Konzerne reagieren

Wikileaks enthüllt: Geheimdienste lauschten auch über Fernseher

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Wikileaks enthüllt Spionagetechnik der CIA. 

Berlin - Wie Dokumente von Wikileaks nahelegen, nutzt der Geheimdienst CIA systematisch Sicherheitslücken auf Smartphones und Computern aus.

Der US-Auslandsgeheimdienst CIA hat eine eigene Programmiertruppe aufgebaut, um systematisch Sicherheitslücken und Schwachstellen in Smartphones, Computern aber auch Fernsehgeräten oder Telefonanlagen auszunutzen. Das geht aus mehr als 8000 Dokumenten hervor, die von der Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlicht wurden. Während die US-Regierung die Authentizität der Dokumente nicht bestätigen wollte, bewerteten Experten die Daten als gewichtig und glaubwürdig.  Der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden, der 2013 die massiven Spähprogramme des US-Geheimdienstes NSA enthüllt hatte, erklärte im Kurzbotschaftendienst Twitter, die veröffentlichten Dokumente wirkten "authentisch".

Sicherheitsexperte: „Agenten können Kontrolle über Auto übernehmen“

Die Dokumente beschreiben, wie Agenten in Smartphones, Laptops oder Bordcomputer von Autos einbrechen oder Fernseher in Abhörwanzen umwandeln können. „Sie können Musik abspielen oder komplett die Kontrolle über das Auto übernehmen und einen Unfall verursachen, wenn sie jemand umbringen“, sagte der Sicherheitsexperte Ross Schulmer bei CNN.

Wikileaks erklärte, der am Dienstag veröffentlichte Datensatz „Vault 7“ mit 7818 Webseiten und 943 Anhängen sei nur die erste Tranche einer größeren Sammlung. Im Gegensatz zu früheren Veröffentlichungen von geheimen Dokumenten reichte die Enthüllungsplattform Dokumente nicht unverändert weiter, sondern machte bestimmte Passagen wie E-Mail-Adressen oder Programmiercode unsichtbar.

Wissen über Sicherheitslücken wurde auch kommerziell angeboten

Edward Snowden, der das breit angelegte Cyber-Überwachungsprogramm des US-Abhördienstes NSA enthüllt hatte, schätzte die Veröffentlichungen von Wikileaks als glaubwürdig ein. Er verwies in einem Tweet auf Detail-Informationen, die nur Geheimdienst-Insidern bekannt gewesen seien. Die Dokumente zeigten, dass die US-Regierung im Geheimen dafür gezahlt habe, Software aus den USA unsicher zu machen.

In einigen Dokumenten wird beschrieben, wie die CIA Informationen über Sicherheitslücken mit der US-Bundespolizei FBI oder befreundeten Geheimdiensten wie dem britischen GCHQ austauschen. Dabei wird auch immer wieder auf Firmen verwiesen, die ihr Wissen über sofort ausnutzbaren Sicherheitslücken („Zero day exploits“) kommerziell anbieten.

CIA und britischer Geheimdienst nutzen Samsung-Fernseher für Spionage    

Beim Projekt „Weeping Angel“ entwickelten die CIA-Programmierer in Zusammenarbeit mit Experten des britischen Geheimdienstes MI5 einen „Fake-Off-Modus“, bei dem bestimmte Fernseher-Modelle von Samsung scheinbar ausgeschaltet sind, in Wirklichkeit aber in den Raum lauschen - je nach Modell mit eingeschalteter Webcam.

Apple erklärte nach einer ersten Analyse, viele der genannten Angriffspunkte seien in der jüngsten Version des iPhone-Betriebssystems iOS bereits geschlossen worden. „Wir werden weiter daran arbeiten, alle entdeckten Schwachstellen schnell zu schließen.“ Traditionell aktualisieren iPhone-Nutzer schnell die neuen System-Versionen, aktuell laufen nach Angaben des Konzerns 80 Prozent der Telefone damit.

Enthüllungen haben nichts mit Überprüfung der Cyberwar-Programme zu tun

Fachleute widersprachen am Mittwoch der Einschätzung, wonach der Geheimdienst die Verschlüsselung von Nachrichtendiensten wie WhatsApp, Signal oder Telegram aushebeln könne. Die von Wikileaks veröffentlichten Dokumente lieferten keine Anhaltspunkte dafür, betonten die Krypto-Experten von Open Whisper Systems. Vielmehr gehe es dort darum, die Software der Telefone zu hacken. Damit könnten dann Informationen vor der Verschlüsselung oder nach der Entschlüsselung abgegriffen werden.

Wikileaks-Chef Julian Assange betonte, die Plattform habe mit „Vault 7“ bereits jetzt mehr Dokumente veröffentlicht, als Edward Snowden in drei Jahren. Der Australier, der seit Jahren in der Botschaft von Ecuador in London lebt, bestritt, dass die Enthüllung etwas mit dem Erlass von US-Präsident Donald Trump zu tun habe, der eine kurzfristige Überprüfung aller Cyberwar-Programme angeordnet hatte.

Apple, Samsung und Co. in Zugzwang

Die Wikileaks-Enthüllungen zu den Hackerangriffen der CIA auf Smartphones, Fernseher und andere Geräte haben für erhebliche Unruhe in betroffenen High-Tech-Firmen gesorgt. Apple erklärte dazu, die ersten Analysen durch das Unternehmen deuteten darauf hin, dass viele der Sicherheitslücken, über die Wikileaks berichte, bereits in der jüngsten Version des Betriebssystems iOS behoben seien. "Wir werden weiter daran arbeiten, rasch jegliche identifizierte Schwachstelle anzugehen", versicherte der Konzern in einem schriftlichen Statement.

Ähnlich äußerte sich Samsung. Das Unternehmen habe den Wikileaks-Bericht zur Kenntnis genommen und befasse sich "dringlich" mit der Angelegenheit, hieß es. Microsoft erklärte lediglich, das Unternehmen schaue sich die Wikileaks-Veröffentlichungen näher an.

Auch Trump unter Druck

Durch die Enthüllungen geriet die Regierung von US-Präsident Donald Trump unter Druck. Dessen Sprecher Sean Spicer sagte am Dienstag aber lediglich, der Fall sei noch "nicht vollständig bewertet". Auch CIA-Sprecher Jonathan Liu wollte weder bestätigen noch dementieren, dass die Dokumente echt sind. "Wir äußern uns nicht zur Echtheit und zum Inhalt von angeblichen Geheimdienstdokumenten", erklärte er.

Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im US-Repräsentantenhaus, Devin Nunes, zeigte sich "sehr besorgt". Die Angelegenheit scheine "sehr, sehr ernst" zu sein.

Die Hacker sind demnach mit Diplomatenpässen ausgestattet, mit denen sie nach Deutschland einreisen. Für die Einreise bekommen sie demnach von der CIA die Anweisung, dass sie auf mögliche Fragen der deutschen Beamten nach dem Zweck ihrer Reise antworten sollten, sie unterstützten "technische Konsultationen im Konsulat".

Ströbele fordert Sondersitzung der Geheimdienst-Kontrolleure

Der Grünen-Geheimdienstexperte Hans-Christian Ströbele hat nach den Enthüllungen eine Sondersitzung des Parlamentsgremiums zur Kontrolle der deutschen Geheimdienste beantragt. Es müsse geklärt werden, was die Bundesregierung von den CIA-Aktivitäten im US-Generalkonsulat in Frankfurt wisse und wie sie die Vorgänge beurteile, sagte Ströbele am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. 

Ströbele sagte, man könne nicht darauf vertrauen, dass sich die US-Geheimdienste an Recht und Gesetz in Deutschland halten würden, wie von ihnen betont werde. „Man musste spätestens seit dem Abhören des Handys der Kanzlerin (Angela Merkel) zur Kenntnis nehmen, dass das nicht stimmt.“

Offen war, ob die Sondersitzung noch in der laufenden oder in der übernächsten Woche stattfinden würde.

Gestern wurde bekannt, dass dieCIA auch von Frankfurt aus spioniert hatte

dpa/afp

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