Sein erster Gast wird Sigmar Gabriel sein

US-Senat bestätigt umstrittenen neuen Außenminister

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Der US-Senat hat grünes Licht für Rex Tillerson als neuen US-Außenminister gegeben. 

Washington - Rund zwei Wochen lang war das Amt des US-Außenministers vakant. Nun wurde der Wunsch-Kandidat von Präsident Donald Trump vom US-Senat abgenickt. 

Der US-Senat gab dem 64 Jahre alten Texaner am Mittwoch grünes Licht. Er führte in der Abstimmung am Nachmittag mit der absoluten Mehrheit in der 100 Senatoren umfassenden Kammer. Tillerson war von Präsident Donald Trump vorgeschlagen worden. Politisch ist Tillerson umstritten. Er war über 40 Jahre lang Manager des Ölkonzerns ExxonMobil, zuletzt als Vorstandschef. Kritiker sehen darin eine mögliche Befangenheit. Seine Ölgeschäfte haben Tillerson auch große Nähe zu Russlands Präsident Wladimir Putin gebracht. Rex Tillerson hat sich zuletzt eifrig um Distanz zu Putin bemüht. Russland stelle eine "Gefahr" dar, die USA und Russland würden "wahrscheinlich nie Freunde" werden, bekundete der neue US-Außenminister während seiner Anhörung durch den US-Senat. 

Als ersten ausländischen Gast wird Tillerson den Bundesaußenminister Sigmar Gabriel begrüßen

Die Beteuerungen haben zumindest teilweise gewirkt. Tillersons Nominierung ging im Senat im Vergleich mit jenen anderer Kabinettskandidaten von US-Präsident Donald Trump relativ glatt über die Bühne. Am Mittwoch erhielt der 64-Jährige, der über keinerlei Vorerfahrung in politischen Ämtern verfügt, die Genehmigung der Kongresskammer für den Ministerjob - auch vier Senatoren der oppositionellen Demokraten stimmten für ihn. Bereits an diesem Donnerstag wollte Tillerson als ersten ausländischen Gast einen anderen Diplomatie-Debütanten empfangen - Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD).

Sein Amt tritt Tillerson inmitten eines Protestgewitters an. Trumps Einreiseverbote haben Wut und Entsetzen ausgelöst - weltweit und auch innerhalb des Apparats, den er nun leitet. Rund tausend US-Diplomaten unterzeichneten eine Protestnote, in der das Dekret als Angriff auf "amerikanische Werte" gebrandmarkt wird. Ein Mitarbeiter des State Department sagte zu AFP, ein interner "Aufstand" bahne sich an.

Der neue Chefdiplomat muss zudem gegen fortbestehende Vorbehalte gegen seine Person ankämpfen. Dies zeigt auch das Senatsvotum, das mit 56 gegen immerhin 43 Stimmen für einen angehenden Außenminister ungewöhnlich schwach ausfiel. Gleichwohl könnte Tillerson für so manchen Trump-Kritiker im Inland und Ausland seit seinen Senatsanhörungen zu einer Art Hoffnungsträger geworden sein.

Denn hatte er als ExxonMobil-Chef noch die US-Strafmaßnahme gegen Russland kritisiert, weil dadurch milliardenschwere Projekte seines Konzerns blockiert wurden, so hielt sich Tillerson nun in der Frage der Sanktionen bedeckt. Und er kritisierte in aller Deutlichkeit die russische Annexion der Krim-Halbinsel sowie die massiven russischen Kriegshilfen für den syrischen Machthaber Baschar al-Assad - die Nato-Partner seien zu Recht "alarmiert".

Mit solchen Äußerungen ging Tillerson nicht nur auf Distanz zu Putin, sondern auch zu Trump - dem bislang keine Kritik an den russischen Militärinterventionen über die Lippen gekommen ist und der stattdessen wiederholt die Führungsstärke des russischen Staatschefs gerühmt hat.

Auch die Sorgen, dass er die Interessen des fossilen Energiesektors auf Kosten der Umwelt durchzupeitschen versuchen könnte, suchte Tillerson einzudämmen. In den Anhörungen plädierte er dafür, dass die USA sich weiter an den internationalen Klima-Verhandlungen beteiligen - diese Bedrohung verlange eine "weltweite Antwort".

Ganz auf der Linie des neuen US-Präsidenten lag Tillerson hingegen mit seinen kernigen Aussagen zu China. Er forderte ein "klares Signal" an Peking, dass es den Bau und die Besetzung künstlicher Inseln im Südchinesischen Meer zu stoppen habe - diese Äußerungen verstärkten die Spekulationen über eine möglicherweise bevorstehende Großkrise zwischen den zwei größten Volkswirtschaften der Welt.

Zu Trumps Einreiseverboten für sämtliche Flüchtlinge sowie die Bürger von sieben überwiegend muslimischen Staaten hat sich Tillerson bislang hingegen nicht öffentlich geäußert. In seinem neuen Job könnte er nun rasch unter massiven internen Druck geraten, sich zu dem Dekret zu positionieren - ebenso wie zur Drohung von Trumps Sprecher Sean Spicer, die unbequemen Diplomaten sollten entweder mitmachen oder "gehen".

dpa/AFP

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