Was vom Urlaub bleibt

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Andenken an den Urlaub.

Postkarten, Schneekugeln, Schnapsglaserl, Wandbrettchen – es gibt viele Souvenirs, die an die schönen Urlaubstage erinnern sollen. Jetzt gibt es eine Ausstellung über die Geschichte der Reiseandenken.

Im Schwäbischen Volkskundemuseum Oberschönenfeld bei Augsburg zeigt die Ausstellung „Reiseandenken – was vom Urlaub übrig bleibt“.

„Reiseandenken – was vom Urlaub übrig bleibt“ - Ausstellung im Schwäbischen Volkskundemuseum Oberschönenfeld bei Augsburg

„Neuschwanstein geht immer.“ Die Geschmäcker der Touristen seien zwar schwer einzuschätzen, meinte der Inhaber des Andenkenladens, aber Souvenirs mit Ludwigs Märchenschloss unterliegen keinem modischen Trend, die sind immer aktuell. Das hat Dorothee Pesch bei ihrer Recherche erfahren, als sie die Ausstellung „Reiseandenken – was vom Urlaub übrig bleibt“ vorbereitet hat. Also dürfen in Oberschönenfeld die Neuschwanstein-Andenken nicht fehlen. Mancher mag die Nase rümpfen über Schneekugeln oder Postkarten mit dem Märchenschloss, doch viele verbinden mit dem Kitsch ganz persönliche Erinnerungen an eine Reise oder an den Urlaub. Souvenirs seien eine Erinnerungsstütze, „sie retten den Urlaub in den Alltag“, sagt Dorothee Pesch.

Denn es sind gerade die Klischees, die vom Urlaub erzählen. „Es sind meist Stereotypen aus den Bereichen Tracht, Natur und Architektur“, sagt die Volkskundlerin: das Schnapsglaserl aus dem Schwarzwald mit dem aufgemalten Bollenhut-Mädel, das Edelweiß auf dem Wandbrettchen aus Garmisch und die Paris-Postkarte mit dem Eiffelturm. Über 900 Objekte hat Dorothee Pesch für die Ausstellung zusammengetragen.

„Neuschwanstein geht immer.“

Die Geschichte der Souvenirs ist eng verknüpft mit der Geschichte des Reisens. Schon vor über 1200 Jahren reisten Pilger zu den für das Christentum heiligen Stätten und brachten sich Andenken mit, die letztlich auch als Beweise für die zu Hause Gebliebenen dienen sollten, dass man tatsächlich dort war. Beliebte Mitbringsel von diesen Pilger-Wallfahrten waren Erde, Steine, Wasser und Öle von heiligen Orten, und ganz besonders kostbare Reliquien wie die „wahren Nägel der Kreuzigung Christi“ – deren Authentizität jedoch getrost angezweifelt werden darf.

Gezeigt werden in der Ausstellung auch Andenken aus dem Krieg. Beim genaueren Betrachten der Erinnerungsstücke, die die Soldaten nach Hause schickten oder mitbrachten, merkt man, dass viele so das Grauen des Erlebten bewältigten. Sie betrachteten den Krieg lieber als touristischen Ausflug, bei dem sie sich nur an das Exotische erinnern wollten – für viele war es die erste Reise ins Ausland.

Der stetig wachsende Massentourismus der Nachkriegszeit begründete dann die industriell gefertigten Andenken. Die Firma Walter & Prediger aus Kaufbeuren-Neugablonz, einer der größten Produzenten von Souvenirs, hat exklusiv für die Ausstellung das Firmenarchiv geöffnet und zeigt Produktmuster, Firmenkataloge und Spritzgussformen. Auch das Geheimnis, wie der Schnee in die Schneekugel kommt, wird im Volkskundemuseum gelüftet, das Geheimrezept für die Flocken wird jedoch nicht verraten.

Dem Souvenirverkauf entzieht sich auch das Volkskundemuseum selbst nicht. An der Museumskasse gibt es neben Postkarten und Broschüren beispielsweise für 4,50 Euro auch einen dieser nostalgischen Bildbetrachter in Fernsehform mit Motiven des Klosters Oberschönenfeld und für 5,50 Euro die obligatorische Schneekugel, in der man König Ludwigs Märchenschloss in eine Winterlandschaft verwandeln kann. Neuschwanstein geht eben immer.

Volker Pfau

DIE REISE-INFOS

REISEZIEL Das Schwäbische Volkskundemuseum befindet sich auf dem Gelände des Zisterzienserinnen-Klosters Oberschönenfeld, dieses liegt rund 15 Kilometer westlich von Augsburg.

ANFAHRT Mit dem Auto auf der A8 von München bis Ausfahrt Augsburg West, auf der B 17 Richtung Landsberg, Ausfahrt B 300, Richtung Memmingen. In Gessertshausen links abbiegen, Beschilderung folgen. Entfernung von München rund 85 Kilometer.

MUSEUM Die Ausstellung dauert bis 7. Oktober; sie ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag (Feiertage geöffnet), jeweils von 10 bis 17 Uhr. Eintritt 3 Euro, Kinder (6 bis 18 Jahre) 1 Euro. Es werden auch spezielle Führungen für Familien und Senioren sowie Kinderprogramme angeboten.

AUSKUNFT Schwäbisches Volkskundemuseum Oberschönenfeld, Tel. 082 38/300 10, www.schwaebisches-volkskundemuseum.de.

Zurück zur Übersicht: Reise

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser