Bilder aus dem Märchenland

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Mit Vollgas in die Neuzeit: Um ihre Paläste zu erhalten verwandelten die Maharajas die Familienresidenzen in Luxushotels.

Rajasthan liegt im Nordwesten Indiens, ganz oben, wo die Wüste Thar beginnt. Es ist das Land der Maharajas. Und wo einst die Könige residierten, können heute Urlauber wie im Märchen wohnen.

Doch eigentlich ist Rajasthan mit all seinen Gegensätzen zwischen Pracht und Elend, zwischen Mythen und Märchen das Herz dieses Kontinents. Autorin Sonja Gibis beschreibt die Bilder aus einem Märchenland.

Der Traum von Bollywood

Es ist fast Mitternacht am Flughafen Mumbai. Ein paar Schritte, schon kleben die Kleider am Körper. Doch im Reisebus bleibt die Schwüle der Stadt draußen. Wer es sich leisten kann, lebt hier in künstlichem Klima. Ein Mann reicht mit ergebenem Lächeln feuchte Frotteetücher. Vor den Fenstern zieht Indien vorbei: Am Straßenrand wechseln die Kulissen von tropischen Pflanzen, dem Fassaden-Wirrwarr winziger Läden und dem verwinkelten Chaos der Slums – zum Greifen nah und trotzdem fern wie eine Fata Morgana. Familien liegen auf Decken am Straßenrand. Niemand weiß, wie viele Menschen der Moloch zusammenpfercht. Nach neuesten Rechnungen sind es mehr als 13 Millionen. Viele sind hierhergekommen, um einem Traum nachzujagen. Denn im ehemaligen Bombay liegt Bollywood, das Zentrum der indischen Filmindustrie. An den vielspurigen Autostraßen erzählen Plakate den Traum von einem Indien, in dem die Liebe immer siegt.

Luxus mit Sicherheit

Schon Kulisse für den James-Bond-Film „Octopussy“ - Palast Hotel Taj Lake Palace in Udaipur.

Vor dem Taj Hotel Lands End fährt der Bus durch ein Tor in ein anderes Indien: Ein Mann mit Schnurrbart, Turban und leuchtend grüner Livree begrüßt die Gäste. Das Gepäck wird durchleuchtet. Seit den jüngsten Anschlägen haben auch Luxushotels die Sicherheitsmaßnahmen erhöht. „Die Gäste machen gut mit“, sagt der Hotelchef. „Auch sie beruhigt das.“ Indische Mädchen legen dem Gast einen Kranz aus Jasmin und Rosenblüten um den Hals.

Das Wüstenreich der Maharajas

In einer Flugstunde wandelt sich die Tropenwelt zur Wüste. 900 Kilometer nördlich von Mumbai liegt Jaipur, Hauptstadt von Rajasthan, dem Wüstenreich der Maharajas. Der letzte Regen ist hier vor vier Jahren gefallen. Doch die trockene Wüstenluft ist leichter erträglich als die Schwüle Mumbais. Jaipur heißt auch Pink City nach der Farbe der Häuser in der Altstadt, erklärt der Führer, der sich von seinen Gästen Mischi nennen lässt. Den Anstrich erhielt die Stadt 1853, als der Ehemann der britischen Königin Victoria auf Besuch kam. Auf der Fahrt ins Hotel Jai Mahal Palace zeigt sich die Stadt nur in staubigem Grau.

Elefanten im Porzellangarten

In der Hitze des Mittags strömt der Park des Jai Mahal Palace Ruhe aus. Gärtnerinnen in grünen Saris verwachsen mit den Büschen. Einmal im Jahr treffen sich zwischen den zierlichen Pavillons und Wasserbecken Sportfans zum Elefanten-Polo. Im Augenblick sieht man nur die Elefanten eines riesigen Schachspiels. Spiele sind beliebt im Reich der Maharajas. Selbst Hindu-Gott Shiva spielte gern. Am Pool spielen gerade die Streifenhörnchen.

Die echte Demokratie

Am Eingang zur Pink City, wo Menschen in einem kleinen Tempel dem Affen-Gott Hanuman huldigen, haben sich auf dem staubigen Streifen zwischen den Fahrspuren Kühe niedergelegt. Ein schwarzes Tier mit besonders langen Hörnern wankt gelassen durch den Verkehr. Autos und Kamelkarren bremsen. „Wir haben hier in Indien die echte Demokratie“, sagt Mischi, der Führer. „Affen, Ziegen, Schweine, Hunde – alle haben dieselben Rechte.“ Er lacht. Probleme? Ja, da gebe es wohl ein paar. Aber damit würde man fertig, irgendwie. Man sei ja in Indien.

Der Palast der Sterne

Ein Tor hält die lärmende Welt ab. Dahinter liegt ein Park wie aus einem Traum von Dali: Jantar Mantar, das größte steinerne Observatorium der Welt. Maharaja Jai Singh II. ließ es zwischen 1724 und 1734 errichten, erzählt Mischi. Mit dem „magischen Gerät“, wollte er den Sternen ihre Geheimnisse entlocken. Eine indische Schulklasse erträgt müde eine Führung.

Eine steinige Märchenwelt

Einige Kilometer vor dem Stadttor von Jaipur wächst aus einem Bergrücken das Amber Fort, Palast und Festung zugleich. Oben ruht eine Märchenwelt aus Tausendundeiner Nacht mit Kuppeln, Säulen, Bögen und Blumenreliefs. Winzige Spiegel bedecken die Wände und machen jeden Lichtstrahl zum Feuerwerk. Über Mamorplatten perlte einst Wasser, um den Maharaja zu kühlen. In einem der Höfe tragen fünf Frauen Steine. Sie hieven die felsigen Brocken auf ein Kissen auf ihrem Kopf und lassen sie ein paar Meter weiter in eine Grube fallen. Stunden schon. Einen nach dem anderen. Der Steinhaufen ist groß. Die Sonne sticht.

Die Herrscher von heute

Taj Lake Palace

Maharaja Gaj Singh II. (61) hat dieselben Augen wie seine Vorfahren auf den Gemälden, mandelförmig, weit auseinander liegend, die ihn stets etwas melancholisch blicken lassen.
Aber er ist ein Mann der Gegenwart. „Benützen Sie den Audioguide“, empfiehlt er bei einem Glas Rotwein. Er hat die Technik für das prachtvolle Mehrangarh Fort von Jodhpur anschaffen lassen, den Palast seiner Ahnen. Auch den Umaid-Bhavan-Palast hat er geöffnet. Ein Teil ist heute Museum, ein Teil Hotel. Madonna hat hier gewohnt, Liz Hurley hat hier geheiratet. Den Rest des kolossalen Hauses bewohnt die Familie des Großkönigs. Maharaja Gaj Singh II. stört sich nicht daran, wenn er seinen Park mit Touristen teilen muss, ob sie berühmte Namen haben oder nicht.

Das blaue Häusermeer

Die Kühe von Jodhpur sehen gesünder aus als in Jaipur. Vom Fort blickt man auf das Häusermeer der Stadt, in der die Farbe Blau dominiert. Es sei ein guter Schutz vor Moskitos, heißt es. Das Fort entpuppt sich als ein Juwel aus Sandstein. Einst war das Fort das Zentrum des kriegerischen Staates Marwar. Seine Mauern erzählen eine blutreiche Geschichte – und das selbst in Sprachen, die der Audioguide nicht parat hat.

Die Kunst des Kaufens 200

Rupien soll der Sari bei einem Händler in der Marktstraße von Jodhpur kosten – das sind nicht einmal 2,50 Euro. Wer käme da noch auf die Idee zu handeln, obwohl Handeln in Indien zum Geschäft gehört. Der Verkäufer freut sich. Nach einer Viertelstunde, halte ich einen Stapel von Visitenkarten mit Mailadressen in der Hand. „Schreiben Sie mal, wenn Sie in Deutschland sind!“ Ein junger Inder zückt die Handykamera: „May i take a Photo – Darf ich ein Foto von Ihnen machen?“ Zwei fremde Welten bestaunen sich gegenseitig. 

DIE REISE-INFOS ZU RAJASTHAN

REISEZIEL Rajasthan, das Land der Könige, ist ein Bundesstaat im Nordwesten Indiens. Mit einer Fläche von mehr als 340 000 Quadratkilometern ist er nur wenig kleiner als Deutschland. Amtssprachen sind Hindi und Englisch. Jaipur ist die Hauptstadt Rajasthans. Die zweitgrößte Stadt ist Jodhpur im Osten der Wüste Thar.

ANREISE Zum Beispiel mit Air France täglich über Paris nach Delhi oder Mumbai. Ab 506 Euro. Infos unter www.airfrance.de.

Indien Rajasthan

REISEZEIT/KLIMA Mai und Juni sind die heißesten Monate in Rajasthan. Es herrschen Temperaturen bis über 40 Grad. Im Juli und August kann der Sommermonsun einzelne heftige Schauer bringen. Der Winter mit Tagestemperaturen um 25 Grad gilt als Hauptreisezeit für Rajasthan.

SEHENSWERT
JAIPUR: Das berühmteste Wahrzeichen ist der Hawa Mahal, der Palast der Winde. Das Lustschloss der Großfürsten mit seiner charakteristischen wabenartigen Fassade wurde 1799 erbaut. Das Observatorium Jantar Mantar wurde zwischen 1728 und 1734 erbaut. Umschlossen von einer Mauer stehen hier 18 Bauwerke, die als Messinstumente dienen. Wenige Kilometer außerhalb von Jaipur liegt der Königspalast Amber Fort. Das Bauwerk stammt zum Teil vom Anfang des 17. Jahrhunderts.

JODHPUR: Auf Felsen über der Stadt trohnt Mehrangah Fort, die wohl beeindruckendste Festungsanlage Rajasthans. Der Umaid-Bhavan-Palast steht auf einer Anhöhe im Osten Jodhpurs. Die Anlage, die 1929 von einem englischen Architekten begonnen wurde, ist eine Mischung aus östlichen und westlichen Baustilen.

GUT ZU WISSEN Indien ist ein Paradies für Liebhaber farbiger Stoffe, üppigen Silberschmucks und vieler anderer bunter Kleinigkeiten. Doch muss man beim Einkaufen eines lernen: das Feilschen. Wer als Tourist auf den Markt geht, muss damit rechnen, stark überhöhte Preise genannt zu bekommen. Am besten, man erkundigt sich vorher bei einem einheimischen Führer nach den realistischen Preisen einiger Waren. In Indien einkaufen heißt: Geduld und starke Nerven mitbringen.

WOHNEN Wo einst die Maharajas residierten, wohnen heute Urlauber wie im Märchen. Indiens größte Hotelgruppe Taj ist auf diese Palasthotels spezialisiert. Zum Unternehmen gehören das Rambagh Palace in Jaipur, das Taj Lake Palace in Udaipur und Umaid Bhawan Palace in Jodhpur. Eine elftägige Rajasthan-Rundreise mit Übernachtung in den Palasthotels kann ab/bis Delhi ab 1735 Euro gebucht werden (Veranstalter: s.u.).
Weitere Infos: www.taj-hotels.com.

VERANSTALTER Spezialist für Reisen nach Rajasthan, die auch individuell zusammengestellt werden können, ist der Veranstalter Tischler Reisen in Garmisch-Partenkirchen. Info/Buchung unter Tel. 08821/9317 – 0, im Internet: www.tischler-reisen.de

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