Im „heute journal“ (ZDF)

Thüringen-Beben: Slomka hakt bei Kemmerich nach - dann fällt ein entlarvender Satz

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Der neugewählte Ministerpräsident Thomas Kemmerich im Interview mit „heute journal“-Moderatorin Marietta Slomka.

ZDF-“heute journal“: Naivität oder Machtkalkül? Ein einziger Satz von Ministerpräsident Kemmerich - ein Versprecher möglicherweise - scheint die Wahrheit zu entlarven.  

  • Der neu gewählte Thüringer Ministerpräsident Thomas Kemmerich stellte sich im ZDF-“heute journal“ den Fragen.
  • Moderatorin Marietta Slomka grillte ihn im Interview, weil er sich von der AfD wählen ließ. 
  • Dann leistete sich Kemmerich einen verhängnisvollen Satz.

Ministerpräsident Kemmerich im ZDF-“heute journal“ - er präsentiert sich konzentriert und besonnen

Update 9.47 Uhr: Nach der desaströsen Ministerpräsidentenwahl in Thüringen zieht die CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer drastische Konsequenzen - und kündigt an, weder für die Kanzlerkandidatur anzutreten, noch CDU-Vorsitzende bleiben zu wollen. 

Mainz/Erfurt - Die völlig überraschende Wahl von Thomas Kemmerich (54) zum Ministerpräsidenten in Thüringen löste ein gewaltiges Beben in Deutschland aus. Mit den Stimmen der AfD ließ sich der Liberale, der bisher die kleinste Fraktion im Landtag* anführte, ins Amt hieven. Am Abend wurde der FDP-Politiker dann im „heute journal“ von Moderatorin Marietta Slomka „gegrillt“. 


Slomka, die als eine der energischsten Interviewerinnen im deutschen Fernsehen gilt, bohrte über sechs Minuten nach. Sie wollte die tatsächlichen Beweggründe von Kemmerich erfahren - war seine Wahl Taktik oder Naivität? Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Wahl in Thüringen am Donnerstag jedenfalls scharf kritisiert und zugleich eine drastische Forderung gestellt. 

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Thomas Kemmerich* schien sich auf das fordernde Gespräch vor einem Millionenpublikum sorgsam vorbereitet zu haben. Betont ruhig und sachlich antwortete der FDP-Mann auf die kritischen Nachfragen. Immer wieder begann er seine Sätze mit „Frau Slomka“ - das klang fast ermahnend. Doch so wie er Marietta Slomkas bohrende Nachfragen nicht verhindern konnte, konnte er auch gegen die überaus kritischen Kommentare in den ARD-“Tagesthemen“ und dem ZDF-“Heute Journal“ nichts tun. Und auch in einer aktuellen Forsa-Umfrage hat sich das Wahl-Fiasko für die FDP bereits bemerkbar gemacht

Bei Marietta Slomka versuchte Kemmerich sich jedoch als vernünftige Kraft der demokratischen Mitte zu inszenieren - obwohl er bei seiner Wahl* doch auf Stimmen von AfD-Rechtsaußen Björn Höcke und seiner Fraktion angewiesen war. Dieser Umstand brachte FDP-Chef Christian Lindner am Donnerstag sogar dazu, persönliche Konsequenzen zu ziehen. Er will bei einer Sondersitzung des Parteivorstandes die Vertrauensfrage stellen.

Doch auch wenn Kemmerich so konzentriert in das ZDF-Interview ging, leistete er sich letztlich doch einen Versprecher - oder wohl eher einen entlarvenden Satz. 

Video: Wahl-Sensation in Thüringen - Ramelow twitter Hitler-Zitat

Dialog im ZDF-“heute journal“ - Slomka bohrt nach: „Moment! Habe ich Sie richtig verstanden?!“

Slomka: „Ahnten Sie denn nicht, was da auf sie zukommen würde? Nämlich, dass die AfD diese Gelegenheit nutzt. Davor gab es ja ausdrückliche Warnungen!“

Kemmerich: „Wir haben sehr detailliert in den Parteigremien besprochen, diese Kandidatur gegen Kandidaturen von Links und Rechts der demokratischen Mitte anzubieten. Und wir mussten damit rechnen, das dies passiert. Wir werden jetzt eine Politik machen Contra AfD, auch gegen linke radikalistische Forderungen, Enteignungsfantasien...“

Slomka: „Moment! Habe ich sie richtig verstanden?! Sie haben damit gerechnet, dass das passiert? Das heißt: Sie waren nicht überrascht? Deswegen hatten Sie ja auch schon eine Rede vorbereitet?!“

Kemmerich: „Nein. Die Rede habe ich nicht vorbereitet. Frau Slomka, Sie brauchen nicht versuchen, mir das jetzt in den Mund zu legen. Ich habe mich einer demokratischen Wahl gestellt. (...)“

Slomka: „Das heißt: Sie haben sich bewusst in diese Situation hineinbegeben? Nochmal damit wir das einfach klären: Das war jetzt keine Naivität, sondern Sie ahnten, die AfD würde das so machen?“

Kemmerich: „Frau Slomka... Nein, davon bin ich nicht ausgegangen.“

Slomka: „Tatsächlich nicht? Ich meine, das lag doch einfach auf der Hand...“ 

Kemmerich: „Frau Slomka, wir diskutieren seit Tagen über die Möglichkeiten wie eine Ministerpräsidenten-Wahl zustande kommen kann. Im Extremfall mit einer Ja-Stimme. Ich habe nicht... Es gibt kein Angebot, es wird keine AfD-Politik geben. Dazu stehe ich. Und daran können Sie sich messen.“ 

Entlarvender Versprecher von Kemmerich im „heute journal“? Auch Zuschauern fällt die Szene auf

Auch Zuschauern ist der scheinbar entlarvende „Versprecher“ von Kemmerich aufgefallen. „Thomas #Kemmerich sagt im #heutejournal laut und deutlich, dass er mit den Stimmen der AfD gerechnet hat. Wenige Sekunden später sagt er, Marietta Slomka solle ihm das nicht in den Mund legen“, schreibt eine Twitter-Userin. 

Viele loben Slomka dafür, dass sie nachgehakt hat: „Danke und Respekt an Marietta Slomka. Wie Kemmerich erst sagt, sie haben damit gerechnet, dass es passiert und es dann in der nächsten Antwort einfach verneint. Nicht zu fassen.“

Die Wahl des FDP-Ministerpräsidenten löste auch in der nationalen und internationalen Presse Fassungslosigkeit und Entsetzen aus. Lesen Sie hierzu auch den Merkur.de*-Kommentar zum Wahl-Hammer in Thüringen. 

Am Donnerstag wurde außerdem bekannt, dass der eigentliche AfD-Kandidat für die Thüringer Ministerpräsidentenwahl,

nun von seinem Amt als Bürgermeister seiner Heimatgemeinde zurücktritt

. Nach dem Eklat in Thüringen stellten führende Bundespolitiker schnell klar, dass sie eine Zusammenarbeit mit der AfD prinzipiell ausschließen. Eine Umfrage förderte nun zu Tage, dass die Wähler der

FDP das überraschenderweise anders sehen.

In München ließ eine bislang unbekannte Person drei Plakate der FDP verschwinden. Die Polizei ermittelt in dem Fall, wie *Merkur.de berichtet. 

Nach der großen Empörung um die Thüringen-Wahl gab Thomas Kemmerich seinen Rücktritt bekannt. Mit diesem Einkommen kann der FDP-Politiker nun noch rechnen. Wie FDP-Chef Christian Lindner und Kemmerich nun weiter im Thüringer Wahl-Eklat verfahren wollen, lesen Sie bei Merkur.de*.

Zu einem CDU-Beben ist es gekommen, als die Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer ihren Verzicht auf die Kanzlerkandidatur erklärt. Das sind jetzt die möglichen Kanzlerkandidaten der Union.

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