Nostalgie-Camping im „Wundervollen Wiesenbett“

Camping: Zurück zur Natur

+
Landleben ganz entspannt.

Zurück zur Natur und auf direktem Weg in die Vergangenheit führt ein Camingurlaub auf dem Bauernhof. Autorin Astrid Kistner hat sich mit ihrer Familie auf eine Zeitreise im Schwarzwald begeben. 

Unerschrocken tapst Arijana mit nackten Füßen durch eiskalte Bäche, streift Brennnesselbüsche und spaziert über steinige Waldwege. „Auuuus Jack“ schreit sie, wenn dem Hofhund mal wieder das Temperament durchgeht, und „schneller!“, wenn sie mit Papa Bernd und ihrem Fahrradhelm auf dem Kopf über die Wiesen galoppiert.

Arijana ist knapp zwei und schon ganz und gar hineingewachsen in ihre Rolle als Jungbäuerin auf dem Hilserhof im Südschwarzwald. Genauso alt ist unser Sohn Julius, der „A-meiseee!“ in einer Frequenz schreit, die Fensterglas zerspringen lassen könnte. Haben wir aber nicht. Fensterglas, meine ich. Wir sitzen schließlich im „Wundervollen Wiesenbett“, einem nostalgischen Zelt, geräumig, gemütlich und im Stil einer Bauernstube vor hundert Jahren. Es steht mit vier weiteren Exemplaren auf dem weitläufigen Land des 400 Jahre alten Hilserhofs bei Triberg.

Paradies für Naturkinder: Das Wundervolle Wiesenbett von außen.

Das Konzept: kein Strom, ein gusseiserner Ofen und kaltes Quellwasser. Mitten in der Natur, umgeben von nichts als Blumenwiesen, Weiden und Wäldern soll die gestresste Großstadtseele zur Ruhe kommen. Julius’ Münchner Großstadtseele, die mühelos mit Baggern, Müllautos und Straßenbahnen korrespondiert, ist hier enorm gestresst: Erst hat ihm der australische Hütehund Jack einen feuchten Kuss verpasst, dann haben ihn die Schweine unverschämt laut angegrunzt und zu guter Letzt attackieren auch noch Ameisen sein Marmeladenbrot. Seine siebenjährige Schwester Clara dagegen schaukelt schon selig in der Hängematte am Forellenteich.

Feuer machen, Babykatzen streicheln, mit den Bauernhof- Pferden über die Hügel reiten und am Abend bei Kerzenschein Geschichten erzählen – das ist genau nach ihrem Geschmack. Außerdem hat sie das Schrankbett für sich entdeckt, eine urige Holzkoje, bei der sich die Türen wie Fensterläden schließen lassen. Die erste Nacht im Wiesenbett ist aufregend.

Mitten in der Natur - ohne Strom bei Kerzenschein

Kaum ist die Sonne hinter den hohen Tannen verschwunden, wird es kühl und schneller als erwartet dunkel. Kerzen und Petroleumlampen erleuchten das Zelt, das den Luxus einer eigenen Toilette hat (im Stil eines Plumpsklos, aber zum Glück mit Wasserspülung!). Im Ofen knistert die letzte Glut, frische Luft strömt durch die offenen Fenster (mit Fliegengitter!). Als das letzte Licht gelöscht ist, herrscht völlige Finsternis, und ich bin ziemlich froh, eine Taschenlampe eingepackt zu haben. Angestrengt lausche ich in die Stille. Hat da nicht was geknackt? War da nicht eben ein Rascheln? So viel Ruhe regt die Fantasie an. Doch das leise Plätschern des Bächleins neben unserem Zelt säuselt bald alle tief in den Schlaf. Und der ist erholsam, denn das Wiesenbett macht seinem Namen alle Ehre: Ein richtiges Bett mit Matratzen, das auf einer Wiese steht, die am nächsten Morgen mit Tau benetzt ist. Die Luft ist herrlich klar und kühl, und Clara macht sich – während wir den Ofen anfeuern – auf den Weg zum Hühnerstall, wo sie die Eier direkt aus den Nestern stibitzen darf.

In unserer nostalgischen Bauernstube steht eine alte Kaffeemühle, die für Julius’ Morgenbeschäftigung sorgt. Geduldig mahlt er die Bohnen für unseren Frühstückskaffee. Neben der Pfanne für die Spiegeleier steht auch schon ein großer Kessel – schließlich brauchen wir für unseren Abwasch hinterher noch warmes Wasser. Essensreste wandern in eine Schüssel für die Schweine, auf Spaziergängen sammeln wir Reisig und trockene Rinde für den Ofen.

Keine Frage, das Nostalgie-Landleben hat voll und ganz von uns Besitz ergriffen. Es geht um nichts anderes als das Hier und Jetzt. Kein Fernseher, kein Radio, kein Computer, kein Handy- Empfang – das alles macht den Kopf leicht und gibt einem das Gefühl, von lästigen Zeiträubern befreit zu sein. Ganz entspannt sitzen wir beim Flammkuchenessen vor dem schönen Bauernhof von Barbara und Bernd Wernet, die die Pioniere des Wiesenbetts in Deutschland sind. Sie waren die ersten, die sich von der holländischen Idee begeistern ließen und in diesem Sommer die Zelte aufschlugen. Töchterchen Arijana hat die nostalgischen Unterkünfte höchstpersönlich getestet, und auch Julius, der nach fünf Tagen im wundervollen Wiesenbett mutig Babykatzen dressiert und Traktoren zu seinen Lieblingsfahrzeugen gekürt hat, ist überzeugt – restlos.

Astrid Kistner

DIE REISE-INFOS ZUM WIESNBETT

 REISEZIEL Triberg im südlichen Schwarzwald liegt etwa 340 Kilometer von München entfernt.

ANREISE Mit dem Auto über die A8 Richtung Stuttgart und dann über die A81 Richtung Villingen- Schwenningen.

WOHNEN Das erste Wundervolle Wiesenbett wurde 2003 in Holland aufgeschlagen. Seitdem hat sich die Idee vom Landleben wie zu Uromas Zeiten auch in Großbritannien und Frankreich durchgesetzt. Der 400 Jahre alte Hilserhof in Gremmelsbach bei Triberg ist der erste Wiesenbett-Hof in Deutschland.

REISEZEIT Die Wiesenbett-Saison läuft jedes Jahr von Ostern bis Ende Oktober.

PREISE Das Zelt bietet Platz für sechs Personen und kostet pro Woche ab 645 Euro. Buchbar über das WWB-Reservierungsbüro unter Tel. 06192/9284184 oder www.wiesenbett.de

WELCHER REISETYP Für Naturliebhaber. Das Zelt mit Bauernstube und gemütlichen Schlafkammern dürfte auch Campingmuffel überzeugen. Kein Strom, kein fließend heißes Wasser, dafür aber Nostalgie und Lagerfeuerromantik.

AUSFLÜGE Über mächtige Kaskaden stürzt sich die Gutach 163 Meter in die Tiefe. Der Triberger Wasserfall gilt als der höchste Deutschlands.

SOUVENIRS Das beliebteste Mitbringsel aus dem Schwarzwald? Na klar, eine Kuckucksuhr. Das derzeit weltgrößte Exemplar steht talabwärts von Triberg im Eble Uhrenpark in Schonachbach (geöffnet Mo. bis Sa. von 9 bis 18 Uhr).

FÜR AKTIVE Auf 400 Kilometern bietet die Region ein herrliches Wegenetz für Wanderer und Mountainbiker. Direkt am Hof starten einige abwechslungsreiche Touren. Themenwanderwege wie der Quellenweg machen die Ausflüge für Kinder attraktiver. Hofhund Jack begleitet die Urlauber gern und lässt sich lieb an der Leine führen.

GÄSTEKARTE Die Kurtaxe liegt bei 1,25 Euro für Erwachsene und 0,60 Euro für Kinder pro Tag. Dafür gibt’s die Bonusgästekarte, mit der man freie Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln der Schwarzwaldbahn hat. Weitere Extras: die kostenlose Nutzung von fünf Freibädern, zwei Hallenbädern, freier Eintritt zu den Triberger Wasserfällen u.v.m.

EXTRATIPP Für Großstädter, die sich sanft eingewöhnen wollen, hält der Hilserhof das Wiesenzelt- Deluxe-Paket parat: Für einen einmaligen Aufpreis von 15 Euro sind die Betten bei Ankunft bereits bezogen, frische Wiesenblumen schmücken den Tisch, die Kerzen sind angezündet und der Ofen ist angefeuert. Wer will, ordert noch einen Schwarzwälder Picknickkorb mit lokalen Leckereien – und das Wiesenglück ist perfekt.

Zurück zur Übersicht: Reise

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser