Exklusiv-Interview

Animateurin packt aus: "Arbeit und Feiern schweißt zusammen"

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Eltern schätzen den Miniclub und die dortige Bespaßung für ihre Kinder. Doch für Animateure beginnt dann ein echter Knochenjob.

Die Gäste bespaßen, abends feiern und viele heiße Flirts: So stellen sich manche die Arbeit von Animateuren vor. Doch eine Ex-Animateurin sieht das anders.

Ein spaßiger Ferienjob, bei dem man ein wenig die Gäste bespaßt und sich dann an einem Strand in die Sonne legen kann. Als Animateur zu arbeiten, stellt für manche Jugendliche die optimale Gelegenheit dar, das Schöne mit dem Nützlichen zu verbinden - und sich nebenbei ein paar Euro dazu zu verdienen.

Dass die Arbeit allerdings nicht immer so leicht ist, weiß Ex-Kinderanimateurin Charlotte Gruber.* Sie war 2006 vier Wochen lang in den Semesterferien Animateurin in Malaga, Spanien. Nun hat sie uns im Exklusiv-Interview verraten, wie sie den Job damals wirklich empfunden hat. 

Wie hat man sich den Arbeitstag eines Animateurs vorzustellen?

Charlotte Gruber: Ich war in der Kinderbetreuung, was bedeutet, dass der Tag zwischen acht und neun Uhr beginnt und je nach Schicht um sechs Uhr endet. Danach heißt es allerdings "Präsenz zeigen" und Gästekontakt herstellen. Es gab zum Beispiel die Regel, dass nie mehr als drei Animateure am gleichen Tisch sitzen durften (z. B. beim Essen) und man sich auch nur an große Tische setzen durfte. Bei einer Abend-Show musste ich allerdings nur einmal mitmachen, da ich ja "Freelancer" war und nicht festangestellt. Allerdings mussten wir auch hier bis Mitternacht Präsenz zeigen.

Hast du mit den anderen Animateuren oder auch Gästen mal gefeiert?

Gruber: Um Punkt null Uhr hatten wir immer Feierabend und haben das jeden Abend gehörig gefeiert, Alkohol war ja umsonst (all-inclusive) und es gab eine Club-interne Disco. Da wurde jeden Tag bis etwa drei oder vier Uhr gefeiert. Am nächsten Tag ging es dann wie gewohnt weiter. Ein Tag pro Woche hatte man frei.

Wurdest du gut bezahlt?

Gruber: Nein, ich glaube ich habe damals 400 EUR erhalten, hatte aber ja vor Ort keine Ausgaben, da Unterkunft und Essen und Getränke umsonst waren. 

Häufig liest man, dass Animateure von früh bis spät arbeiten müssen und schamlos ausgenutzt werden – wie war deine Erfahrung?

Gruber: Man muss schon hart arbeiten, aber es kommt auch darauf an, ob man in der Kinderbetreuung arbeitet oder zum Beispiel als Sport-Animateur. Die Belastungen sind unterschiedlich, aber auf jeden Fall nicht ohne.

Mini-Club, dann Karaoke, dann Wasserball spielen – wie behält man bei so einem straffen Programm immer gute Laune? 

Gruber: Man pusht sich gegenseitig, das Team hält zusammen und man hat ja auch jeden Tag Spaß. Allerdings habe ich nur vier Wochen als Animateurin gearbeitet, bei Festangestellten weiß ich selber nicht, wie das möglich ist. Außerdem ist man ja an einem schönen Ort mit gutem Wetter und gut gelaunten Leuten um einen herum.

Was ist die schönste und die schlechteste Erinnerung, die du aus deiner Zeit als Animateurin mitgenommen hast?

Gruber: Schön ist, dass ich damals tolle Menschen kennengelernt habe, mit denen ich heute noch gut befreundet bin. Ich glaube, die harte Arbeit und das Feiern schweißt zusammen. Schön war auch die Entwicklung von einigen Kindern mit anzusehen und auch viel über Kinder in dem Alter generell zu lernen. Nicht schön mit anzusehen war allerdings, wie viel manche Eltern falsch machen und ihrem Kind dadurch schon früh schaden.

Inwiefern?

Gruber: Es gab da zum Beispiel eine Dreijährige, die ihren Eltern nur auf der Nase herumgetanzt ist. Ihre Eltern haben ihr daraufhin aber nicht Sachen verboten, sondern haben versucht, ihr jeden Wunsch von den Augen abzulesen.

Wenn die Kleine ein Spielzeug haben wollte, haben die Eltern alles daran gesetzt, dass sie es bekommt, auch wenn sie es dafür anderen Kindern wegnehmen mussten. Sobald es der Kleinen nicht schnell genug ging, hat sie wie am Spieß geschrien, woraufhin die Eltern noch schneller versuchten, den Wunsch zu erfüllen, damit die "arme Kleine" nicht mehr weint.

Ein anderes Szenario mit dieser Familie habe ich beim Mittagessen erlebt: Eltern und Kinder durften sich aussuchen, ob sie mit uns, den Animateuren, zu Mittag essen oder mit den Eltern. Zunächst wollte dieselbe Kleine mit uns essen, hat aber nur wie am Spieß gebrüllt und wollte zu ihren Eltern, die wir daher holten.

Wir übergaben die Kleine mit dem Ergebnis, dass sie fünf Minuten später wieder bei uns am Tisch stand, weil sie es sich wieder anders überlegt hatte und die Eltern sie daher wieder zurück brachten. Alles in Allem konnte man sehen, dass das kleine Mädchen ihre Eltern komplett im Griff hatte und sich alles erlauben konnte  – und das ohne Konsequenzen.

Was hast du daraus für dich gelernt?

Gruber: Ich glaube einfach nicht, dass solch ein Verhalten seitens der Eltern für die Entwicklung des Mädchens von Vorteil war, da ihr nie Grenzen aufgezeigt wurden und sie immer machen durfte, was sie wollte, zumindest während die Eltern dabei waren. Für uns war es da umso schwieriger, ihr klar machen zu müssen, dass das bei uns nicht so läuft. Verstanden hat sie es natürlich nicht.

Welches Fazit ziehst du schließlich über deine Zeit als Animateurin?

Gruber: Es war sicherlich eine anstrengende, aber auch schöne und intensive Zeit und ich bin froh, das für vier Wochen als Animateurin miterlebt zu haben.

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Von Jasmin Pospiech

*Name von der Redaktion geändert

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