bescheidenheit verbindet.“

Südeuropäische Medien

Trumps Ansage, Politik nach der Devise „America first“ gestalten zu wollen, stieß auch in Medien in anderen Ländern auf Besorgnis - zum Beispiel in Spanien. „Trump debütiert mit einer Warnung an die Welt: Ich werde nur an Amerika denken“, schrieb das Internetportal „El Confidencial“. Die liberale spanische Zeitung „La Vanguardia“ aus Barcelona sprach von einer der „radikalsten Antrittsreden, an die man sich erinnern kann.“ „An der Hand einer Person, die impulsiv ist und überhaupt keine politische Erfahrung hat, werden die USA und der Rest der Welt in unbekanntes Territorium geführt.“

Die konservative griechische Zeitung „Kathimerini“ erinnert: „Bislang haben die amerikanischen Präsidenten bei ihrer ersten Rede die Einigkeit beschworen und versucht das Volk zu vereinigen. Trump setzte dagegen seinen spaltenden und Rache suchenden Stil fort“.

Mitteleuropäische Medien

Die Zeitung „Pravo“ aus Tschechien notiert: „Pragmatismus ist eine gute Sache. Doch Trump hat in den zehn Wochen zwischen seiner Wahl und seiner Vereidigung niemanden davon überzeugen können, dass er bereit ist, den freieren Kampagnenstil hinter sich zu lassen und zu staatsmännischer Größe zu wachsen.“

Die regierungsnahe ungarische Tageszeitung „Magyar Idök“ kommentiert: „Dutzende Millionen Menschen, die gegen die bestehenden Verhältnisse revoltiert und ihr Vertrauen in Trump gesetzt haben, wollen jetzt Ergebnisse sehen.“

Osteuropäische Medien

Die bulgarische Zeitung „24 Tschassa“ glaubt: „Die Amerikaner werden seine ersten Schritte im Weißen Haus bis in das kleinste Detail verfolgen. Und werden es ihm nicht verzeihen, sollte er die USA in eine Richtung führen, die ihnen nicht gefällt.“

Die russische Zeitung „Moskowski Komsomolez“ gibt die Stimmung so wieder: „Es hat in Washington niemand versucht, den Kongress oder das Weiße Haus zu stürmen und jemanden vom „alten Regime“ an Laternenmasten zu hängen, wie es in Russland vor einem Jahrhundert der Fall war. Aber die Selbstwahrnehmung der amerikanischen Elite - oder zumindest des liberalen Teils - ist nicht viel anders. So hat sich vor 100 Jahren auch die russische Bourgeoisie gefühlt.“

US-Medien

Auch die Online-Medien in den USA griffen in ihren Schlagzeilen nicht zuletzt die „America zuerst“-Ankündigung auf. „Trump zeichnet ein dunkles Amerika, das nur er retten kann“, schrieb das Portal Politico nach der Antrittsrede. „Trump ist vereidigt und schwört „amerikanisches Gemetzel“ zu beenden“, lautete die Überschrift auf der Webseite der „Washington Post“ am Freitagnachmittag (Ortszeit). Und beim Sender Fox News hieß es: „Präsident Trump übernimmt Amt und schwört Wohlstand wiederherzustellen und für das Land zu kämpfen“.

Weitere Medien

Die liberale japanische Zeitung „Asahi Shimbun“ geht auf die Rolle der US-Verbündeten ein: „Damit Trumps Amerika sich nicht in Isolationspolitik einschließt, ist es jetzt gerade die Zeit für die Alliierten und befreundeten Länder, sich einzubringen.“

Der „Sydney Morning Herald“ schreibt: „Trump befehligt nun die größte wirtschaftliche und militärische Macht der Welt. Aber er hörte sich an, als habe er gerade Venezuela übernommen (...) Wie sagen die Flugbegleiter zu den Passagieren: „Bitte bleiben Sie auf ihren Plätzen. Schnallen Sie sich an. Es kommen Turbulenzen auf uns zu.“

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Bilder

Amtseinführung von Donald Trump: Die Fotos vom Kapitol

dpa

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