Reise zu Kim Jong-Un

Bizarre Einblicke: So ergeht es Touristen in Nordkorea

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Nach Nordkorea zu reisen, ist nicht unmöglich. Doch die Umstände machen es Reisenden nicht leicht.

Nordkorea ist ein Land der Extreme – nicht zuletzt wegen der umstrittenen Politik vor Ort. Doch Reisende erleben auch schöne Ecken – allerdings mit Abstrichen.

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, ihren nächsten Sommerurlaub in Nordkorea zu verbringen? In der momentanen angespannten politischen Lage wohl nicht. Doch was wenige wissen: Nordkorea öffnet sich seit einigen Jahren immer mehr dem Tourismus von außerhalb.

Wer allerdings Eintritt in das ostasiatische Land erhalten möchte, muss sich dem radikalen Regime unter Kim Jong-un beugen. Das bedeutet: Diese Reise wird wohl die Ungewöhnlichste Ihres Lebens werden.

Nordkorea: Das müssen Sie alles vor einer Reise beachten

Doch bereits vor der Einreise müssen Urlauber einige Voraussetzungen erfüllen. Erstens: Sie dürfen kein Südkoreaner sein – oder schlimmer noch, ein Journalist, der über angebliche politische Missstände im Land berichten möchte.

Wenn Sie diesen Punkt erfolgreich gemeistert haben, brauchen Sie als Tourist noch ein gültiges Visum. Einziger Vorteil: Sie müssen sich nicht selbst darum kümmern. Stattdessen übernimmt der Reiseveranstalter, bei dem Sie buchen, die Organisation. Dieser fordert dann ein Visum für Sie über die Botschaft an.

Gut zu wissen: Wenn Sie eine Reise nach Nordkorea buchen möchten, müssen Sie dafür tief in die Tasche greifen. Diese geht nämlich nur pauschal und kostet bereits für acht Tage ab Peking rund 8.000 Euro. Die Reise dauert insgesamt ein bis zwei Wochen und beginnt immer in Pjöngjang, der Hauptstadt Nordkoreas.

Nordkorea-Urlaub: Reise wird von Regierung diktiert

Das Kuriose daran: Unterkünfte, Restaurants und Ausflugsziele werden im Vorhinein für Sie bereits ausgewählt – freie Mitbestimmung unerwünscht. Zwar dürfen Sie freundlicherweise auch einen Wunsch äußern – ob der aber dann umgesetzt wird, bleibt fraglich. Schließlich bestimmt am Ende Kim Jong-uns Regierung, wohin es für Sie geht.

Backpacken mit dem besten Freund geht hier nicht – jede Tour wird von zwei Reiseleitern und einem Fahrer nonstop überwacht - pardon - begleitet. Wer sich allerdings doch erdreistet und alleine die Umgebung erkunden möchte, darf einen Rüffel erwarten. Und den gibt es dann auch schon mal auf Deutsch – denn viele Reiseleiter sprechen laut Harry Reingruber vom German Travel Network fließend unsere Sprache.

Zudem wird die meiste Zeit in Pjöngjang verbracht – ab und zu dürfen die Touristen an Touren in die Berge teilnehmen. Dort können sie wandern oder sogar Skifahren. Insgesamt sollen es nur 15 Orte in ganz Nordkorea sein, die Urlauber besichtigen können - darunter historische Stätten wie der Goguryeo-Gräberkomplex oder in Kaesong. Diese zählen seit 2004 und 2013 sogar zum UNESCO-Welterbe.

Der bizarre Grund für die gestellten Touren: Angeblich will Kim Jong-un so dem Westen keine Möglichkeit geben, etwaige Missstände wie die Armut auf dem Land oder die strukturellen Probleme aufzudecken.

Darauf müssen Urlauber in Nordkorea verzichten

Letzteres dürften Touristen allerdings am eigenen Leibe zu spüren bekommen. So kann es beispielsweise passieren, dass unter der Dusche plötzlich das warme Wasser ausfällt.

Weitere Dinge, auf die Sie in Ihrem Nordkorea-Urlaub wohl verzichten müssen:

  • Mobiles Internet (nur selten und unter strengen Auflagen)
  • Kartenzahlung
  • Geldautomaten
  • Währungsumtausch (nur Euros erlaubt)

Wer also einen Ausflug in die Berge plant, der sollte am besten genug Bargeld mitbringen. Denn vor Ort zählt nur: Bares ist Wahres. Packen Sie am besten einige Bündel Scheine ein, denn auch Geldautomaten gibt es in Pjöngjang nicht.

Stattdessen zahlen Sie alles in Euro statt in nordkoreanischem Won. Zumindest können Sie sich dann das Geld wechseln sparen. Und auch das Telefonieren im Hotel funktioniert wenigstens problemlos.

Nordkorea-Reise: Kritische Fragen unerwünscht

Doch Vorsicht: Nicht nur Touren auf eigene Faust, auch kritische politische Fragen werden schnell geahndet. Daher gilt: Wer sich abfällig gegen Kim Jong-un und seine Regierungsmethoden äußert, ist unten durch.

Dasselbe gilt, wenn Sie westliche oder religiöse Symbole mitnehmen, wie zum Beispiel eine deutsche Zeitung oder eine Bibel. Zwar zeigt sich die Regierung je nach Heimatland des Reisenden kulanter – doch bei anhaltendem Ärger kann es passieren, dass Touristen des Landes verwiesen werden.

Neben genug Bargeld empfiehlt es sich außerdem, eine gut gefüllte Reiseapotheke mit allen wichtigen Medikamenten einzupacken. Der Grund: Das Gesundheitssystem soll dort sehr schlecht ausgebildet sein.

Besser impfen lassen vor Nordkorea-Reise

Wer jetzt noch schnell zum Arzt geht, um sich den lange überfälligen Impfschutz auffrischen zu lassen, dem sei geraten, sich gleich mehrmals impfen zu lassen. Und zwar am besten gegen Tetanus, Diphtherie, Polio und Hepatitis A. Wenn Sie ganz sicher gehen möchten, empfiehlt sich, vorher noch eine Auslandsreise-Krankenversicherung für den Notfall abzuschließen.

Doch sollten wir Deutsche in diesen unsicheren Zeiten wirklich noch nach Nordkorea fliegen? Das hängt von Ihnen ab. Wer damit leben kann, auf seiner Reise alles vorgekaut zu bekommen, wird sich wohl leichter tun.

Ethisch gesehen, ist eine Reise nach Nordkorea für manche wohl fraglich – doch entgegen der landläufigen Meinung finanzieren Urlauber mit einer Reise nicht das nordkoreanische Militär. Denn die Einnahmen aus dem Tourismus sollen direkt in die Planwirtschaft fließen. Und auch wenn die Touren angeleitet sind, ist das Land selbst und seine historischen Monumente sicherlich eine Reise wert.

Von Jasmin Pospiech

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