Beschluss vom Montag

UN-Sicherheitsrat schickt Beobachter nach Aleppo

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Sitzung des UN Sicherheitsrates.

New York - Der UN-Sicherheitsrat hat beschlossen, dass Beobachter in die syrische Stadt Aleppo entsendet werden. Augenzeugenberichte lassen Schlimmstes befürchten.

Der UN-Sicherheitsrat hat die Entsendung von Beobachtern in die lange umkämpfte nordsyrische Stadt Aleppo beschlossen. Dort läuft die Evakuierung der letzten Rebellengebiete, die nach einem mehrtägigen Stopp am Sonntagabend wieder aufgenommen worden war. Insgesamt hätten seit dem Beginn der Transporte am vergangenen Donnerstag 15.000 Menschen die Stadt verlassen, teilte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) mit.

Alle 15 Mitgliedsstaaten des Sicherheitsrats stimmten in New York einem Kompromissentwurf zu. Darin fordert der Rat den UN-Generalsekretär auf, eine Beobachtung der Evakuierung zu organisieren. Auch der freie Zugang für humanitäre Hilfe wird verlangt. Etwa 100 UN-Mitarbeiter seien in Aleppo und sollen nun in den Ostteil der Stadt fahren, sagte UN-Sprecher Stéphane Dujarric am Mittag (Ortszeit) in New York. „Wir planen gerade, wie viele von ihnen zu welchem Zeitpunkt wohin genau gehen.“ Sicherheitsfragen und Details zum Zugang müssten noch geklärt werden.

Russland drohte mit Veto

Die Resolution hätte eigentlich schon am Sonntag verabschiedet werden sollen. Die Entscheidung war dann aber nach einer russischen Veto-Drohung und mehr als drei Stunden Verhandlungen hinter verschlossenen Türen auf Montag verschoben worden.

Seit der Wiederaufnahme der Evakuierung am Sonntagabend wurden nach Angaben des IKRK 5000 Menschen in das Umland südwestlich von Aleppo gebracht. Im Gegenzug begann der Transport von Zivilisten aus den von Rebellen belagerten Orten Fua und Kafraja im Nordwesten Syriens. Diese werden vor allem von Schiiten bewohnt. Busse brachten rund 500 Menschen in einen von der Regierung gehaltenen Teil Aleppos, darunter Frauen, Kinder, Kranke und Verletzte, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte.

Auch Verwundete und Kranke werden evakuiert

Nach dem Stopp der Evakuierung hatten sich Syriens Führung und Rebellen auf eine neue Vereinbarung geeinigt, die auch den Transport von Verwundeten, Kranken und anderen Zivilisten aus Fua und Kafraja vorsieht. Damit wird eine Forderung des mit Syrien verbündeten schiitischen Irans erfüllt. Teheran unterstützt schiitische Milizen, die in Syrien an der Seite der Armee kämpfen.

Abertausende warteten in Ost-Aleppo noch auf ihren Transport, erklärte IKRK-Sprecherin Ingy Sedky. Wegen einer monatelangen Blockade ist die humanitäre Lage in Ost-Aleppo katastrophal.

Hilfsorganisationen berichteten, die Menschen litten extrem unter den frostigen Wintertemperaturen. „Viele haben nur noch ihre Kleider am Leib“, sagte Nada Hasem von der syrisch-amerikanischen Karam Foundation der Deutsche Presse-Agentur. „Die Menschen haben Hunger. Und sie frieren so sehr, dass sie es nicht mehr ertragen können.“

Journalist: „Nichts zu essen für die Wartenden“

Der Journalist Suheir al-Schimale berichtete in einem Beitrag für die Nachrichtenseite Middle East Eye, er habe die vergangenen 24 Stunden auf der Straße gestanden. „Es gab nichts zu essen für die Menschen, die auf der Straße warteten. Es war sehr, sehr kalt.“

Auch 47 Kinder aus einem Waisenhaus in Ost-Aleppo wurden in Sicherheit gebracht. Einige von ihnen seien verletzt und dehydriert, teilte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) in Genf mit. Die Evakuierung sei ein Hoffnungsschimmer für zahlreiche andere Kinder in Syrien, sagte der zuständige Unicef-Regionaldirektor Geert Cappelaere. Viele von ihnen seien von ihren Familien getrennt und bräuchten sofortigen Schutz.

Größter Teil der Rebellengebiete Aleppos zurückerobert

Syriens Armee und mit ihr verbündete Rebellen hatten bei einer Offensive in den vergangenen Wochen den größten Teil der Rebellengebiete Aleppos eingenommen. Unter Vermittlung Russlands und der Türkei einigten sich Regierung und Opposition auf einen Abzug der Kämpfer und Zivilisten aus Ost-Aleppo.

Die Außenminister des Irans, Russlands und der Türkei wollen sich am Dienstag in Moskau zu Gesprächen über Syrien treffen. Gleichzeitig kommen die Verteidigungsminister der drei Länder in der russischen Hauptstadt zusammen, wie das russische Verteidigungsministerium am Montag bestätigte.

dpa

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