Auftanken und Aufpumpen: Bayerns erste Radwegekirche

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Pfarrer Günther Schardt steht mit seinem Dienstrad vor der Erlöserkirche in Bamberg (Oberfranken).

Autobahnkirchen haben sich längst als Ruheoasen etabliert. Bei Radtouristen geht es gewöhnlich weniger hektisch zu. Ruhe sollen aber auch sie finden können - in Bayerns erster Radwegekirche in Bamberg.

Noch ist das Gästebuch leer. Es soll den rastenden Fahrradtouristen Gelegenheit geben, Wünsche und Kritik zu äußern, aber auch Gebete zu formulieren. Die evangelische Erlöserkirche in Bamberg ist Bayerns erste Radwegekirche. Ein grünes Schild an der Eingangstür und bald auch Schilder am Radweg weisen darauf hin. In Mitteldeutschland gibt es bereits zahlreiche, speziell von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ausgezeichnete Radwegekirchen. Jetzt will auch die Landeskirche in Bayern die Radfahrer ins Gotteshaus locken, am Freitag hat es in der Erlöserkirche einen kleinen Festakt gegeben.

“Andacht, Stille und Spiritualität“ sollen die rastenden Radler in der Erlöserkirche finden, wünscht sich Pfarrer Günther Schardt. Sie könnten eine Kerze anzünden oder in einem speziell aufgelegten Gebetbuch blättern - und so seelisch auftanken für die Weiterfahrt. Aber auch um die “weltlichen“ Bedürfnisse der Radfahrer kümmert man sich in der Radwegekirche: In einem von der Gemeinde betriebenen Café gleich neben dem Gotteshaus gibt es Toiletten und frisches Trinkwasser.

Schardt hält aber auch Flickzeug und eine Luftpumpe bereit, außerdem finden die Gäste Infos, wo die nächste Fahrradwerkstatt zu finden ist. Wer länger rasten möchte, kann sich unter den dichten schattigen Bäume neben der Kirche niederlassen. Autobahnkirchen in der Nähe von Autobahnausfahrten kennt man längst in Deutschland.

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Sie müssen ganz bestimmte Kriterien erfüllen, um sich offiziell so nennen zu dürfen. Auch für Radwegekirchen hat die EKD Leitlinien erstellt: Sie müssen beispielsweise direkt an einem Radweg liegen und tagsüber in den Frühjahr-, Sommer- und Herbstmonaten geöffnet sein.

Von der Idee der Verantwortlichen im Landeskirchenamt, die Erlöserkirche zur Radwegekirche zu machen, waren die Gemeinde und der Pfarrer sofort angetan - denn schließlich ist Schardt selbst begeisterter Fahrradfahrer. “Es gibt bei uns sogar ein Dienstfahrrad“, erzählt er schmunzelnd: “Radfahren ist bequem und ökologisch.“

22 weitere Gotteshäuser in Bayern sollen sich auch bald Radwegekirchen nennen dürfen. Menschen seien gerade im Urlaub besonders empfänglich für geistliche Impulse, sagt der für die Tourismusseelsorge zuständige Kirchenrat Thomas Roßmerkel. “Durch die entschleunigte naturnahe Fortbewegungsform beim Radfahren entsteht eine andere Erwartungshaltung als im Alltag.“

Der Bamberger Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) freut sich, dass die Landeskirche ihr Radwegekirchen-Projekt in seiner Stadt startet. Er hoffe, das die Erlöserkirche “als geistliche Raststätte für die Seele gut angenommen wird“.

Für die Unesco-Weltkulturerbestadt Bamberg sei der Radtourismus längst zu einem “wirtschaftlich wie kulturell wichtigen Faktor“ geworden. Die Erlöserkirche, die 1934 erbaut, im Krieg zerstört und 1950 wieder aufgebaut wurde, liegt direkt am Main-Donau-Kanal. Pfarrer Schardt hofft nun auf die ersten Fahrradtouristen, die bei ihm rasten - damit das Gästebuch bald gefüllt ist.

dpa

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