Dschungelbuch mit Brause

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Dschungel zum Anfassen: Elefanten Pflege im Camp Sai Yoke.

Thailand als Familienziel? Zu weit, zu heiß, zu teuer, sollte man meinen. Ein Reiseveranstalter ist das Wagnis dennoch eingegangen und bietet nun die Rundreise „Thailand für Groß und Klein“ an.

Daria ist eine sehr Süße, wenn auch mit dunklen Borsten im Nacken und abstehenden Ohren. Das mit den Ohren ist allerdings nicht unpraktisch, weil man ihren Kopf zwischen die Beine nehmen kann und dort sicheren Halt findet. Leider hat Daria heute mäßige Laune. Dass da jetzt ein Mensch auf ihr hockt, bessert die Stimmung der Elefantendame nicht. Es braucht schon eine Sonderbehandlung für sie: Vielleicht hilft es, mit ihr ins Wasser zu waten, warmes Shampoo über die Borsten zu gießen und Daria zu schrubben? Sie nimmt die Zärtlichkeiten mit der Wurzelbürste zumindest huldvoll entgegen.

Dschungelbuch zum Anfassen:

Spielerisch erfahren Kinder auf dieser Rundreise alles über das Leben exotischer Tiere. Sie baden mit Elefanten im Fluss, lernen von deren Führern, den Mahouts, alles über die Pflege der Tiere und dürfen sie auch selbst einseifen und schrubben. Selbst die Metropole Bangkok wird mit dem Besuch der Siam Ocean World, des größten Aquariums Südostasiens, und einer Bootsfahrt über das Haifischbecken zum Abenteuer.

Ein Bad mit Dreitonnern im Kwai-Noi-Fluss zählt zu den ungewöhnlichen Abenteuern, die man in Thailand mit Kindern erleben kann. Ja, Elefantenritte werden längst auf der halben Welt angeboten, aber Elefantenbaden ist selten. Wer weiß schon, wie sich die Haut anfühlt? (ledrig.) Wie man bürsten muss? (fest, in beide Richtungen.) Wie ein Rüssel- Schnaufer wirkt? (wie ein Föhn.)

Das Tragen von Badekleidung wird bei dieser Gelegenheit übrigens angeraten, von Fotoapparaten eher nicht: Manchmal taucht Daria kurz bis zu den Segelohren unter, als würde sie sich einen Spaß mit dem Menschen auf ihrem Rücken machen. Es sieht vom Ufer für wenige Sekunden aus wie Nessi mit einem blinden Passagier, wenn nur noch ein Elefantenbuckel aus dem träge dahinfließenden Wasser ragt. Das ist der Lohn fürs Bürsten: Mit dem Koloss durchs Wasser zu gleiten, fast schwerelos. Als Daria aus dem Fluss schaukelt auf den staubigen Pfad zurück zum Camp, ist es mit der Sauberkeit vorbei. Das Erlebnis aber bleibt. Auf jedes der 30 Tiere passt ein Mahut – Elefantenführer – auf. Deswegen ist das Planschen mit den Kolossen auch für Kinder nicht gefährlich.

Das Sai Yoke Camp bei Kanchanaburi, drei Fahrstunden westlich von Bangkok, kümmert sich liebevoll um Familien. „Kinder ab acht Jahren dürfen auf die Elefanten“, sagt der Camp-Manager. Die Kleinen lernen nebenbei eine Menge über die Tiere. Dass so ein Elefant 250 Kilo Grünzeug am Tag vertilgt, erzählt Mahut Kaao in passablem Englisch. Dass er „seinen“ Elefanten seit zehn Jahren kennt und pflegt, „wie mein Kind“. Es ist ein seltsames Verhältnis, wie der kleine Kaao mit ein paar Worten und Bewegungen den Koloss Daria kommandiert. Für Thailands Tourismus sind Projekte wie dieses eine Hoffnung in düsteren Zeiten.

In Bangkok gibt die Siam Ocean World, eine riesige Unterwasserwelt.

Die Gästezahlen im Land gehen stark zurück. Die Wirtschaftskrise in Europa und den USA nagt an der Zahl der Fernreisen. Ebenso sind die immer wieder aufkommenden Unruhen im Land eine schlechte Werbung. Jetzt werden immer mehr Angebote auf die Zielgruppe Familie zugeschnitten.
Auf die Kinder wartet ein quietschbuntes Abenteuerland: Mönche in orangefarbenen Gewändern, goldene Tempel, sattgrüne Tropenpflanzen und rosa Taxis in den Städten. Und all die Tiere aus dem Dschungelbuch zum Anfassen. In Bangkok gibt es zudem die Siam Ocean World, eine riesige Unterwasserwelt mit gruseligen Spinnenkrabben und putzigen Seepferdchen, und sogar mit Bootsfahrten über ein Haifischbecken hinweg. „Die Hände lieber nicht ins Wasser halten“, rät der Käpt’n. Dennoch sollten Eltern gut auf den Reiseverlauf achten.

Das Dschungelbuch hat auch dunkle Seiten: Die Nummer mit den Tigern etwa. Bei Kanchanaburi gilt der Tiger-Tempel als große Attraktion – aber hinterlässt eher verstörte als begeisterte Besucher. Mönche halten hier Tiger an Ketten. Völlig apathisch, als stünden sie unter Drogen, liegen die Tiere im Schatten der Bäume. Für Mondpreise, zweistellige Eurobeträge, gestatten die Mönche Fotoaufnahmen. Der deutsche Veranstalter Neckermann Reisen nahm die Tiger-Abzocke nach einem Augenschein aus dem Programm.

Dann lieber Elefanten. Als sich die Nacht auf das Camp Sai Yoke senkt, sitzen die Hüter und ihre Gäste zusammen. Zum Abendessen gibt es Spieße mit Hühnchenfleisch und Ananas, dazu Frühlingsrollen. Kaao erzählt im Kerzenschein von seinem Beruf: Er war Mais-Bauer, seit zehn Jahren ist er Mahut. Jetzt ist er 42 und erklärt den staunenden Kindern: „Ich verstehe die Sprache der Elefanten.“ Ein Grunzer, so tief wie ein Rumpeln, ist das Zeichen für zufriedene Elefanten, ein Schnauben für erboste, das Trompeten für erschreckte. Wer tief reinhört in den nächtlichen Dschungel, erkennt die Geräusche. Das tiefe Brummen da hinten könnte Daria sein.

DIE REISEINFOS ZU THAILAND 

REISEZIEL Das Königreich Thailand erstreckt sich im Norden von den Ausläufern des Himalaya bis auf die Malaiische Halbinsel im Süden. Maximale Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung: 1770 Kilometer, in Ost-West-Richtung: 800 Kilometer. 60 000 Quadratkilometer der Landfläche Thailands und 6000 Quadratkilometer Meeresfläche und Inseln sind als Nationalpark, Wildschutzgebiet oder Meerespark ausgewiesen.

ANREISE Air Berlin fliegt im Sommer fünf Mal pro Woche via Berlin und Düsseldorf nach Bangkok. Tickets ab zirka 650 Euro. Kinder ab 12 Jahren zahlen voll, bis 12 Jahre kostet der Flug für sie etwa zwei Drittel des Erwachsenen- Ticketpreises, in diesem Fall 490 Euro.

REISEZEIT/KLIMA Am heißesten ist es in Thailand von März bis Mai. Angenehmer ist ein Urlaub während unserer Sommerferien im August und September.

IMPFUNGEN Empfohlen wird ein Impfschutz gegen Tetanus, Diphtherie, Polio und Hepatitis A, vor allem bei Kindern. Spätestens sechs Wochen vor Abflug, so raten Tropenmediziner, sollte man sich darum kümmern.

FAMILIENREISE Die fünftägige Reise „Thailand für Groß und Klein“ (Zielgruppe: Familien mit Kindern ab acht Jahren) schließt den Elefantenritt, einen Besuch der Brücke am Kwai, des Königspalasts in Bangkok, der Schwimmenden Märkte von Dammnoen Saduak und der Siam Ocean World ein. Die Reise kostet ab/bis Bangkok ab 372 Euro (Erwachsene) bzw. 264 Euro (Kinder). Enthalten sind vier Übernachtungen (Mittelklasse) inklusive Verpflegung, Bustransfer, Eintritte und deutschsprachige Reiseleitung. Buchbar in Reisebüros oder unter www.neckermann-reisen.de

DISTANZEN Eine halbe Stunde fährt man bei dieser Rundreise vom Flughafen ins Hotel in Bangkok. Die Sehenswürdigkeiten in der Stadt sind in wenigen Minuten, unter anderem mit Booten, erreichbar. Von Bangkok zu den Elefanten in Kanchanaburi sind es rund drei Stunden Fahrtzeit.

BADEURLAUB Wer vor oder nach der Dschungeltour einen Badeurlaub bucht, sollte von Bangkok aus z.B. 90 Minuten Flugzeit nach Phuket einplanen oder eine zweistündige Busfahrt nach Pattaya. Der Veranstalter empfiehlt als Familienhotel das Bang Tao Phuket oder das Woodland Resort in Pattaya nahe Bangkok.

WEITERE INFOS Thailändisches Verkehrsbüro in Frankfurt, Tel. 069/138 13 90, im Internet: www.thailandtourismus.de.

Christian Deutschländer

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