Viele Politiker melden sich

Reaktionen auf die Wahl in Frankreich: „Macht Deutschland Mut“

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Außenminister Gabriel sieht Macron als Favorit in der Stichwahl. 

Paris/Berlin - Zahlreiche Politiker im In- und Ausland haben sich zum Ausgang der Präsidentschaftswahl in Frankreich geäußert. 

Die Rechtspopulistin Marine Le Pen und der Mitte-Links-Politiker Emmanuel Macron werden aller Voraussicht nach die Stichwahl um das Amt des französischen Präsidenten erreichen. Nachdem die ersten Hochrechnungen veröffentlicht wurden, haben sich erste Politiker im In- und Ausland zu Wort gemeldet. Wir fassen die Reaktionen auf die Wahl in Frankreich zusammen. 

Die französischen Sozialisten haben eine herbe Wahlniederlage eingefahren und wollen nun mit dem Mitte-Links-Kandidaten Emmanuel Macron einen Wahlsieg der Rechtspopulistin Marine Le Pen verhindern. „Ich bin dabei gescheitert, das Desaster, das sich angekündigt hatte, zu verhindern. Ich übernehme dafür die volle Verantwortung“, sagte Präsidentschaftskandidat Benoît Hamon am Sonntagabend vor seinen Anhängern. Auch andere hochrangige Politiker der Partei des scheidenden Präsidenten François Hollande stellten sich hinter den pro-europäischen Macron, der unabhängig von den traditionellen Parteien antritt.

Bilder: Die Wahlpartys von Macron und Le Pen

Hamon sprach von einer „Auslöschung der Linken durch die extreme Rechte“ und rief dazu auf, „die Front National so deutlich wie möglich zu schlagen“. Dazu müsse in der Stichwahl am 7. Mai für Macron gestimmt werden - „auch, wenn er nicht der Linken angehört“.

Cazeneuve und Hollande gratulieren Macron

Premier Bernard Cazeneuve schloss sich dem Aufruf an: Es gehe darum, die Front National (FN) zu schlagen und ihr „unheilvolles Programm eines Rückschritts Frankreichs und der Spaltung der Franzosen“ zu verhindern. Sein ebenfalls sozialistischer Amtsvorgänger Manuel Valls schrieb auf Twitter, jeder müsse die „Schwere des Moments“ erkennen.

Der scheidende Staatspräsident François Hollande gratulierte Macron zum Erfolg bei der ersten Wahlrunde. Hollande habe Macron nach Bekanntgabe der ersten Ergebnisse angerufen, meldete die französische Nachrichtenagentur AFP am Sonntagabend unter Berufung auf den Élyséepalast.

Außenminister Jean-Marc Ayrault bezeichnete das erwartete Duell von Macron und Le Pen als „eine klare Wahl“: „Alle Linken und alle Republikaner müssen sich mobilisieren, um Macron zu wählen, für Frankreich, die Republik und Europa.“ Ähnlich äußerte sich auch die sozialistische Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo.

Marine Le Pen sprach in einer Rede an ihre Anhänger von einem "historischen Ergebnis". Die 48-Jährige sagte am Sonntagabend bei einem Auftritt im nordfranzösischen Hénin-Beaumont, die erste Etappe Richtung Macht sei geschafft. "Es ist Zeit, das französische Volkvon den arroganten Eliten zu befreien, die ihm sein Verhalten vorschreiben wollen", sagte Le Pen. Sie rief alle "Patrioten" auf, in der zweiten Wahlrunde am 7. Mai für sie zu stimmen.

Macron kündigte bei seiner Rede am Sonntagabend an, er stehe für einen „Weg der Hoffnung für unser Land und für Europa". Er sprach davon, ein Bündnis gegen Le Pen zu schmieden und meinte, er wolle der "Präsident der Patrioten" sein, die sich geschlossen der "Bedrohung durch die Nationalisten entgegenstellen".

So reagieren deutsche Politiker auf die Wahl in Frankreich

Regierungssprecher Steffen Seibert begrüßte den Erfolg von Macron. „Gut, dass Emmanuel Macron mit seinem Kurs für eine starke EU und soziale Marktwirtschaft Erfolg hatte“, schrieb Seibert bei Twitter. „Alles Gute für die nächsten 2 Wochen.“

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) glaubt an einen Erfolg Macrons in der Stichwahl: „Ich bin sicher, er wird der neue französische Präsident“, sagte Gabriel am Sonntag in der jordanischen Hauptstadt Amman. „Er war der einzige proeuropäische Kandidat, der sich nicht versteckt hat hinter Vorurteilen gegenüber Europa.“

„Ich glaube, dass wir klar machen müssen, dass diese Wahl eine Riesenchance für ganz Europa ist“, sagte Gabriel. Mit Macron würde jemand Präsident, der für einen neuen Aufbruch in Europa stehe. Er wäre auch gut für das deutsch-französische Verhältnis. „Deutschland, glaube ich, tut gut daran, diesen Kurs zu unterstützen.“

Gabriel hatte ganz bewusst Macron und nicht den Kandidaten der Sozialistischen Partei, Benoit Hamon, unterstützt. Er begründete das mit dem klaren pro-europäischen Kurs Macrons.

Die Vorsitzenden der Linkspartei äußerten sich besorgt über den prognostizierten Wahlausgang. Dass die Rechtspopulistin Marine Le Pen voraussichtlich in die Stichwahl einziehe, sei ein schwerer Schlag für Freiheit und Demokratie, Gerechtigkeit und Frieden, teilten die Parteichefs Bernd Riexinger und Katja Kipping mit. Auch die guten Chancen des sozialliberalen Kandidaten Emmanuel Macron auf das Präsidentenamt seien kein Grund zum Jubeln. „Die Politik Macrons wird die Spaltungslinien in der Gesellschaft weiter vertiefen.“

Schulz: Erfolg für geeintes Europa

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner zeigte sich dagegen nach den ersten Hochrechnungen optimistisch. „Ein Signal für Europa, ein Signal der Erneuerung“, twitterte der Politiker am Sonntagabend nach ersten Hochrechnungen. „Emmanuel Macron macht auch Deutschland Mut.“

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz wertete das Ergebnis als Erfolg für ein geeintes Europa. Nach Geert Wilders in den Niederlanden habe nun auch Marine Le Pen, eine „Anti-Europäerin und offene Rassistin“, eine Niederlage erlitten, sagte Schulz am Sonntagabend in Berlin. Das sei eine gute Nachricht für Frankreich, Deutschland und Europa.

Die AfD gratulierte Le Pen zu dem Ergebnis. „Glückwunsch an Marine Le Pen, das ist eine ganz große Leistung“, sagte AfD-Vorstandsmitglied André Poggenburg der Deutschen Presse-Agentur. Das gute Abschneiden der Front-National-Chefin sei ein weiterer Hinweis darauf, „dass die patriotische Bewegung in Europa wirklich wächst“. Ein Sieg Le Pens in der Stichwahl am 7. Mai sei aus seiner Sicht „möglich, aber nicht unbedingt wahrscheinlich“.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker wünschte Macron in einem Telefonat Glück für die Stichwahl am 7. Mai, wie sein Sprecher mitteilte. Juncker hatte in den vergangenen Monaten wiederholt vor einer Wahl Le Pens gewarnt, die ihr Land aus dem Euro führen und über die EU-Mitgliedschaft abstimmen lassen will.

Wir begleiten die Wahl in Frankreich im Live-Ticker.

sr/dpa

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