Budapest per Bike

+
Die Zwei von Budabike: Die beiden Österreicher Christian Brandmayr (li.) und Wolfgang Lehner bieten Stadtrundfahrten durch Budapest mit dem Fahrrad an.

Man kann die Stadt an der Donau bequem vom Bus aus erkunden. Es gibt in Budapest ein riesiges Angebot an Sightseeing-Touren. Reiseredakteur Volker Pfau wollte aber näher am Geschehen sein und die ungarische Hauptstadt aktiv und intensiv kennen lernen – und ist aufs Fahrrad gestiegen.

Mach mal Pause: Bei der Budapest-Stadtrundfahrt sollte man einen Stopp am Heldenplatz einlegen.

Die Anprobe ist im ersten Stockwerk unter der Erde. In der Tiefgarage unter dem Platz vor der St. Stefan-Basilika suchen wir uns das passende Fahrrad aus, stellen den Sattel auf die optimale Höhe und überprüfen Klingel, Bremsen und Schaltung. Alles passt. Christian Brand­mayr und Wolfgang Lehner von Budabike, dem Anbieter dieser geführten Stadt-Radtouren, begleiten uns – einer vorneweg, einer als Lumpensammler am Schluss, beide bekleidet mit grell leuchtender Warnweste. Für uns zur Orientierung, für die Budapester Autofahrer als Warnung vor den radelnden Touristen.

Es geht’s los, die Rampe hoch zur Oberfläche. Das bleibt auf unserer heutigen Fahrt die einzige Steigung, denn wir fahren die Pest-Tour, und die ist so flach wie der östlich der Donau gelegene Stadtteil der ungarischen Hauptstadt. Jedoch nicht ohne Höhepunkte.

Erstes Ziel: die Donau. Auf dem Weg zum Fluss fahren wir auf kleinen Straßen, vorbei an vielen liebevoll restaurierten Häusern. Doch uns fehlt noch die Konzentration für die Schönheit neben der Straße, wir müssen uns erst ans Radeln in der fremden Stadt gewöhnen. Am Freiheitsplatz halten wir. Ein Denkmal als Dank an die russische Armee für die Befreiung vom Faschismus, die Botschaft der USA und gleich neben dem Platz eine ewige Flamme als Erinnerung an die Hinrichtung von Ungarns erstem Ministerpräsidenten Batthyany im Jahr 1849 – der Szabadságtér, wie der hufeisenförmige Freiheitsplatz auf Ungarisch heißt, trägt seinen Namen offenbar zu Recht. Schön ist er obendrein.

„Mit dem Fahrrad erlebt man die Stadt anders“, sagt Christian Brandmayr. Man sei in Bewegung, rede untereinander, tausche sich über die Eindrücke aus, es entstehe ein Gruppengefühl. „Im Bus ist doch jeder nur mit sich selbst und dem Kopfhörer beschäftigt.“

Geschichtsträchtig: Der Freiheitsplatz spielt in Ungarns Historie eine wichtige Rolle.

Ein paar Pedaltritte nur und wir sind am Ufer der Donau, direkt neben dem Parlamentsgebäude. Wir genießen den Panoramablick aufs westliche Ufer, auf den Burgberg, die Kettenbrücke, schauen einem Ausflugsschiff hinterher. „Wir bieten auch Kombinationen von Radtouren und Schifffahrten an“, sagt Christian Brandmayr, als könne er Gedanken lesen. 24 Fahrräder hat das vor zwei Jahren gegründete Unternehmen Budabike selbst, zur Not können die beiden dank guter Beziehungen bis zu 100 Räder verleihen.

Weiter geht’s auf der Andrassy-Straße, wo ein großer Teil der Strecke unter Bäumen auf einem Radweg parallel zur Hauptstraße führt. Es sei leichter geworden, mit dem Fahrradfahren in Budapest, sagt Christian Brandmayr, „die Autofahrer achten immer mehr auf die Radfahrer“. Er selbst setze sich schon gar nicht mehr ans Steuer, vor allem, wenn er zu einem Termin muss, denn der Budapester Straßenverkehr sei einfach zu unberechenbar. „Mit dem Radl weiß ich wenigstens, wann ich ankomme.“

Genuss mit Jugendstil: Das Cafè in der Buchhandlung Alexandra.

Dann bremst Christian Brandmayr und hält vor einer Buchhandlung an. Ungarische Literatur? Nein, es geht ihm um das Kaufhaus an sich, denn die Buchhandlung Alexandra ist in einem 100 Jahre alten Jugendstilbau, dessen Schönheit – insbesondere die der Deckenfresken – sich vor allem dann erschließt, wenn man die Rolltreppe in den ersten Stock hochfährt. Aus einer Pause in dem wunderschönen Café wird leider nichts. Ein paar Blicke müssen genügen, es geht weiter.

Zum Heldenplatz. Der richtige Ort für eine Pause, denn wir haben uns bis jetzt bravourös durch den bisweilen chaotischen Verkehr geschlängelt. Anlässlich der Millenniumsausstellung 1896 zur Feier des 1000-jährigen Jubiläums der magyarischen Landnahme wurde beschlossen, hier ein Denkmal zu errichten. Unter der 36 Meter hohen Säule, auf deren Spitze Erzengel Gabriel steht, reden wir mit Christian Brandmayr über seine Kundschaft. Die komme vor allem aus deutschsprachigen Ländern, Einheimische führt er selten. „Die kennen ihre Stadt schon ganz gut“, meint er.

Umso mehr schätzen die Ungarn das Baden. Allein in der Hauptstadt sprudelt heißes, mineralstoffreiches Wasser aus über 120 Quellen, das 21 Bäder speist. Das bekannteste davon ist ohne Zweifel das Széchenyi-Bad im Városliget, dem letzten Stopp auf unserer Tour. Dann wartet das Erste Budapester Strudelhaus. Der Hunger treibt, wir treten in die Pedale.

DIE REISE-INFOS ZU BUDAPEST

REISEZIEL Ungarn ist rund 93.000 Quadratkilometer groß und hat etwa 10 Millionen Einwohner. In der Hauptstadt Budapest leben rund 1,7 Millionen Menschen.

ANREISE Flugverbindungen von München nach Budapest mit der Lufthansa gibt es mehrmals täglich an allen Wochentagen (ab rund 195 Euro), ebenso direkte Zugverbindungen (mit Railjet Europa-Spezial-Ticket ab 39 Euro einfache Strecke). Entfernung mit dem Auto von München rund 800 Kilometer.

RADFAHREN Das Unternehmen Budabike bietet mehrere geführte Radtouren an, außerdem kann man dort auch Fahrräder ausleihen (bis vier Stunden 5 Euro, 24 Stunden 15 Euro). Die beschriebene dreistündige Pest-Tour kostet 19 Euro, angeboten werden u.a. auch Buda-Touren und eine Retro-Tour in die Vororte zu Resten der sozialistischen Zeit. Info und Buchung bei Budabike, Tel. 00 36/70/242 57 36 oder im Internet unter www.budabike.com.

TIPPS ANDRASSY-STRASSE: Die ehemalige Stalin-Straße hat sich zum Einkaufs-Prachtboulevard Budapests gewandelt, auf dem exklusive Boutiquen die neueste Mode anbieten. Das Preisniveau ist allerdings eher hoch.

ALEXANDRA: Die Buchhandlung ist in einem ehemaligen Kaufhaus in der Andrássy-Straße. Tipp: mit der Rolltreppe in den ersten Stock und im Café das Jugendstil-Ambiente genießen. Andrássy Út 35, 1061 Budapest www.alexandra.hu.

SZÉCHENYI-BAD: Mit insgesamt 18 Becken ist das 1913 erbaute Bad eines der größten in Europa. Das bis zu 40 Grad warme Wasser hilft äußerlich (Gelenkprobleme) und innerlich (Magen, Darm, Galle). Geöffnet täglich 6 bis 22 Uhr (Thermalbad bis 19 Uhr), Eintritt: Schwimmbad 3400 HUF (rund 13 Euro).

ESSEN Seit vier Jahren wird im Ersten Budapester Strudelhaus Elsö Pesti Rétesház die ungarische Spezialität in süßer und würziger Form angeboten, immer wieder wird in der Schaubäckerei gezeigt, wie dünn der Teig gezogen werden kann. Eine Portion kostet ab 360 HUF (rund 1,35 Euro). Wer will, kann bereits morgens zum Strudel-Frühstück kommen – geöffnet ist täglich von 9 bis 23 Uhr. Október 6. utca 22, Internet: www.reteshaz.com.

AUSKUNFT Ungarisches Tourismusamt, Regionaldirektion Deutschland Süd, Stefan-George-Ring 29, 81929 München; Internet: www.ungarn-tourismus.de.

Zurück zur Übersicht: Reise

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser