Was stimmt, was nicht?

US-Ausstieg aus Klima-Abkommen: Trumps Rede im Faktencheck

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Falsche und irreführende Aussagen zum US-Klimaausstieg: US-Präsident Donald Trump

Washington - Bei Sonnenschein im Rosengarten vor dem Weißen Haus begründete Donald Trump am Donnerstag, warum er aus dem Klima-Abkommen aussteigt. Sind seine Aussagen glaubwürdig?

Ist das Klimaabkommen ein Jobkiller für die USA?

Trumps Aussage: Die USA werden bis 2025 etwa 2,7 Millionen Jobs verlieren und 6,5 Millionen bis 2040, wenn das Land im Paris-Abkommen bliebe.

Bewertung: Überwiegend falsch

Die Fakten: Die Zahlen stammen aus einer Studie, die in Teilen von der Anti-Klimaschutz-Lobby bezahlt wurde. Selbst die erzkonservative Heritage Foundation operiert mit deutlich geringeren Zahlen von mehreren Hunderttausend Jobs, die durch Paris in den USA verloren gehen könnten. Die meisten Ökonomen bezweifeln aber auch dies. „Das Wachstum des Arbeitsmarktes passiert nicht bei der Kohle, sondern bei den sauberen Energien“, sagte etwa die Ökonomin Rana Foroohar. In der US-Windkraft-Branche arbeiten inzwischen doppelt soviele Menschen wie in der Kohle. Die Zahl der Windkraft-Jobs verdoppelte sich in den vergangen drei Jahren, bei der Solarenergie stieg die Zahl um 82 Prozent, rechnet das Fachorgan „Inside Climate News“ vor.

Keine Energiesicherheit mit Erneuerbaren?

Trumps Aussage: Bei einem Wirtschaftswachstum von drei bis vier Prozent ist die Energiesicherheit über erneuerbare Energien nicht mehr zu gewährleisten.

Bewertung: irreführend

Die Fakten: Momentan ist das Wirtschaftswachstum der USA weit geringer. Auch der Einsatz von 100-Prozent erneuerbaren Energien ist nicht so schnell in Sicht. Die USA verfügen aber über Unmengen an Erdgas, dessen Nutzung wesentlich klimafreundlicher als die von Kohle und Öl ist und die zum Klimaziel der USA beitragen kann.

Ist die Erderwärmung ohnehin kaum zu reduzieren?

Trumps Aussage: Sogar, wenn das Klima-Abkommen von Paris voll in Kraft ist, und alle Nationen mitmachen, wird es die Erderwärmung bis 2100 schätzungsweise nur um 0,2 Grad reduzieren.

Bewertung: Falsch

Die Fakten: Er habe auch nach längerem Suchen keine seriöse Studie entdeckt, die diese Aussage belege, sagte Niklas Höhne, Gründer der Denkfabrik Newclimate Institute. Falls die Staaten keine weiteren Klimaschutzaktionen starten, wird die Temperatur auf 2,6 bis 4,9 Grad steigen, ergab der Climate Action Tracker an dem auch Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung beteiligt sind. Mit den derzeit vorgelegten Klimazielen betrage die Erderwärmung 2,3 bis 3,5 Grad, das UN-Umweltprogramm kommt auf 2,9 bis 3,4 Grad. Die Ziele sollen laut Paris Abkommen aber in den kommenden Jahren soweit verschärft werden, dass die Erderwärmung bei deutlich unter zwei Grad, möglichst sogar bei 1,5 Grad gestoppt wird.

Indien und die Kohle

Trumps Aussage: Indien darf seine Kohleproduktion verdoppeln

Bewertung: richtig

Die Fakten: Indien hält tatsächlich auch nach Ratifizierung des Pariser Abkommens im Oktober 2016 an dem Ziel fest, die Kohleproduktion des staatlichen Bergbauunternehmens Coal India bis zum Geschäftsjahr 2019/20 auf eine Milliarde Tonnen pro Jahr zu verdoppeln. Diese Absicht erklärte Energieminister Piyush Goyal im Dezember 2014 vor dem indischen Parlament. Das soll helfen, den rasant wachsenden einheimischen Energiebedarf zu decken. Im April dieses Jahres gab Goyal den Parlamentariern Auskunft über erzielte Fortschritte bei der Verfolgung des Ziels.

Neue Kohlebergwerke für die USA?

Trumps Aussage: In Pennsylvania wird bald ein neues Kohlebergwerk eröffnet, weitere sollen folgen in Ohio und West-Virginia. „Seit vielen, vielen Jahren ist so etwas nicht mehr passiert.“

Bewertung: Falsch und irreführend

Die Fakten: Im Dezember wurde eine Kohlegrube in West-Virginia eröffnet - als Präsident Barack Obama noch Präsident war. Die Pläne dafür sind gemacht worden, als noch kaum jemand an die Wahl Trumps geglaubt hatte. Bei all den genannten Bergwerken, so auch bei der Neueröffnung handelt es sich um kleinere Gruben mit Vorkommen an Spezialkohle für den Einsatz in der Stahlerzeugung - nicht zur Verstromung. Die Grube in Pennsylvania wird 70 Arbeiter beschäftigen.

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dpa

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