Die Verhaftungswelle geht weiter

Türkei: Haftbefehle gegen mehr als 260 Gülen-Anhänger

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In der Türkei sind die Anhänger von Fethullah Gülen offenbar weiter im Visier der Justiz. Informationen von Nachrichtenagenturen zufolge sind 260 Haftbefehle erlassen worden.

Istanbul/Ankara - Die türkischen Justizbehörden treiben die Strafverfolgung von Anhängern des islamischen Predigers Fethullah Gülen voran. Die Staatsanwaltschaften von Istanbul und Ankara stellten laut amtlicher Nachrichtenagentur Anadolu am Dienstag mehr als 260 neue Haftbefehle gegen mutmaßliche Anhänger von Gülen aus, den die Regierung als Drahtzieher des Putschversuchs vom vergangenen Jahr betrachtet.

Alleine in Istanbul seien 144 Haftbefehle ausgestellt worden, die sich auf Angehörige der Streitkräfte bezogen. Die Polizei habe die Fahndung aufgenommen, rund 20 der Gesuchten seien festgenommen worden, berichtete Anadolu. Die Behörden werfen Gülen seit längerem vor, Streitkräfte und Behörden durch ein Netzwerk seiner Anhänger unterwandern zu wollen.

In Ankara wurden laut Anadolu weitere 124 Haftbefehle ausgegeben. Sie betreffen demnach Verdächtige, welche die Handy-App ByLock für verschlüsselte Kommunikation genutzt haben. Auf diesem Weg sollen die Putschisten kommuniziert haben.

Die private Nachrichtenagentur Dogan machte genauere Angaben zu den Gesuchten in Ankara: 33 von ihnen arbeiteten für die türkische Behörde für Telekommunikation (BTK), 36 weitere für die Kapitalmarktaufsicht (SPK), und 55 weitere Verdächtige hätten als Lehrer an Schulen gearbeitet, die von Gülens Organisation betrieben wurden.

Die Regierung macht für den Umsturzversuch die Bewegung von Fethullah Gülen verantwortlich, einem früheren Verbündeten Erdogans, mit dem er sich 2013 überwarf. Ankara startete nach dem Umsturzversuch eine beispiellose Welle von Entlassungen im Staatsdienst, in deren Verlauf mehr als 100.000 Menschen entlassen und mehr als 46.000 Menschen festgenommen wurden. Viele von ihnen sollen Anhänger Gülens sein. Dieser lebt seit Jahren im Exil in den USA und bestreitet jede Beteiligung.

afp

Rubriklistenbild: © dpa

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