Bayerischer Ministerpräsident beeindruckt

Zu Gast in der Green-City: Seehofers Öko-Lernstunde in Slowenien

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Horst Seehofer bei seinem Besuch in Slowenien.

In Deutschland ist die Luftverschmutzung ein echtes Politikum. Während Lösungen in weiter Ferne sind, lernt Ministerpräsident Seehofer in Slowenien, wie man es besser machen kann.

Ljubljana - An Selbstbewusstsein fehlt es dem Bürgermeister von Lujbljana definitiv nicht. Seine Stadt sei weltoffener, sicherer, freundlicher und vor allem grüner als so ziemlich jede andere Stadt in Europa, ja der ganzen Welt, sagt der gut gelaunte Zoran Jankovic zu seinem Gast aus Bayern. Sein Gegenüber, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), nimmt es mit Humor: „Freundlicher, sicherer, grüner und weltoffener? Wie viel Prozent haben Sie bei der letzten Wahl erhalten?“ Es sollen mehr als 60 Prozent gewesen sein. Seehofer ringt sich ein anerkennendes Kopfnicken ab - das ist auch für einen CSU-Chef ein wahrlich guter Wert.

Was an diesem Donnerstag bei Temperaturen jenseits der 30 Grad-Marke wie ein höfliches Geplänkel daherkommt, bietet für Seehofer bei genauer Betrachtung aber durchaus Substantielles mit aktuellem Aufhänger. Denn während die Menschen in deutschen Großstädten wie München, Nürnberg oder Stuttgart unter Feinstaub und (Diesel-) Abgasen ächzen, rühmt sich das beschauliche Ljubljana als „Green Capital“, als grüne Hauptstadt.

Seehofer ist beeindruckt davon, wie grün und erfolgreich Sloweniens Hauptstadt ist

Und obwohl die mehr als 280 000 Einwohner zählende Stadt natürlich deutlich kleiner und daher nur bedingt vergleichbar mit den deutschen Millionenstädten ist, kann Seehofer hier eines praktisch erfahren und lernen: Umweltschutz ist auch in urbanen Räumen möglich - man muss es nur machen.

Dies sieht auch Seehofer so: „Das bayerische Selbstbewusstsein ist beim Gang durch die Stadt sehr beansprucht worden“, räumt der Ministerpräsident ein. Er sei beeindruckt davon, wie grün und erfolgreich die Stadt sei. „Das stachelt natürlich den bayerischen Ehrgeiz an.“

Staatspräsident Borut Pahor (l) begrüßt den bayerischen Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) in Ljubljana.

In Deutschland ist die Politik derzeit mit einer unangenehmen Debatte über Diesel-Fahrverbote in Innenstädten, über Stickoxide und Kohlendioxid konfrontiert. In Ljubljana ist das anders: Hier fahren kleine Elektroautos namens „Kavalir“ durch die Stadt, es gibt (zeitweise kostenlose) Fahrräder, und die Fußgängerzonen genießen deutlich mehr Raum als etwa im dicht besiedelten und verdichteten München. 74 Prozent der Wohnungen in Ljubljana werden durch Fernwärme und Erdgasverteilung beheizt.

„Wir sehen hier, wie Autos aus der Altstadt verbannt sind“, sagt Seehofer - dennoch würden sie nicht als Feind angesehen. Vielmehr gebe es dank vieler Parkbuchten am Rand der Altstadt eine schöne Versöhnung zwischen Mobilität und Luftreinhaltung.

„Vieles, was man mitnehmen kann“

Die Eindrücke werden Seehofer in den kommenden Wochen und Monaten bei den Debatten zum Thema Luftreinheit und Umweltschutz stetig begleiten. Sei es bei Gesprächen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU), den Vorständen der bayerischen Autobauer BMW, Audi und MAN am Mittwoch sowie den Oberbürgermeistern der größten Städte im Freistaat im Juli - allen, davon darf man ausgehen, wird er vom Gesehenen in Ljubljana berichten.

Denn all das passt perfekt in Seehofers tags zuvor in München vorgestellte Vision: „Wir sollten die Kraft haben zu einem Rechtsrahmen, der den Kommunen einen Rechtsrahmen erlaubt, den sie für richtig halten.“

„Der Marsch durch die Stadt hat gezeigt: Hier gibt es vieles, was man mitnehmen kann“, betont Seehofer, der erstmals in seiner Amtszeit in Slowenien zu Gast ist. Und wer in Deutschland glaubte, dass man nichts mehr lernen könne, müsse schnell umdenken.

dpa

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