„Kandidat des Weiter so“

Wagenknecht: Schulz ist nur braver Gabriel-Ziehsohn

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Die Spitzenkandidatin der Linken, Sahra Wagenknech.

Berlin - Vor 100 Tagen begann die Schulz-Ära in der SPD. Auf Bundesebene sinken die Umfragen. Kein guter Vorlauf für die anstehenden Landtagswahlen. Wie will Schulz Kanzler werden? Von der Linkspartei kommt harsche Kritik.

Linke-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht hat sich enttäuscht über die 100-Tage-Bilanz von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz gezeigt. „Es gibt vermutlich wenige Politiker, die die Chance hatten und auch genutzt haben, in so so kurzer Zeit so viele Hoffnungen zu enttäuschen“, sagte Wagenknecht der Deutschen Presse-Agentur. Schulz habe als Agenda- und Groko-Kritiker einen großen Start hingelegt - mittlerweile sei er aber „als Kandidat des Weiter so und braver Ziehsohn seines Vorgängers Sigmar Gabriel“ hart gelandet. Mitte Januar hatte der damalige SPD-Chef Gabriel seinen Verzicht auf Parteivorsitz und Kandidatur zugunsten von Schulz bekanntgegeben. 

Seit der Saarland-Wahl Ende März ist das Verhältnis zwischen SPD und Linken merklich abgekühlt. An der Saar hatte die SPD auf eine rot-rote Regierung geschielt - die CDU gewann die Wahl jedoch deutlich. SPD-Vize Olaf Scholz hält ein Bündnis mit der Linkspartei auf Bundesebene für unrealistisch. Eine rot-rot-grüne Koalition nach der Bundestagswahl hat Schulz bislang aber nicht ausgeschlossen. „Ich will Kanzler werden“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstag). „Wer mit mir nach der Wahl koalieren will, muss sich mein Programm angucken und das unterschreiben.“ 

Gysi: „Martin Schulz muss mit dem politischen Eiertanz aufhören“

Der frühere Linken-Star Gregor Gysi gibt sich damit nicht zufrieden. „Martin Schulz muss mit dem politischen Eiertanz aufhören und unmissverständlich für eine linke Mehrheit im Bund kämpfen“, sagte Gysi dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Mit Schulz sei es in den Umfragen bergab abgegangen, seit er angefangen habe, mit der FDP zu liebäugeln: „Rot-Rot-Grün mag unwahrscheinlicher geworden sein, bleibt aber möglich und ist für mehr soziale Gerechtigkeit und gegen die AfD wichtig“, sagte Gysi.                              

Die SPD, die sich nach der Nominierung von Schulz im Januar lange Zeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Union lieferte, fiel in zwei Umfragen zuletzt wieder unter die 30-Prozent-Marke. Die Union liegt sechs bis acht Prozentpunkte vorne. Schulz reagierte darauf demonstrativ gelassen. Den Aufschwung der SPD in den vergangenen drei Monaten nannte er „einmalig in der deutschen Parteiengeschichte“. Wenn die SPD kurzzeitig unter 30 Prozent liege, „macht das auch keinen nervös“. Er werde immer nach dem „Schulz-Hype“ gefragt, so Schulz. „Aber ich habe den nicht erfunden, das ist ein Phänomen der Medien“, sagte er den Funke-Zeitungen.

Scheuer: Schulz wird sich von Umfragen-Rückschlag nicht mehr erholen

Der Union wirft Schulz einen strategisch begründeten Rechtsruck vor. „CDU/CSU steigen in den Umfragen, weil die AfD sich selbst zerlegt.“ Die Thesen von Innenminister Thomas de Maizière (CDU) zur deutschen Leitkultur beispielsweise zielten „ganz klar auf Wähler am rechten Rand“.

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer glaubt, dass Schulz sich von dem Rückschlag in den Umfragen nicht erholen wird. „Der Schulz-Zug ist schon längst aus den Schienen gesprungen“, sagte Scheuer der dpa. Der SPD-Kanzlerkandidat sei das Gesicht von Rot-Rot-Grün in Deutschland: „Und das wollen die Leute nicht.“

Der stellvertretende FDP-Chef Wolfgang Kubicki warf Schulz Inhaltsleere vor. „Eine Bewertung von 100 Tagen Martin Schulz ist unmöglich, weil er in dieser Zeit noch nichts politisch Substanzielles gesagt oder getan hat.“ Festzuhalten sei, dass Schulz „die SPD von einem Umfrageberg wieder ins Tal der Tränen zurückgeführt hat“.

Der grüne Hoffnungsträger in Schleswig-Holstein, Umweltminister Robert Habeck, sagte der dpa zur Schulz-Zwischenbilanz: „Cool gestartet, und Respekt vor der starken Leidenschaft für Europa. Aber jetzt mal Butter bei die Fische.“

dpa

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