Wo kommt all der Hass her?

US-Präsident Donald Trump klagt die Medien an

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Auf Kriegsfuß: Donald Trump und – die meisten – Medien in den USA

US-Präsident Donald Trump schießt erneut scharf gegen die ihm nicht gewogenen Medien. Sie seien mitschuldig an Hass und Gewalt in den USA. Seine eigene Rhetorik will Trump hingegen nicht überdenken.

Washington– Nur eine Woche vor den so wichtigen Kongress-Zwischenwahlen am 6. November, bei denen sich die politischen Gewichte im Kongress entscheidend verschieben könnten, debattieren die USA nach den versuchten Briefbomben-Anschlägen gegen prominente Demokraten und den Morden eines Antisemiten in Pittsburgh über die Radikalisierung der politischen Kultur im Land. Geht es nach US-Präsident Donald Trump, spielen seine eigenen Aussagen dabei keinerlei Rolle. Trump setzt vielmehr auf das schon bewährte Muster, Teile der Medien – und damit im Prinzip die Überbringer seiner Botschaften und Analytiker seiner Politik – massiv zu attackieren.

Allerdings stellen die am Montag über Twitter vorgetragenen frischen Angriffe eine neue Qualität im Krieg des Weißen Hauses gegen eine kritische Berichterstattung dar. Denn Trump gibt den sogenannten „Fake News Medien“ eine direkte Mitschuld am Hassklima im Land – und damit auch an den jüngsten Gewalttaten. „Es gibt große Wut in unserem Land, die teilweise verursacht ist durch fehlerhafte und sogar betrügerische Berichterstattung der Medien“, schrieb der Präsident. Und: Die „Fake News Medien“ seien die „wahren Feinde des Landes“.

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Trump ist Selbstkritik fremd

So habe, wie Trump später ausführte, ein Teil der Medien seinen Namen in die Schlagzeilen über die Briefbomben-Berichterstattung mit eingefügt. In der Tat werfen Trump-Kritiker dem Präsidenten vor, mit seiner oft aggressiven Rhetorik gegenüber politisch Andersdenkenden und Medienvertretern nicht nur zur Spaltung, sondern auch der Radikalisierung der Gesellschaft beizutragen. Trump wiederum sieht bei dieser Entwicklung vor allem die Medien als Sündenböcke und hat bisher jede Selbstkritik vermieden. Berichten zufolge haben ihm externe Berater diesen Feldzug gegen den liberalen Teil der amerikanischen Medien als politisch ertragreiche Strategie empfohlen, wie CNN gestern berichtete. Einer Umfrage nach finden die Attacken zumindest bei seiner Kernwählerschaft, die er derzeit für eine hohe Wahlbeteiligung zu motivieren versucht, Anklang: Mehr als die Hälfte aller US-Republikaner würden einem Verbot von Medien zustimmen, wenn diese wahrheitswidrig berichten. Was immer das heißen mag.

Einen Sender klammert Trump bei seiner Kritik allerdings aus

Für den Präsidenten scheint damit eine Kampagne Früchte zu tragen, die schon im Wahlkampf vor drei Jahren begann. Von Beginn seiner Bewerbung an kritisierte Trump, dass die Medien ihn unfair behandeln würden – und gerierte sich damit als Opfer. Diese Strategie verfolgte er auch am Montagabend in einem Interview mit dem Sender Fox News, den er bei seiner Kritik an der „Fake News media“ stets ausklammert. Man nehme ihn für die jüngsten Gewalttaten in die Pflicht, lamentierte Trump, während beispielsweise sein Vorgänger Barack Obama keine Mitschuld nach dem Amoklauf eines Weißen in einer Kirche mit Afro-Amerikanern in der Stadt Charleston im Jahr 2015 bekommen habe. Dabei ist die Rhetorik von Trump und Obama kaum vergleichbar.

Gleichzeitig zeigt der Präsident keine Bereitschaft, seine Tonart in der politischen Debatte zu entschärfen. So bezeichnete er jetzt den farbigen Kandidaten der Demokraten für den Gouverneursposten in Florida als „Dieb“, der als Bürgermeister von Tallahassee „eine der korruptesten Städte im Land“ regiere. Die Flüchtlingskarawane, die sich derzeit auf die Südgrenze der USA zu Mexiko zubewegt, nennt Trump eine „Invasion“ – und bedient sich damit auch der Wortwahl, die der Amokläufer von Pittsburgh in einem Online-Manifest auf einer mittlerweile gesperrten rechten Internet-Plattform zur Rechtfertigung seiner Synagogenmorde am letzten Samstag benutzt hat.

Wohl auch deshalb bezeichnete Pittsburghs Bürgermeister Bill Peduto die Teilnahme Trumps an der Trauerfeier als „nicht prioritär“. Im Klartext: Der Präsident ist nicht erwünscht.

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