Wird die „Küstenkoalition“ fortgesetzt?

Heute Wahl in Schleswig-Holstein: Es könnte richtig knapp werden

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Torsten Albig (SPD, l.) oder Daniel Günther (CDU)?

In Schleswig-Holstein wird es heute spannend: Bleibt die SPD stärkste Kraft? Gelingt der CDU der Machtwechsel? Die Landtagswahl gilt als Gradmesser für die anstehende Bundestagswahl. Das sagen die aktuellsten Umfragen.

Update vom 12. August 2017: Die Niedersachsen wählen im Herbst dieses Jahres wieder einen neuen Landtag. Wir haben Umfragen und Prognosen zur Landtagswahl 2017 in Niedersachsen zusammengefasst.

Eine ganze Reihe an Koalitionsmöglichkeiten, ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Volksparteien und großes Interesse der Parteispitzen aus Berlin: Die Landtagswahlen in Schleswig-Holstein heute, 7. Mai, werden mit Sicherheit zu einem spannenden Politereignis. 

Grund hierfür ist allein schon, dass die Landtagswahl als zarter Gradmesser für die Bundestagswahl im September gesehen wird. Nicht ohne Grund hatte sich Angela Merkel für weitere vier Besuche in Schleswig-Holstein angekündigt, genauso unterstützen Peter Altmaier, Volker Kauder und Ursula von der Leyen ihre Parteikollegen bei Wahlveranstaltungen. Die SPD schickt zwar nicht ganz so viele Bundesredner in den Landtagswahlkampf wie die CDU, angekündigt hatten sich allerdings auch Andrea Nahles, Manuela Schwesig und Parteichef Martin Schulz.

Die aktuellen Umfragen in Schleswig-Holstein zeichnen die Voraussage auf ein knappes Rennen, bei dem die Zusammensetzung des nächsten Landtages spannend bleibt. Die letzte Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen ist vom 4. Mai:

CDU

SPD

Grüne

FDP

Linke

SSW

AfD

Sonstige

Forschungsgruppe Wahlen

32 Prozent

29 Prozent

12 Prozent

11 Prozent

4,5 Prozent

3 Prozent

6 Prozent

2,5 Prozent

Bislang ist nicht absehbar, ob sich die amtierende „Küstenkoalition“ aus SPD, Grünen und Südschleswigschem Wählerverband auf der Regierungsposition halten kann. In aktuellen Prognosen holt die CDU unter Spitzenkandidat Daniel Günther die Sozialdemokraten in den Umfragewerten stark auf und so liegen die beiden Volksparteien nun beinahe gleichauf. Auch der Fraktionschef der SPD im Bundestag, Thomas Oppermann, rechnet mit einem knappen Ausgang. „Wir haben in Schleswig-Holstein ein Kopf-an-Kopf-Rennen“, sagte er Oppermann am Dienstag in Kiel. Das mache die Sache bis zum Wahltag spannend und werde die Wähler mobilisieren.

Die Spitzenkandidaten beim Fernsehduell: Torsten Albig (SPD, l.) und Daniel Günther (CDU).

Pluspunkt der SPD bleibt allerdings, dass ihr Spitzenkandidat und amtierender Ministerpräsident Torsten Albig sich in Wählerumfragen großer Beliebtheit erfreuen kann. So wünschen sich 55 Prozent der Wahlberechtigten weiterhin Albig an der Regierungsspitze, während für Günther im Vergleich nur 26 Prozent stimmen würden. Dies ergab eine Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des NDR vom 20. April.

Die SPD regiert mit den Grünen und dem Südschleswigsche Wählerverband (SSW).

Unter diesem Link haben wir für Sie zusammengefasst, wie Sie die Wahl in Schleswig-Holstein live im TV und im Live-Stream verfolgen können. Außerdem können Sie auf unseren Live-Ticker klicken - hier verpassen Sie nichts zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein.

Schleswig-Holstein: Wie werden die Sitze im Landtag verteilt? 

Die Bürger in Schleswig-Holstein stimmen in der diesjährigen Landtagswahl in 35 Wahlkreisen ab. 

Die Kandidaten, die in ihrem Wahlkreis jeweils eine relative Mehrheit erhalten, bekommen ein Direktmandat für den Landtag. Hierfür gibt es die Erststimme, mit der die Wähler konkrete Kandidaten wählen dürfen. Die restlichen Plätze im Landtag werden durch die Zweitstimme besetzt. Die Aufteilung richtet sich danach, wie viel Prozent der Gesamtwählerstimmen eine Partei erhalten hat. Wie auch auf Bundesebene gilt hier die 5-Prozent-Sperrklausel: Eine Partei muss also mindestens fünf Prozent der Wählerstimmen erhalten haben, um in den Landtag einziehen zu dürfen. 

In Schleswig-Holstein gibt es jedoch eine Partei, die von dieser Sperrklausel ausgenommen ist: Der SSW, der Südschleswigsche Wählerverband, kann laut Landeswahlgesetz trotz niedrigerem Wahlergebnis drei Abgeordnete entsenden, die sich an der Regierung beteiligen. Dies hat vor allem historische Hintergründe und ist eine – in der Rechtsprechung durchaus umstrittene – Regelung, die dem Schutz von Minderheiten auf Landesebene dienen soll.

Umfragen aus Schleswig-Holstein

Rund eine Woche vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein hatte die oppositionelle CDU die SPD nach einer Umfrage überholt. Laut ZDF-„Politbarometer“ vom Donnerstag (27. April) kam die Union auf 32 Prozent, die SPD auf 30 Prozent. Die ebenfalls regierenden Grünen dürften mit 12 Prozent rechnen. Die FDP kam auf neun Prozent, der von der Fünf-Prozent-Hürde befreite SSW auf drei Prozent. Die Linke müsste mit fünf Prozent um den Einzug in den Kieler Landtag bangen, die AfD lag bei sechs Prozent. In vorherigen Umfragen lagen die Sozialdemokraten bisher immer knapp vor den Christdemokraten.

Im Verlauf der letzten Umfragen zeigte sich eine steigende Tendenz bei SPD und CDU, dafür ein leichter Rückgang bei den Grünen und der AfD. 

Umfrage

SPD

CDU

Grüne

FDP

Linke

AfD

SSW

Infratest dimap (20.04.2017)

33 %

31 %

12 %

9 %

4 %

5 %

3 %

Infratest dimap (06.04.2017)

33 %

30 %

12 %

9 %

4 %

7 %

3 %

Infratest dimap (16.03.2017)

33 %

27 %

14 %

9 %

4 %

7 %

3 %

Infratest dimap (09.12.2016)

26 %

34 %

15 %

9 %

5 %

6 %

3 %

Landtagswahl in Schleswig-Holstein: Welche Kandidaten stehen heute zur Wahl?

  • der aktuelle Ministerpräsident Torsten Albig (SPD)
  • Daniel Günther (CDU)
  • Monika Heinold (Grüne)
  • Wolfgang Kubicki (FDP)
  • Lars Harms (SSW)
  • Marianne Kolter und Ulrich Schippels (Linke)
  • Jörg Nobis (AfD)

Zum Weiterlesen: Mehr über die einzelnen Kandidaten und Hintergründe zur Wahl erfahren Sie in unserem ausführlichen Artikel zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein.

Aktuelle Prognosen: Welche Koalitionen sind möglich?

Letzten Umfragen entsprechend gäbe es nach den Wahlen in Schleswig-Holstein eine Reihe von Koalitionsmöglichkeiten. Die aktuelle „Küstenkoalition“ aus SPD, Grünen und SSW würde nach öffentlichen Angaben die Regierungsarbeit unter Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) gerne gemeinsam weiterführen. Während die SPD in aktuellen Umfragen einige Prozentpunkte über dem Ergebnis der letzten Landtagswahl von 2012 steht, haben Grüne und SSW leicht an Wählerstimmen verloren. Ob es eine Mehrheit für die drei amtierenden Regierungsparteien geben wird, hängt auch davon ab, ob Linke oder AfD in den Landtag einziehen. 

Weitere Möglichkeiten für eine Koalition wären eine gemeinsame Regierung von CDU und FDP unter Spitzenkandidat Daniel Günther. Beide Parteien stehen laut eigenen Angaben einem Koalitionsverhältnis offen gegenüber. Eine „Jamaika-Koalition“ unter Daniel Günther wäre eine weitere Alternative, die für diese Landtagswahlen in Schleswig-Holstein in Betracht gezogen werden kann. FDP und CDU würden das – realpolitisch sehr seltene – Bündnis mit den Grünen einer Koalition mit der SPD vorziehen. Aktuellen Umfragen entsprechend wäre dieses Bündnis auch durchaus im Rahmen der Möglichkeiten. Eine große Koalition wäre den letzten Umfragen zufolge auch möglich, jedoch scheinen beide Seiten eine gemeinsame Regierung abzulehnen.

Landtagswahl in Schleswig-Holstein: Wahl-O-Mat soll heute bei Entscheidung helfen

Unschlüssige Wähler haben auch für die Landtagswahl in Schleswig-Holstein die Möglichkeit, sich von dem Wahl-O-Mat online beraten zu lassen. Dieser beinhaltet Fragen, die aus den verschiedenen Parteiprogrammen gebildet wurden und dem Wähler damit zeigen sollen, mit welcher Partei er thematisch die meisten Übereinstimmung hat.

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