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Präsidenten-Paar am Dienstag in München

Daniela Schadt: Die ungewöhnliche First Lady

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Besuch in Bayern: Daniela Schadt und ihr Lebensgefährte, Bundespräsident Joachim Gauck, winken vor der Kirche St. Michael in München den Zuschauern und Gebirgsschützen zu. Das Foto entstand am 3. Oktober 2012 – vor dem Ökumenischen Gottesdienst beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit.

München - Seit rund elf Monaten ist Daniela Schadt First Lady. Aber keineswegs nur die Frau an der Seite des Bundespräsidenten Joachim Gauck. Die 53-Jährige hat ihren eigenen politischen Kopf. Am Dienstag kommt das Paar nach Bayern.

Am Anfang hatte sie Bammel. First Lady? „Im Vorfeld sah ich mich in meinen Albträumen mit High Heels und langem Kleid bäuchlings die Treppe von Bellevue heruntersegeln oder beim Staatsbankett den Rotwein umschmeißen über das Kleid einer königlichen Majestät“, erzählte Daniela Schadt der „FAS“.

Seit März 2012 residiert sie im Schloss Bellevue. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten, dem Bundespräsidenten Joachim Gauck. Auf dem diplomatischen Parkett macht sie stets eine gute Figur. Auch, weil sie so wunderbar unkonventionell ist – und trotzdem nirgendwo aneckt. „Ich bin ein herzlich undisziplinierter Mensch und rede mich gern fest“, gibt sie zu. „Wenn man mich nicht loseist, müssen alle anderen warten. Die Damen und Herren vom Protokoll haben es also nicht immer ganz leicht mit mir – aber ich nehme ihren Rat gerne an.“

Daniela Schadt hat ihren eigenen politischen Kopf

Die kleine Schwäche verrät viel über das neue Leben der Daniela Schadt, 53. Sie steht zwar nicht im Zentrum des Interesses, das will sie auch gar nicht: „Um den Präsidenten herum ist ja immer dieses Gedränge aus Menschen und Kameras, ich nenne das Klops, da muss ich nun wirklich nicht unbedingt rein.“ Aber selbst in der zweiten Reihe kann man sie nicht übersehen. Da müsste man sich schon die Augen zuhalten – und die Ohren gleich mit, denn Daniela Schadt soll ein unheimlich ansteckendes Lachen haben.

Jedenfalls ist sie nicht ein lächelndes und winkendes Anhängsel eines mächtigen Mannes. Im Gegenteil. Sie, die Vollblutjournalistin, die vor dem Umzug nach Berlin das Ressort für Innenpolitik der „Nürnberger Zeitung“ leitete, hat ihren eigenen politischen Kopf. Und den wird ihr keiner nehmen.

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Ach ja, schwärmen die Ex-Kollegen aus Nürnberg, die Daniela sei „eine analytische Denkerin“. Eine Frau, die nie auf die Uhr schaue – und immer mit anpacke. Damals, zu ihrem Abschied, als klar war, dass Joachim Gauck Präsident wird, sollen viele Tränen geflossen sein. Wehmütig gestand der Chefredakteur in einem „Stern“-Interview, dass ihm sogar schon der kleine Knautsch-Elch fehle, der stets auf Daniela Schadts Rechner stand und ihr täglich beim Arbeiten zusah.

Der Elch hat sie nach Berlin begleitet. Sie selbst fliegt jetzt mit ihrem Lebensgefährten durch die Welt – „und hilft ihm, nicht abzuheben“, schrieb der „Spiegel“: Mit ihrer nüchternen Art sei Daniela Schadt „ein gesunder Kontrast“.

Logisch, dass diese Frau zu offiziellen Anlässen nicht ihre Zeit beim „Sonderprogramm“ verplempert (das übrigens einst „Damenprogramm“ hieß), sondern sich lieber in allen wesentlichen Fragen mit Joachim Gauck berät. „Ich denke, das ist in einer Beziehung normal, dass man über die Dinge redet, die einen gerade beschäftigen“, sagte sie der „FAS“. Dass es hier auch Grenzen gibt, ist klar.

Schadt verriet, dass sie "spitzenmäßige Bouletten" brät

Politische Kommentare etwa sind jetzt tabu. Dabei sei sie „eine brillante Schreiberin“, sagen die ehemaligen Kollegen. Und natürlich juckt es Daniela Schadt schon mal in den Fingern, wenn sie am Morgen die Zeitung aufschlägt. Es gibt ja so vieles, worüber man sich aufregen könnte – Dinge, die man den Ministern in Berlin um die Ohren hauen möchte. Aber wo sollte das denn hinführen? „Wenn ich jetzt weiter die große Politik kommentieren würde, dann denkt doch jeder: Da schreibt nicht Daniela Schadt, sondern Joachim Gauck“ – selbst dann, wenn es um Fußball ginge. Für diese Erkenntnis brauchte sie nicht die Damen und Herren vom Protokoll. Genauso wenig wie für die Definition von „privat“: also von etwas, was nicht auf die Seiten von Boulevard-Blättern gehört. Ja, Daniela Schadt hat ein Privatleben – das muss als offizielle Antwort reichen. Vor ein paar Jahren, immerhin, ließ sie sich von einem Reporter entlocken, dass sie für den „Jochen“ – so nennt sie ihren Lebensgefährten, mit dem sie seit zwölf Jahren zusammen ist – „spitzenmäßige Buletten“ brät. Aber das war lange vor der Zeit als First Lady. In diesem Jahr will sie nicht mehr als eine Handvoll Interviews geben.

"Wer sagt, das sei spannender, der hat einen an der Waffel"

Den meisten Journalisten war nach der Wahl von Joachim Gauck ohnehin klar: Homestorys wie bei den Wulffs wird es nicht mehr geben. Von Tattoo-Enthüllungen ganz zu schweigen. Und dass Daniela Schadt irgendwann ihr Leben und ihre Liebschaften in einem Buch seziert – unwahrscheinlich. Sie selbst hat das Buch ihrer Vorgängerin Bettina Wulff übrigens nicht gelesen. „Noch nicht“, sagt sie diplomatisch. Macht nichts, der Inhalt lässt sich eh auf einen Satz reduzieren: Als Frau an der Seite des Bundespräsidenten hat man ein hartes Leben – Deutschland, bitte hab’ Mitleid mit mir!

Von Daniela Schadt hört man andere Sätze, zum Beispiel diesen: „Wer sagt, der 30. Pflegereform-Kommentar sei spannender als das, was ich jetzt mache, der hat einen an der Waffel.“ Mit dieser Offenheit kommt sie gut an.

Das waren die deutschen Bundespräsidenten

Das waren die deutschen Bundespräsidenten

Nur im Juli, da passierte ihr tatsächlich ein kleiner Fauxpas: Beim Besuch des Fürstenpaares von Monaco in Berlin trat sie Charlène aufs Abendkleid. Das Ganze war aber schnell weggelächelt.

Und es ist ja nicht so, dass sich ihr Lebensgefährte nie einen Lapsus erlaubt: Der „Spiegel“ beschreibt süffisant eine Begebenheit aus dem niederländischen Den Haag, als Joachim Gauck dem Gastgeber davon erzählte, wie er als 13-Jähriger den „Egmont“ gelesen habe – und überhaupt so vieles andere von Schiller. „Ähm, Jochen“, sagte Daniela Schadt in diesem Moment. „Der ,Egmont‘ ist aber von Goethe.“ Es ist gut, dass sie das gesagt hat. Sonst hätte am Ende jemand böswillig gedacht, das Präsidentenpaar kenne sich nicht mit der Literatur des eigenen Landes aus.

Schadt: „Ich will das ordentlich machen“

„Ich will das ordentlich machen“, erklärt Daniela Schadt – und meint damit vor allem auch die eigenen Projekte, etwa als Schirmherrin von Unicef und dem Müttergenesungswerk. Ordentlich heißt für sie zugleich ehrlich. Und deswegen wird sie nicht müde, auf die ewige Frage zu antworten, ob sie Joachim Gauck denn vielleicht doch nicht heiraten wolle. „Da die Familie damit leben kann und da wir damit leben können, glaube ich, kann man das so lassen“, antwortet sie freundlich. Im Klartext: nein.

Joachim Gauck, der vier erwachsene Kinder hat, lebt seit den 1990ern von seiner Frau „Hansi“ getrennt – ist aber nicht geschieden. Die Kinder sagen: „Wir lieben unseren Vater, so wie er ist.“ Der CSU-Hardliner Norbert Geis fühlte sich dennoch dazu berufen, dem Bundespräsidenten kurz nach seiner Wahl zu raten, „seine Lebensverhältnisse so schnell wie möglich zu ordnen“. Daniela Schadt sagte schon damals: „So furchtbar ungeordnet finde ich unsere Verhältnisse nicht. Wir sind alle auf gutem Fuß miteinander“ – und damit lag sie goldrichtig: Immerhin fanden neun von zehn Bundesbürgern, dass die Ehe Privatsache des Paares sei. Geis sagte dann lieber nichts mehr.

Von Barbara Nazarewska

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