Sechs Millionen Kinder betroffen

Unicef: Lage der Kinder in Syrien „unaussprechliche Tragödie“

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Erschreckendes Bild: Ein verwundeter syrischer Junge erhält erste Hilfe.

Berlin - Der Bürgerkrieg in Syrien geht in seinen sechsten Winter. Und die Gewalt hält an. Viele Kinder sind in höchster Not - und wollen trotzdem lernen.

Vor dem Wintereinbruch in Syrien fordert das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) offenen Zugang für Hilfsleistungen und unbedingten Schutz der Kinder im Bürgerkrieg. „Was in Aleppo und anderen Orten Syriens geschieht, sollte kein Kind auf der Welt erleben müssen“, sagte Schirmherrin Daniela Schadt am Mittwoch in Berlin. Fast sechs Millionen Kinder in Syrien sind nach Unicef-Angaben auf humanitäre Hilfe angewiesen - das sind vier von fünf. Zur Zeit werden Winterkleidung und warme Decken an bedürftige Familien verteilt.

Eine halbe Million Kinder in belagerten Städten erreiche allerdings keine humanitäre Hilfe. Unicef dokumentierte im laufenden Jahr bisher 84 teils gezielte Angriffe auf Schulen, bei denen mindestens 69 Kinder getötet wurden. Verlässliche Informationen über die Gesamtzahl der jungen Opfer des Bürgerkriegs gebe es nicht, 2015 hätten die Vereinten Nationen den gewaltsamen Tod von rund 400 Kindern registriert. Mehr als sechs Millionen Syrer sind Flüchtlinge im eigenen Land.

„Die Welt hat versagt und sie versagt weiter, wenn es um die Kinder in Syrien geht“

Trotzdem besuchten weiterhin zwei Millionen Schüler den Unterricht - fast genauso viele aber nicht. Häufiger Grund, neben zerstörten oder umfunktionierten Schulen: Die Kinder müssten arbeiten, um die Familie zu unterstützen. „Es ist wichtig, zu betonen, dass alle Konfliktparteien für diese unaussprechliche Tragödie verantwortlich sind“, sagte Geert Cappelaere, Unicef-Regionaldirektor Mittlerer Osten und Nordafrika. „Die Welt hat versagt und sie versagt weiter, wenn es um die Kinder in Syrien geht.“ Unicef fordert eine sofortige Waffenruhe.

Mitarbeiter in den Krisengebieten berichteten von täglicher Gewalt und humanitärer Not. Viele Kinder seien psychisch schwer belastet, der Krieg gehöre zum Alltag. „Allein zur Schule zu gehen ist nun eine Frage von Leben und Tod“, sagte die Unicef-Chefin für Syrien, Hanaa Singer, in Damaskus. Im umkämpften Aleppo setzten sich auch die Unicef-Mitarbeiter und die Freiwilligen ständiger Gefahr aus. Erst am Dienstag sei ein Ehrenamtlicher erschossen worden.

Zugang zu den belagerten Gebieten sei kaum gewährleistet. „So lange die Gewalt andauert, werden Kinder leiden“, sagte Singer. Unicef hat rund 200 Mitarbeiter im Land, die etwa Zugang zu Wasser verschaffen, Kinder mit Schulmaterial ausstatten und sie psychosozial unterstützen.

dpa

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