Einmal Nordkap und zurück

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Ranger im Nationalpark Berchtesgaden Klaus Melde (44) liebt die Natur.

Er ist Ranger im Nationalpark Berchtesgaden und als solcher hat Klaus Melde (44) ein besonderes Auge für die Natur. Wie er die Winterreise auf dem Hurtigruten-Schiff MS Trollfjord erlebte, schildert er uns als Leserreporter in seinem Tagebuch.

Einmal Nordkap und zurück - das Tagebuch von Klaus Melde

1. Tag: Samstag, 30. Januar

Pünktlich zu Beginn meiner Reise kommt der bayerische Winter in Schwung. Vereiste Landebahnen sorgen für eine ordentliche Verspätung. Wir erreichen doch noch rechtzeitig Bergen. Aber jetzt hat mein Schiff fünf Stunden Verspätung. Hurtigruten lädt zum Abendessen ins Hotel. Keine schlechte Art, die Wartezeit zu überbrücken. Um 21 Uhr geht es dann an Bord der MS Trollfjord, um 22.30 Uhr startet bei dichtem Schneetreiben meine Schiffsreise in den hohen Norden.

2. Tag: Sonntag, 31. Januar

Ohne Wecker wache ich um sieben Uhr auf. Blick aus dem Kabinenfenster: Ein riesiger Vollmond taucht das Hafenstädtchen Maløy und die umliegenden Berge in ein unglaubliches Licht. Was für ein Auftakt! Während wir die offene Passage Stadthavet durchfahren, beobachte ich den Sonnenaufgang an Deck. Viele Passagiere teilen dieses Erlebnis bei starkem Wellengang nicht mit mir. Gegen Mittag erreichen wir Ålesund. Ich nutze den Landgang zu einer kleinen Bergtour. Auf abenteuerlichem Weg geht es hinauf zum verschneiten Aksla, von wo aus man einen wunderbaren Blick auf die Jugendstilstadt hat. Wetterkapriolen begleiten uns am Nachmittag auf der Weiterreise in Richtung Norden. Erst lässt ein Sonnenuntergang den Horizont erstrahlen, kurz darauf herrscht dichtes Schneetreiben. Am Abend hat sich das Wetter wieder beruhigt und wir legen sicher im Hafen von Kristiansund an. Die beleuchteten Häuser sind ein tolles Fotomotiv.

Winterliches Hurtigurten

Winterliches Hurtigruten

3. Tag: Montag, 1. Februar

Der Tag beginnt mit einem Spaziergang durch Trondheim, der drittgrößten Stadt Norwegens. Ich besichtige den Nidaros-Dom mit seinen 70 Meter hohen Glasmosaiken. Trondheims Altstadt ist wirklich sehenswert. Durch den 130 Kilometer langen Trondheimfjord geht es weiter. Trotz des Breitengrads, der jetzt schon dem Islands oder Südgrönlands entspricht, sind an der Küste landwirtschaftlich genutzte Flächen zu sehen. Am Nachmittag verlassen wir die gemäßigte Zone. Die Berge an der zerklüfteten Küste werden immer imposanter. Bis zum Sonnenuntergang um 16 Uhr stehe ich an Deck und bewundere die großartige Kulisse. Überraschend zeigt sich am späten Abend ein Nordlicht. Das ist südlich des Polarkreises eine absolute Seltenheit!

4. Tag: Dienstag, 2. Februar

Es ist saukalt und früh am Morgen. So erlebe ich die Überquerung des Polarkreises durch das Bullauge meiner Kabine. Jetzt zeigen sich die Vorteile einer Außenkabine auf Steuerbord (für Nichtseemänner: in Fahrtrichtung rechts). Am Vormittag geht es durch die enge Nordland- Fahrrinne, vorbei an Fischerdörfern, Inseln und Schären. Bald kommt der Svartison-Gletscher in Sicht, Norwegens zweitgrößter Gletscher mit einem 370 Quadratkilometer großen Eisfeld. Ein gewaltiger Anblick. Vor uns liegt Bodø, laut Reiseführer eine graue, langweilige Stadt. Trotzdem freue ich mich darauf, denn hier gibt es die größte Dichte an Seeadlern. Vier führen mir gleich ihre Flugkünste vor. Gegen Mitternacht zeigt sich wieder ein Nordlicht, noch größer und intensiver als am Vorabend. Die Lichter tanzen über den Sternenhimmel. Was für ein Glück!

5. Tag: Mittwoch, 3. Februar

Weiter geht’s zur abwechslungsreichen Küste von Senja, der zweitgrößten Insel Norwegens. Auf ihr befindet sich der Ånderdalen-Nationalpark mit über 500 Jahre alten Kiefern. Am Nachmittag erreichen wir Tromsø, das Tor zum Eismeer. Ein Spaziergang lohnt zur Eismeerkathedrale und in die Fußgängerzone mit ihren hübschen Holzhäusern. Kurz nach Tromsø tauchen die ersten Gipfel der Lyngen-Alpen auf, einer fast 100 Kilometer langen Gebirgskette mit unzähligen Gletschern.

6. Tag: Donnerstag, 4. Februar

Um 9.30 Uhr legen wir in Havøysund an. Wir sind jetzt auf der Höhe Alaskas oder Sibiriens, aber es hat milde minus vier Grad. In Honningsvag beginnt der Landausflug zum 34 Kilometer entfernten Nordkap. Die Busfahrt durch Magerøya (magere Insel) zeigt karge Vegetation. Wir befinden uns am Nordrand der arktischen Tundra. Im Schlepptau eines Schneepflugs geht es die letzten Kilometer hinauf zum Nordkap. Ein tolles Gefühl, am nördlichsten Punkt Europas zu stehen, wenn die Sonne wie ein Feuerball hinter den Bergen versinkt. Am Abend passieren wir Austhavet, die Grenze zwischen Nordmeer und Barentsee.

7. Tag: Freitag, 5. Februar

Nachdem wir frühmorgens den 100 Kilometer breiten Varanger- fjord, der beste Fanggründe für die wohlschmeckenden Königskrabben bietet, durchquert haben, erreichen wir gegen 10 Uhr Kirkenes, den letzten Hafen der nordgehenden Route. Heute steht eine Fahrt mit dem Hundeschlitten auf dem Programm. Im wenige Kilometer entfernten Gabba Park warten die wild jaulenden Huskys bereits auf ihren Einsatz. Ich darf meinen Schlitten selbst lenken. Was für ein Gefühl, mit sechs wilden Kerlen durch die verschneite Landschaft zu jagen! Am frühen Nachmittag verlassen wir Kirkenes. Nun beginnt die südgehende Route.

8. Tag: Samstag, 6. Februar

Bei starken Schneetreiben landen wir in Hammerfest. Den kurzen Aufenthalt nutze ich, um Mitglied im Eisenbärenclub zu werden.

9. Tag: Sonntag, 7. Februar

Am Nachmittag treffe ich im Hurtigrutenmuseum in Stokmarkenes Kapitän Tor Hovden. Beim Rundgang mit dem 75-Jährigen fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. Das Nebelhorn der MS Trollfjord reißt mich jäh zurück in die Gegenwart. Unter strengen Blicken betrete ich im Laufschritt als letzter Passagier das Schiff. Auch am Abend hält das Schneetreiben an. Die unglaubliche Enge des Raftsund lässt sich nur schemenhaft erahnen.

10. Tag: Montag, 8. Februar

Bei drei Grad plus überqueren wir das zweite Mal den Polarkreis. Wir verlassen die Arktis. Kurz nach Sandnessjøen passieren wir die „Sieben Schwestern“, eine sagenumwobene Bergkette. Weiter geht es durch die Nordland-Fahrrinne, vorbei an dem aus 6000 (!) Inseln und Schären bestehenden Inselreich Vega mit den ältesten nachgewiesenen Siedlungen Nord-Norwegens.

11. Tag: Dienstag, 9. Februar

Bei Sonnenschein durchfahren wir den Trondheimsund, vorbei an den Inseln Hitra und Smøla. Auf Hitra soll es die größte Wilddichte Norwegens geben. Hirschrudel sehe ich vom Schiff aus keine, dafür hunderte von Seevögeln.

12. Tag: Mittwoch, 10. Februar

Mehr zu Norwegen:

Länderinfo Norwegen

Letzter Tag an Bord. Ich genieße die Sicht auf den Fischerhafen Måløy in der Morgensonne. Auf den letzten Seemeilen zeigt sich noch einmal die Schönheit der norwegischen Küste.
12 Tage, 2660 Seemeilen und 66 Häfen liegen hinter mir. Im Gepäck habe ich Bilder und Eindrücke, die ich nie vergessen werde. Vieles machte diese Reise so besonders. Nette Gespräche mit anderen Passagieren, das Treffen mit dem ehrenwerten Kapitän Hovden, die immer hilfsbereiten Reiseleiter, das vorzügliche Essen an Bord. Um 14.30 Uhr legten wir im Hafen von Bergen an. Wehmütig verlasse ich das Schiff. An Deck 9 steht auf einem Schild: „The worlds most beautiful voyage“ – die schönste Seereise der Welt. Stimmt.

INFOS ZU DEN HURTIGRUTEN

REISEZIEL Hurtigruten nennt man die 2500 Kilometer lange Strecke entlang der norwegischen Küste, auf der die Post- und Passagierschiffe der gleichnamigen Reederei täglich verkehren. Sie führt von Bergen im Süden bis hinauf nach Kirkenes im äußersten Norden Norwegens.

ANREISE Flug nach Bergen, im Winter mit Linie (ab 295 Euro pro Person und Strecke). Ab 18. Mai bis 2. September gibt es wieder Charterflüge ab München (ab 195 Euro für die einfache Strecke). Im Reisepaket über Hurtigruten buchbar.

REISEZEIT Die Hurtigruten-Schiffe fahren das ganze Jahr über. Die Temperaturen liegen in Norwegen sowohl im Sommer als auch im Winter um durchschnittlich drei bis acht Grad unter dem mitteleuropäischen Maß.

REISETYP Für seelische Tiefgänger, die in grandioser Natur schwelgen möchten.

SCHIFFE Elf Schiffe verkehren auf der Hurtigruten-Strecke. Die MS Trollfjord gehört mit 650 Betten zu den größten und modernsten der Flotte. Die MS Lofoten, Baujahr 1964, ist das einzige Hurtigruten-Schiff unter Denkmalschutz.

STATIONEN 34 Häfen werden auf der Strecke zwischen Bergen und Kirkenes angelaufen. In manchem Fischerdorf beträgt die Liegezeit nur 30 Minuten, in Städten wie Alesund und Trondheim mehrere Stunden. Gefahren wird Tag und Nacht, wobei alle Orte und Küsten- abschnitte, die auf der Nordroute nachts angelaufen oder passiert werden, auf der Südroute am Tag zu sehen sind.

PREISE Die beschriebene 12-tägige Hurtigruten-Winter- reise auf der MS Trollfjord kann mit Linienflug ab/bis München zum Preis ab 1564 Euro gebucht werden. Reisetermine zwischen 17. September und 15. Dezember 2010. Ein Special mit Charterflug auf der MS Polarlys kostet ab Oktober 2010 ab 1295 Euro.

INFO/BUCHUNG im Reisebüro oder direkt bei Hurtigruten im Büro Hamburg, Tel. 040/37693456, im Internet: www.hurtigruten.de.

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