Kommentar: Trumps Welt - Einblicke in die amerikanische Seele

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Rudolf Bögel, Chefredakteur der tz.

München - Am 20. Januar wird Donald Trump der 45. Präsident der USA. Ab da können die Beobachter endlich von Fakten berichten und sie bewerten, so tz-Chefredakteur Rudolf Bögel in seinem Kommentar.

Jetzt wird’s Zeit, dass es Zeit wird. Nämlich, dass Donald Trump endlich Präsident der Vereinigten Staaten wird und das Regieren anfängt. Nicht, dass wir da jetzt unbedingt scharf wären darauf, denn die Vorzeichen stehen auf Unberechenbarkeit, aber zumindest können wir dann wirklich beurteilen, was der Mann will, und sind nicht auf die Weltuntergangsauguren angewiesen, die, ob Trump-PK oder Trump-Interview, sofort das Abendland in Gefahr sehen.

So wie jetzt auch nach dem Scoop der Bild-Zeitung, die den mächtigsten Mann der Welt in seinem gleichnamigen Tower besucht hat. Was hat er denn Neues gesagt? Dass er Merkels Flüchtlingspolitik vor allem vor dem Hintergrund der vielen Illegalen für gefährlich findet? Steht so auch bei der CSU! Dass die Nato reformbedürftig ist und gewisse Länder zu wenig zahlen? Wird seit Jahren diskutiert! Dass weitere Länder aus der EU ausscheren werden? Ist bei Wahlsiegen der französischen Nationalistin Marine Le Pen oder des Holländers Geert Wilders realistisch. Dass er Deals mit Russland machen werde, um Atomwaffen abzubauen? Streichen wir das Wort Deals, dann sind wir bei Abrüstungsverhandlungen.

Damit wollen wir Donald Trump und seine Aussagen keinesfalls verharmlosen, denn vieles wie ein auf Zöllen basierender Handelskrieg wäre unter Umständen ruinös für die Weltwirtschaft, genauso wie eine auf Männerfreundschaft basierende Kumpanei Trump/Putin, die das außenpolitische Weltengefüge bedrohen würde.

Allerdings geben viele Aussagen Trumps (nicht zuletzt deswegen ist er auch gewählt worden) Einblick in die Tiefen der amerikanischen Seele, die man vielleicht mit dem verklärten Blick auf die Ära Barack Obama und das aufgeklärte Ost- und Westküsten-Establishment nicht mehr so wahrgenommen hat.

von Rudolf Bögel

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