Kinderreporter im Outdoor-Camp

Wir sind jetzt wilde Kerle

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Die wiulden Buben: Stolz präsentieren Valentin, Raphael und Christian (von links) die aus Naturmaterial gebaute Laubhütte.

Wir hatten drei Kinderreporter gesucht, die für uns ins Wildniscamp nach Bad Feilnbach fahren. Christian (10) aus Garmisch-Partenkirchen und die beiden Brüder Raphael (11) und Valentin (8)...

...aus Peißenberg waren unter den Bewerbungen ausgesucht worden, um für uns dort Abenteuerferien zu verbringen. Danach haben sie sich mit Reiseredakteur Volker Pfau zusammengesetzt und von ihren Erlebnissen berichtet.

Christian, die Flinke Cobra, schleicht

Der erste Tag. Nachdem die Eltern wieder gegangen waren, jeder wusste, wo er schläft, und von den zwölf Camp-Teilnehmern das Gelände schon Mal ein bisserl erkundet worden war, setzte sich die Gruppe zusammen und besprach die folgenden Tage im Wildniscamp. Zum neuen Leben gehörten neue Namen, die sich die Kinder selbst aussuchten.
Christian: Mein neuer Name war Flinke Cobra, ich mag nämlich Schlangen.
Raphael: Ich habe Fröhlicher Wolf ausgesucht, weil Wölfe meine Lieblingstiere sind.
Valentin: Weil ich gerne im Wasser bin und in Kroatien schon mal Delfine gesehen habe, habe ich mich Regen-Delfin genannt.

Was habt ihr dann so den ganzen Tag über im Camp gemacht?

Flinke Cobra: Wir haben jeden Tag morgens Aufgaben bekommen, wie zum Beispiel Holz fürs Feuer sammeln oder ganz still sitzen und den Eulenblick üben. Dabei muss man ganz ruhig sein und darf sich nicht bewegen. Bei mir ist aber nichts passiert, ich habe nur eine Eule gehört. Wir haben auch mal mit Bogen geschossen. Das war gar nicht so einfach, die Sehne zu spannen und dann auch noch zu zielen. Ich bin auch manchmal einfach in den Wald gegangen, um in Ruhe zu schnitzen.
Fröhlicher Wolf: Abends haben wir mal einen Schleich-Wettbewerb gemacht. Da musste eine Gruppe an der anderen vorbeischleichen, ohne dass die das hören. An einem Tag haben wir auch Laubhütten im Wald gebaut, in denen wir eigentlich schlafen wollten, es war dann aber doch zu nass dafür.
Regen-Delfin: Ich habe angefangen, beim Glutbrennen eine Tasse zu machen, aber ich bin nicht ganz fertig geworden.

Die Tage im Camp sollen den Kindern die Möglichkeit geben, sich selbst und ihre Fähigkeiten zu entdecken, erklärt Dirk Schröder, der das Wildniscamp leitet. Ohne Stundenplan. „Wir machen kein Bespiel-Programm“, sagt er, aber die Betreuer hätten stets genug Ideen, was sie mit den Kindern machen können. Dazu gehören Spiele im Camp oder im Wald ringsum, aber auch Angebote wie Basteln und das Erlernen und Ausprobieren von Sachen, die man zu Hause selten oder nie macht.

Was habt ihr gelernt?

Fröhlicher Wolf Raphael schnitzt gern.

Flinke Cobra: Das Schnitzen. Ich hatte vorher noch kein eigenes richtiges Messer. Und ich habe gelernt, wie man aus Glut wieder ein Feuer anzündet und wie man Tarncreme macht. Gekocht habe ich zu Hause auch schon vorher.
Fröhlicher Wolf: Ich kann jetzt ganz gut selbst Feuer machen. Zu Hause machen wir den Grill jetzt immer mit Birkenrinde an, die brennt ganz leicht. Wir brauchen gar keinen gekauften Anzünder mehr. Und ich habe gelernt, wie man selbst kocht.
Regen-Delfin: Ich habe gelernt, wie man ganz still anschleicht und wie man sich tarnt. Einmal war Anschleichen und ich hatte mich so gut versteckt, dass ich der Einzige war, der nicht gefunden wurde. Und ich habe eine Messertasche gebastelt, eine aus Leder mit Fell dran.

Feuer und Messer – diese zwei Dinge, die sonst im Alltag so gut wie nie in Kinderhände gelangen, sind im Wildniscamp nicht verboten. Im Gegenteil: Die Kinder lernen, damit umzugehen. Zur Begrüßung bekommt jeder Teilnehmer sein eigenes Messer geschenkt – für viele der Kinder ist es ihr erstes Taschenmesser überhaupt. „Wir trauen ihnen etwas zu“, sagt Dirk Schröder. Das geht aber auch nicht ganz ohne Grenzen.

Welche Regeln gab es im Camp?

Flinke Cobra: Feuer darf man nur dann machen, wenn ein Erwachsener in der Nähe ist. Und einer muss immer auf das Gemeinschaftsfeuer aufpassen.
Fröhlicher Wolf: Man darf nie mit dem offenen Messer rumlaufen, und wer schnitzt, der sitzt!
Regen-Delfin: Man muss auf seine Sachen aufpassen und darf nichts verlieren.

Was passierte, wenn man gegen eine der Regeln verstieß?

Valentin, der Regen-Delfin, macht Feuer

Fröhlicher Wolf: Ich habe beim Schnitzen gegen die Regeln verstoßen und musste das Klo ausleeren.
Flinke Cobra: Ich habe mal mein Messer vergessen und dafür als Strafe Geschirr abgewaschen. Ich hätte aber auch ein Lied singen können.
Regen-Delfin: Ich habe ein paar Mal meine Lanze vergessen und musste deswegen bis zum nächsten Essen den Strafstock tragen, der heißt Big Man. Einmal sogar den Fat Man, der ist noch größer.

Zur Besonderheit des Wildniscamps gehört, dass die Kinder beim Zubereiten des Essens mit einbezogen werden. Das bedeutet aber nicht Küchendienst mit Hilfsarbeiten wie Gemüseschnippeln (das muss ab und zu aber auch sein), sondern selbst kochen: sich ums Feuer kümmern, die Zutaten im Küchenzelt besorgen, zubereiten und brutzeln. „Das haben viele noch gar nie gemacht“, sagt Dirk Schröder, „und egal, was dabei rauskommt – die Kinder sind stolz da­rauf.“

Was habt ihr im Camp gegessen?

Regen-Delfin: Das Gemüse-Gemisch hat so lala geschmeckt. Ich habe mir immer selbst etwas gekocht, weil mir die Mischungen der anderen nicht geschmeckt haben.
Flinke Cobra: Morgens gab es ganz normales Frühstück mit Brot, Marmelade, Nutella, Honig, Müsli und Tee, mittags und abends gab es warmes Essen wie Schupfnudeln, Spiegelei oder Reis.
Fröhlicher Wolf: Wenn wir mittags selbst gekocht haben, gab es mal Reis, mal Spätzle, und fast immer gab es etwas mit Ei. Der Reis hat besser geschmeckt als der von der Oma. Abends kochte der Küchendienst zusammen mit den Betreuern Sachen wie Spaghetti oder Nudeln mit Gemüse.

Mit dem Wetter hatten unsere Kinderreporter leider ziemlich Pech: Es hat fast die ganze Woche geregnet. Aber das störte nicht weiter. „Die Stimmung war erstaunlich gut, die Kinder waren großartig“, sagt Dirk Schröder.

Hat euch das schlechte Wetter gestört? Konntet ihr da überhaupt im Zelt übernachten?

Flinke Cobra: Im Zelt war nicht viel Platz, darum habe ich beim Schlafen meine Klamotten einfach angelassen. Ich habe aber gar nicht alles angezogen, was ich dabei hatte.
Fröhlicher Wolf: Das Zelt war gut, nur ist es mal halb zusammengebrochen. Ich hatte ein paar Hosen zu wenig dabei, weil es so nass und matschig war. Dass ich meine Reitstiefel dabei hatte, war perfekt.
Regen-Delfin: Meine Stiefel sind nass geworden, als ich beim Schleichen in den Bach gefallen bin und mich hat genervt, dass ich beim Hüttenbauen ungefähr 1000 Mal ausgerutscht bin, weil es so nass war.

Was hat euch am besten gefallen?

Fröhlicher Wolf: Ich fand am besten, dass wir am Abschlussfest alle Witze erzählt haben, die uns eingefallen sind und dass ich eine Woche lang nicht die Zähne putzen musste.
Flinke Cobra: Wir durften am Abend aufbleiben, so lange wie wir wollten.
Regen-Delfin: Mir hat am besten gefallen, dass ich neue Witze gelernt habe, dass wir im Zelt Lieder gesungen haben und wie man sich mit Tarn-Pampe tarnt. Ich habe mich auch fast nie gewaschen, und mein Ausschlag am Arm ist besser geworden. Das war aber, weil wir im Camp fast keinen Zucker gegessen haben.

Würdet ihr noch einmal ins Wildniscamp gehen?

Flinke Cobra: Ich würde da sehr gerne noch einmal hin, wenn das Wetter besser ist. Dann würde ich gerne im Fluss schwimmen und den Mächtigen Adler wieder treffen, denn wir sind gute Freunde geworden.
Fröhlicher Wolf: Ich will im nächsten Jahr wieder dorthin, dafür verzichte ich auch auf meine Weihnachtsgeschenke.
Regen-Delfin: Ich würde im Sommer noch einmal dort hin, wenn es nicht so kalt und nass ist. Dann sind die Klos auch sauberer.

Wildniscamp-Info

Die Camps finden in Bad Feilnbach statt. Es gibt Angebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Das Camp, das unsere drei Kinderreporter besucht haben, heißt Wildniscamp Frischlinge, ist für Acht- bis Elfjährige, dauert fünf Tage und kostet 190 Euro pro Kind. Weitere Infos und Anmeldung unter Tel. 01 57/73 45 72 35 oder www.wildnisschule-chiemgau.de. Über das Natur-Sport-Erlebnisprogramm „Gipfelstürma“ von Bad Feilnbach kann der Aufenthalt im Wildniscamp ebenfalls gebucht werden, dazu auch Tageskurse. Infos und Anmeldung bei der Kur- & Gästeinformation Bad Feilnbach, Tel. 080 66/887 11,www.gipflstuerma.de.

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