Scharfe Worte aus Athen

Tsipras wirft Schäuble „Spiel mit dem Feuer“ vor

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Straßenszene mit schäuble-kritischem Poster in Athen

Athen - Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras reagiert gereizt auf Kritik von Bundesfinanzminister Schäuble. Auch dem IWF wirft er Mutlosigkeit vor.

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hat scharfe Worte in Richtung Berlin geschickt. „Ich möchte die Kanzlerin bitten, die abfälligen Äußerungen von Finanzminister Schäuble gegen Griechenland sowie Verweise, die Griechen lebten über ihre Verhältnisse, zu unterbinden“, sagte Tsipras am Samstag auf einem Parteitag seiner linken Regierungspartei Syriza.

„Wer mit einer 'Eurozone der zwei Geschwindigkeiten' spielt, mit Spaltung und Teilung, der spielt mit dem Feuer“, sagte der Regierungschef weiter. Er könne sich nicht vorstellen, dass es im Sinne der deutschen Regierung sei, Brandstifter mit Streichhölzern in ein Munitionslager zu schicken. Man werde keine Forderungen seitens der Gläubiger unterschreiben, die nicht auf der Basis von Logik und Zahlen erfolgten.

EU beeinflusst von Wahlen in den Mitgliedsländern?

Tsipras nahm Bezug auf jüngste Äußerungen von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), Griechenland leiste sich einen höheren Lebenstandard als es selbst erwirtschaften könne. Nötig seien weitere Reformen. „Sonst können sie nicht in der Währungsunion bleiben.“

Kritik übte Tsipras auch am IWF. Die Institution habe nicht den Mut, zu ihrer Meinung zu stehen - also gegenüber den anderen Gläubigern Erleichterungen beim Schuldendienst für Griechenland durchzusetzen. Die EU wiederum sei beeinflusst von den anstehenden Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland, sagte Tsipras mit Blick auf die stockenden Reformverhandlungen.

Athen zweifelt an Einigung vor April

Die Überprüfung und der Abschluss der Verhandlungen an sich seien nicht schwer, sagte Tsipras. Es seinen die ständigen Unstimmigkeiten zwischen den Gläubigern, die ein Vorankommen verhinderten. 

Noch am Freitag hatte sich Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem nach einem Sondertreffen der Gläubiger mit dem griechischen Finanzminister optimistisch gezeigt - es seien „erhebliche Fortschritte“ erzielt worden. In Athen teilt man diese Meinung nicht. Eigentlich sollten die Verhandlungen am 20. Februar abgeschlossen werden, nun sei es sogar fraglich, ob es im März klappen könnte, hieß es aus Regierungskreisen.

Die Zeit drängt

Das pleitebedrohte Land und seine internationalen Gläubiger ringen in zähen Verhandlungen um das laufende Spar- und Reformprogramm. Die Zeit drängt dabei allerdings. Im Sommer stehen für Griechenland Rückzahlungen in Milliardenhöhe an. Ohne finanzielle Unterstützung droht dem Land dann wieder die Zahlungsunfähigkeit.

dpa/AFP/fn

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