Wo der Schnee herkommt

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Schneeflocken aus dem neuen Museum: Frau Holle schüttelt ihr Kissen aus.

Frau Holle ist freundlich, aber bestimmt, immer gut angezogen und wenn sie die Betten schüttelt, dann schneit es. Dass sie aber auch eine andere, dunkle Seite hat...

...zeigt das neue Frau-Holle-Museum in Hessisch Lichtenau, das Holleum.

Wenn Frau Holle die Betten ausschüttelt, schneit es – diese Geschichte kennt wohl jeder. In Hessisch Lichtenau ist Anfang Oktober ein Frau-Holle-Museum eröffnet worden, das nicht nur das Märchengesicht der Frauengestalt zeigt. „Wir wollen Frau Holle in bekannten und unbekannten Facetten darstellen“, sagt Monika Walenta-Müller vom Kulturbüro der nordhessischen Stadt.

Warum ausgerechnet in Hessisch Lichtenau? Der nahe Hohe Meißner gilt als die Heimat der Frau Holle. Die Stadt wirbt bereits seit Jahrzehnten mit der Figur. „Ob die Kitzkammer oder der Frau-Holle-Teich – es gibt mehrere Bezugspunkte. Und die Orte sind alle da“, sagt Walenta-Müller. Mit dem Hessentag 2006 verordnete sich die 13 000-Einwohner-Stadt ein neues Tourismus-Konzept und wurde zur „Frau-Holle-Stadt“.

Die etwa drei Meter hohe und rund 1,3 Tonnen schwere Skulptur steht am Ufer des Frau-Holle-Teichs am Hohen Meißner. Manchen Betrachtern ist die Figur jedoch zu weiblich und figurbetont geraten.

Von Anfang an dabei ist auch Marlu Stoffels – und zwar als Verkörperung der Frau Holle. Wenn die 66-Jährige in weißer Bluse, rotem Jäckchen und mit ihrem dicken Kissen durch die Straßen läuft, wird sie oft angesprochen, erzählt die blonde Frau. „Die Leute sind sehr freundlich. Meistens sagen sie, ich soll nicht die Kissen ausschütteln. Vor allem im Sommer.“ Das Museum zeigt aber mehr als nur das Märchengesicht von Frau Holle. Demnach wurde die Frauengestalt im frühen Mittelalter als Erdmutter und Fruchtbarkeitsgöttin verehrt und mit der nordischen Göttin Freya verglichen. In einem Teil des Museums wird sie als Herrscherin der Unterwelt dargestellt. „Das ist besonders für die älteren Kinder interessant“, sagt Walenta-Müller.

Das Museum ist das Herz eines Frau-Holle- Rundwegs mit zwölf Stationen, der durch Hessisch Lichtenau führt. Ziel des Museums sei es, den Tagestourismus zu fördern, betont Walenta- Müller. Gekostet hat es die Stadt kaum etwas. Ein Teil der Museumskosten von rund 100.000 Euro wird aus einer Erbschaft bezahlt, die die Stadt in den 1970er-Jahren gemacht hat. Vorgabe war es, von dem Geld – umgerechnet rund 38.000 Euro – ein Museum in der Kernstadt zu bauen. Der Rest kam aus Fördermitteln der Europäischen Union.

Die Federn im Kissen von Stoffels alias Frau Holle stammen übrigens aus der Umgebung – aus einer Bettfedernfabrik im benachbarten Helsa. Innerhalb von sechs Jahren hat Stoffels als Frau Holle geschätzt rund ein Kilogramm Federn verbraucht. Das klingt nach wenig, allerdings wirft sie bei Auftritten auch immer nur wenige Federn – das reicht, um den Effekt zu erzielen. Außerdem sind Federn ja federleicht – ein Kilogramm ist ein fast mannshoher Sack voll.

Timo Lindemann

DIE REISE-INFOS

REISEZIEL Die Stadt Hessisch Lichtenau hat knapp 13.000 Einwohner. Sie liegt im Werra- Meißner-Kreis rund 20 Kilometer Südöstlich von Kassel und ist ein Etappenort der Deutschen Märchenstraße.

ANREISE Mit dem Auto von München über Nürnberg (A 9) und Würzburg (A 7) bis Anschlussstelle Malsfeld und auf der B 487 bis Hessisch Lichtenau. Entfernung rund 470 Kilometer.

MUSEUM Das Holleum ist sonntags von 15 Uhr bis 17 Uhr geöffnet, für Gruppen auf Anfrage auch unter der Woche; Eintritt: 2 Euro, Kinder (ab 6 Jahre) 1 Euro. Frau-Holle-Museum im Alten Rathaus, Landgrafenstr. 17, 37235 Hess. Lichtenau, Tel. 056 02/ 80 71 47, Internet: www.hessischlichtenau. de.

RUNDWEG Der Frau-Holle- Rundweg zeigt an zwölf Stationen die Sagen- und Märchengestalt in Verbindung mit der Geschichte der Stadt. Der Rundweg beginnt am Tor des Frau-Holle-Parks.

WANDERUNG Der Hohe Meißner (753 Meter) gilt als Heimat des Märchens von Frau Holle. Auf dem Premiumweg P 1 kann man 13 Kilometer auf den Spuren Frau Holles wandern und obendrein den waagrecht liegenden Säulenbasalt an der Kitzkammer und Relikte aus 400 Jahren Braunkohlebergbau bestaunen.

TERMIN Vom 2. bis 4. Dezember findet in Hessisch Lichtenau der Frau-Holle-Weihnachtsmarkt statt, auf dem Frau Holle Märchen vorliest und der größte Nussknacker der Welt (7,50 Meter hoch) ausgestellt ist.

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