Nach mutmaßlichem Giftgasanriff

Was kommt nun? Medienecho zu Trumps neuem Syrien-Ton

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Anstrengende Lernkurve oder Beginn der Barbarei? Die Pressestimmen zu Trumps Syrien-Ton sind unterschiedlich. 

Berlin - Für Trump sind mit dem mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien viele Roten Linien überschritten worden. Für die internationale Presse bleiben viele offene Fragen.

Die Erklärungen des US-Präsidenten Donald Trump zu den Giftgas-Toten in der syrischen Stadt Chan Scheichun wecken in der Weltpresse Erinnerungen an die erfolglose Syrienpolitik seines Vorgängers Barack Obama. Viele Leitartikler fragen sich, was kann Trump tun?

Für die italienische Tageszeitung „Corriere della Sera“ ist die „unbefangene“ Kursänderung Trumps in Sachen Syrien Ausdruck einer anstrengenden Lernkurve. Und zwar die eines Präsidenten, „der nichts von Außenpolitik versteht und der den Amerikanern im Wahlkampf bestechende, aber unanwendbare populistische Rezepte verkauft“ habe. Die Zeitung wirft die Frage auf: „Kehrt die Außen- und Verteidigungspolitik wieder in die Hände der Profis zurück?“

Spanische Zeitung sieht erste Unstimmigkeiten zwischen Trump und Putin 

Die liberale spanische Zeitung „La Vanguardia“ sieht in den indirekten Drohungen Trumps gegen Syrien die erste Unstimmigkeit zwischen ihm und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Denn ein Giftgasangriff auf schutzlose Zivilisten sei nur mit Rückendeckung aus Moskau möglich gewesen, meint das Blatt. „Man muss nun abwarten, welche Antwort kommt, um die Außenpolitik der Ära Donald Trumps wirklich einschätzen zu können.“

Syrien befindet sich seit Jahren im Kriegszustand - ohne Aussicht auf Besserung. 

Die französische Tageszeitung „Le Monde“ geht einen Schritt weiter und sieht die USA und Russland als Komplizen der Barbarei in Syrien. Die Friedensverhandlungen seien an einem toten Punkt, die Amerikaner immer passiver und die Russen stünden vor einer Blockade. Ohne ein entscheidendes russisch-amerikanisches Handeln werde es weitere grausame Episoden in Syrien geben.

Ermutigung für syrischen Präsidenten Assad? 

Die „Neuen Zürcher Zeitung“ (Online-Ausgabe) sieht im Verhalten der USA sogar eine Ermutigung für den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Kürzlich habe Washington erklärt, dass dessen Sturz keine Priorität mehr habe. Außerdem konzentriere sich die US-Regierung auf den Kampf gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) und habe deshalb wenig Interesse, die von islamistischen Kräften dominierten Rebellen in der Provinz Idlib zu unterstützen, analysiert das Blatt. Bei der Aufklärung des mutmaßlichen Giftgasangriff am Dienstag durch die Vereinten Nationen (UN) bedürfe es massiven Drucks des Westens und vor allem der USA. Ob Trump dazu bereit sei, sei fraglich, schreibt die Zeitung.

Die USA hätten bisher an der Seitenlinie gesessen und Syrien Assad überlassen, analysiert die liberale dänische Tageszeitung „Politiken“. Und zwar „ungeachtet dessen, dass seine Legitimität vollkommen verschwunden ist.“ Das sei eine Tragödie für das syrische Volk und eine schmerzliche Niederlage für die Werte, für die der Westen stehen sollte. „Egal, was die USA tun oder nicht tun, kann Europa Syrien immer noch helfen“, meint die Zeitung. So könne Europa Beweise für Kriegsverbrechen sammeln. „Das einzige, was wir nicht tun dürfen, ist wegsehen und aufgeben.“

dpa

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